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Ratgeber

Design: So vermeidest du die gröbsten Prototyping-Fehler

Design-Prototyping: Auf diese Steine können Sie bauen. (Foto: Pixabay)

Nennst du es Prototyping, Designentwurf, Mockup oder Vorschlag? Ganz egal: Es geht ums gleiche Thema. Der Kunde will so früh wie möglich sehen, wie sein Endprodukt aussehen und funktionieren wird – egal, ob App, Website oder Webapp. In der Umsetzung dieser Anforderung gibt es einiges zu beachten.

Design-Prototypen: Immer ein Kompromiss

Wir Designer betrachten uns gerne als Experten – besonders, wenn wir schon auf eine Vielzahl erfolgreicher Projekte zurückblicken können. Im Verhältnis zu unseren typischen Kunden sind wir das ja meistens auch. Unter dieser Grundannahme erscheint es uns bei überschaubaren Projekten bisweilen überflüssig, einen Prototypen zu bauen.

Der Kunde sieht es fast immer gänzlich anders. Uns Designern ist zwar oft schon früh klar, dass ein Mockup im Grunde nicht geeignet ist, den Wunsch des Kunden zu befriedigen. Der möchte nämlich eigentlich gar keinen Prototypen sehen, so wie wir ihn verstehen – nein, er will im Grunde eine vollständige und fertige Website oder App, die er in vollem Umfang bedienen kann. Gleichzeitig erwartet er aber, dass auch die fundamentalste Änderung jederzeit und verzögerungsfrei umgesetzt wird.

Das ist Konfliktstoff. Selbst, wenn wir es nicht auf einen Streit anlegen, so ist uns doch bewusst, dass ein Prototyp unter dieser Grundforderung immer nur ein Kompromiss sein kann. Das verstärkt möglicherweise den Drang, auf die Erstellung gleich gänzlich zu verzichten oder zumindest so wenig Arbeitszeit wie möglich dafür zu opfern.

Schon am letzten Punkt lässt sich professionell ansetzen. Mit den heute verfügbaren Prototyping-Tools und UI-Kits muss ein Entwurf nicht mehr lange dauern. Mit etwas Erfahrung und den genannten Hilfsmitteln dürftest du eine App in etwa zwei Stunden grob entworfen und mit Interaktion versehen haben.

Prototyping: Diese Fehler solltest du vermeiden

Tin Kadoic, Creative Director der Agentur Five, will dir mit seinen Anregungen dabei helfen, die gröbsten Fehler im Prototyping-Prozess zu vermeiden. Kombiniert mit eigenen Erfahrungen bringen wir schon eine ganze Reihe nützlicher Tipps zusammen.

Nur mit dem Kunden gemeinsam, wird das Projekt ein Erfolg. (Bild: Pixabay)
Nur gemeinsam mit dem Kunden wird das Projekt ein Erfolg. (Bild: Pixabay)

Arroganz hilft nicht weiter

Ich habe es schon öfter erlebt, als mir lieb gewesen wäre: Der Designer baut sich vor dem Kunden auf, will ihn bekehren und ist vielleicht sogar erzürnt darüber, dass der Kunde trotz mehrfacher Überzeugungsversuche immer noch auf seinen eigenen Wünschen beharrt. Schließlich sieht er das Fachwissen und damit das Recht auf seiner Seite – vielleicht hat er sogar Design studiert und ist damit ein staatlich geprüfter Experte.

Wer allerdings gegen seine vorhandenen oder potenziellen Kunden in den Ring steigt, beginnt einen aussichtslosen Kampf. Denn selbst, wenn der Kunde letztlich einlenken sollte, wird er doch nicht zufrieden sein. Er wird sich überfahren fühlen und mit ziemlicher Sicherheit keine dauerhafte Kundenbeziehung aufbauen.

Gehe also an den Designprozess offen und mit großem Verständnis für deinen Kunden heran. Er ist derjenige, der die Musik bezahlt – also darf er auch bestimmen, was gespielt wird.

