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Analyse

Kann ein Computer kreativ sein?

(Foto: dpa)

Kreativität ist ein weites Feld, aber wenn wir uns auf die schöpferische Kreativität beim Schaffen von Kunst beschränken, würde ich beim heutigen Stand der Technik sagen: Nein. Handwerklich sind die Maschinen inzwischen zwar gut, es fehlt ihnen aber einfach die Intention.

In Kooperation mit Quora – einer Plattform, auf der ihr Wissen austauschen und miteinander teilen könnt – präsentieren wir euch in loser Folge Fragen, die mit der Digitalisierung und all ihren Facetten zusammenhängen. Und natürlich eine Antwort, immer von einem Experten. Dieses Mal versucht Aljoscha Burchardt die Frage zu beantworten, ob ein Computer kreativ sein kann.

Mithilfe von maschinellem Lernen können Computer aus vorherigen Mustern Neues schaffe: komponieren wie Bach oder ein Foto in ein Bild wie eins der Werke von Vincent van Gogh verwandeln. Das sind faszinierende Ergebnisse, die selbst Experten täuschen. Aber letztlich handelt es sich hierbei um eine Form der Imitation. Aber der Reihe nach.

Die Frage, ob nichtmenschliche Dinge oder Tiere (grundsätzlich) kreativ sein können, ist alt. Durch die jüngsten Erfolge der Künstlichen Intelligenz (KI) hat die Frage nach der Kreativität von Computern neuen Auftrieb erhalten. Die Presse hat unlängst über Bilder berichtet, die von einem KI-System erzeugt wurden und bei Auktionen erhebliche Summen erzielt haben.

Systeme, die solche Bilder erzeugen, bestehen heute oft aus zwei Komponenten:

Ein Generator, der auf Basis von vorher eingespeisten echten Bildern potenzielle neue Bilder erzeugt. Das geschieht typischerweise mit künstlichen neuronalen Netzen, die hierfür trainiert wurden. Ein Filter, also ein zweites neuronales Netz, welches darauf trainiert wurde, echte, menschliche Bilder von Computerbilden zu unterscheiden. Im Zusammenspiel dieser Komponenten entstehen dann plausible Bilder letztlich durch ein Generate-and-Test-Verfahren, also grob gesagt durch Versuch und Irrtum mit eingebauter Kontrollinstanz.

Diese Herangehensweise erinnert an das mathematisch-philosophische Theorem der endlos tippenden Affen. Dieses gibt es in verschiedenen Varianten, in den 1930er-Jahren wurde es in etwa so formuliert, dass, wenn man unendlich viele Affen unendlich lange auf mechanische Schreibmaschinen eintippen ließe, rein statistisch irgendwann ein Affe  beispielsweise die Worte. „Romeo und Julia“ tippen würde und ein anderer etwa den „Knaben im Moor“. Eigentlich reicht für dieses Gedankenspiel bereits ein Affe, der unendlich lange tippt. Es dürfte deutlich sein, dass die Affen hierbei nicht kreativ sind.

Ist wirklich Kreativität im Spiel?

Hat das oben genannte KI-System nun den alten Traum von den tippenden Affen praktisch umgesetzt? In Grenzen, ja. Der Generator erzeugt viele potenzielle Bilder, unter denen auch manche echter Kunst entsprechen. Und der Filter ist sogar in der Lage, diese aus dem Ausschuss herauszusuchen. Das geht über das Gedankenspiel mit den Affen hinaus, hier müsste ja ein Lektor unendlich lange die getippten Werke lesen, um „Romeo und Julia“ und ähnliche Kunstwerke herauszufiltern.

Die eigentlich interessante Frage bleibt: Ist hier Kreativität im Spiel? Wenn, dann müsste sie im Filter oder im Zusammenspiel von Filter und Generator liegen. Da der Filter nur die Frage beantwortet, ob das Ergebnis nicht von einem menschlichen Bild zu unterscheiden ist und das auf Basis von existierenden Bildern, wäre ich eher geneigt zu sagen, das ist keine Kreativität. Kreativität zeigt sich meines Erachtens nach nicht nur im Ergebnis, sondern auch im Weg dahin und darin, etwa mit Stilrichtungen, Erwartungen, kulturellen Normen und anderem zu spielen und so Neues zu schaffen, was den Konsumenten auf irgendeine Art anspricht, erfreut oder auch provoziert. Die berühmte Badewanne von Beuys ist ein gutes Beispiel, die Pop Art ein ähnliches. Diese Art von Kreativität bedarf folglich sehr viel Wissen über Kunst, Gesellschaft, Kulturbetrieb, Zeitgeschehen und vor allem: Empathie. Das hat der Filter schlicht nicht.

Man könnte einwenden, dass der Filter eben das alles aus der Analyse der ihm beim Training gezeigten menschlichen Bilder implizit gelernt hat (im Vergleich mit den computererzeugten Bildern oder anderen Störreizen). So weit, das zu glauben, geht meine Kreativität allerdings nicht.

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