Betrachte Prototyping nicht als überflüssigen Aufwand

Natürlich bedeutet die Erstellung eines Prototypen zunächst einmal einen Arbeitsaufwand. Allerdings geht es dabei auch darum, die Richtung eines Projekts schnell festzulegen und sich mit dem Kunden auf grundlegende Komponenten des Auftrags zu verständigen.

Deshalb ist ein Prototyp nie überflüssiger Aufwand. Es spricht allerdings auch nichts dagegen, den Erstellungsprozess so kurz wie möglich zu halten. Standardisiere deinen Prototyping-Workflow. Lege dir ein Baustein-System zurecht, auf dessen Basis du die Standardelemente eines jeden Projekts schnell zusammenschieben kannst. Die Basisbestandteile sind fast immer gleich – wir sind schließlich keine Künstler, sondern eher Handwerker, die mit verfügbaren Materialien mehr oder weniger standardisierte Lösungen erschaffen.

Prototyping: Es ist vollkommen in Ordnung, mit Bausteinen zu arbeiten. (Foto: Pixabay)
Prototyping: Es ist vollkommen in Ordnung, mit Bausteinen zu arbeiten. (Foto: Pixabay)

Früher erstellte ich Mockups in meinem Moleskine-Notizbuch – total hipster. Irgendwann ließ ich es bleiben, weil ich die Entwürfe nicht mehr auseinanderhalten konnte. Seitdem verwende ich Sketch auf der Basis von drei Templates, die ich mir zum Zwecke des Prototypings in den von mir vornehmlich bedienten Branchen erstellt habe.

Das Sketch landet dann in InVision, wo die einzelnen Screens automatisch extrahiert werden, so dass ich auch damit keinen zusätzlichen Aufwand habe. Nun baue ich noch schnell über Hotspots die Interaktionen ein – fertig.

So minimiere ich auf der einen Seite den Aufwand für die Mockup-Erstellung und leiste auf der anderen Seite einen wichtigen Beitrag für die Kommunikation und Planung mit dem Kunden.

Verzichte nicht auf die Interaktion

Früher war es üblich, einen reinen Designentwurf anzufertigen und auszudrucken. Der Ausdruck wurde vielfach noch auf eine große farbige Pappe geklebt, um Eindruck zu schinden. Mindestens fünf Entwürfe bekam der Kunde zu sehen – dabei war mindestens einer grottenschlecht, um den Kunden von vornherein in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Natürlich ist es immer noch der simpelste Weg, einen Prototypen interaktionslos zu gestalten, doch bei den heute verfügbaren Prototyping-Tools wäre das nahezu fahrlässig. In den Nuller Jahren verwendete ich Powerpoint zu diesem Zweck. Heutzutage gibt es eine ganze Reihe besserer Tools und auch mit Standard-Webtechnologien sind Prototypen schnell erstellt.

Wenn du also zeitgemäß arbeiten und einen interaktiven Prototypen anbieten möchtest, dann sollte es nicht einfach nur eine Slideshow sein. Bau den Prototypen mit Hotspots an den richtigen Stellen, die dann bei Klick auch zu den richtigen Folgescreens führen. Wenn du das nicht tust, spannst du schon den nächsten Fallstrick.

Achte darauf, dass der Kunde deinen Prototypen versteht

Wie bereits erwähnt, haben Designer und Kunden oft eine fundamental unterschiedliche Vorstellung von einem Prototypen. Der Kunde erwartet oft eigentlich das fertig polierte Endprodukt, das du natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht liefern kannst.

Stelle also schon im Vorfeld der Präsentation klar, was von dem Prototypen zu erwarten sein wird – und was eben nicht. Dir mag das überflüssig erscheinen, denn du bist mit der Begrifflichkeit mehr als vertraut. Dein Kunde wird dich da aber gerne eines Besseren belehren.

Kann dein Prototyp auch mobil genutzt werden? Dann mach das deutlich und zeig es. Welche Beschränkungen weist er auf und warum? Erkläre das ausführlich.

Wenn es darum geht, Feedback zu deinem Prototypen einzusammeln, solltest du pauschale und allzu offene Fragestellungen vermeiden. Wenn du etwa allgemein eine Bitte um Feedback formulierst, wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit zwar Feedback bekommen, aber keines, das du gebrauchen kannst.

Fordere Feedback daher immer ganz konkret für bestimmte Aspekte an, etwa, um zu erfahren, wie sich die Seitennavigation anfühlt oder ob das Formular X an der Position Y gewünscht ist.

Sorge für eine konsistente Kollaborationsbasis

Lass mich ehrlich sein: Hier habe ich selbst noch keine perfekte Lösung gefunden. Die Kollaboration an einem Prototypen mit mehr als zwei Personen kann zur Katastrophe geraten, wenn sie via E-Mail geführt wird. Es dauert nur wenige Tage, bis wirklich niemand mehr weiß, was wie wann besprochen und beschlossen wurde.

Zwar bietet Invision einen ziemlich guten Ansatz, aber von Perfektion ist auch diese Lösung noch ein gutes Stück entfernt. In jedem Fall ist dieses Tool aber eine deutlich wertigere Alternative zur E-Mail. Kollege Denis Potschien stellte in diesem Beitrag auf Dr. Web verschiedene Kollaborationslösungen vor, die definitiv einen Blick wert sind.

InVision erlaubt die Diskussion direkt am betroffenen Designelement. (Screenshot: InVision)
Invision erlaubt die Diskussion direkt am betroffenen Designelement. (Screenshot: Invision)

Baue nicht mehr Prototypen als unbedingt nötig

Ich versuche, es stets bei einem einzigen Entwurf zu belassen und diesen schrittweise zu verändern. Von der unsäglichen Praxis, immer neue Entwürfe zu generieren, habe ich mich bereits 2004 verabschiedet: Damals habe ich mich von einem Kunden getrennt, der nach dem zehnten (!) funktionsfähigen und völlig umgekrempelten Designentwurf immer noch nicht zufrieden zu stellen war.

Heute gibt es genau einen gut durchdachten Entwurf. Daran arbeite ich mit dem Kunden, um einen Konsens zu finden. Wer anders vorgeht und stets einen Haufen Entwürfe anbietet, suggeriert dem Kunden ihre Wertlosigkeit.

Im Zusammenspiel mit der sowieso schon schwierigen Kollaboration kann an dieser Stelle in kürzester Zeit eine Symphonie des Chaos entstehen.

Lenke die Aufmerksamkeit des Kunden stets auf die Kernpunkte

Wer kennt es nicht? Der Kunde sitzt im Meeting und moniert, dass das Datum im Mockup nicht dem heutigen entspricht. Es ist offenbar doch ziemlich schwer, einen statischen Entwurf vom Endprodukt zu unterscheiden.

Auch dieser Aspekt bedarf also einer Erklärung. Der Kunde muss verstehen, dass der Prototyp trotz begrenzter Interaktion immer noch in erster Linie eine Attrappe ist, die lediglich Richtungen vorgeben soll. Insofern ist es auch wenig hilfreich, wenn der Kunde die Schriftart moniert oder die Stärke einzelner Orientierungslinien kritisiert. Es bedarf eines gewissen Maßes an Körperbeherrschung, in solchen Fällen ruhig zu bleiben. Aber wofür sind wir denn sonst Profis?

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Eine Reaktion
Micha Kandziora

Für uns als Produktdesigner von formteam ist die Erstellung von Modellen ein wichtiger Bestandteil des Produktdesignprozesses, um die richtigen formalen Entscheidungen zu treffen. Der Kunde/Auftraggeber erhält mit Modellen zeitnah einen ersten plastischen und begreifbaren Eindruck der Entwürfe. Mit einem Modell können wir verschiedene Aspekte im Entwicklungsprozess überprüfen und verbessern, um unseren Kunden die beste Form ihres Produktes an die Hand zu geben.
Gerade erst haben wir genau zu diesem Thema "Ein Modell ist durch nichts zu ersetzen" in unserem Blog berichtet. http://blog.formteam.de

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