News

In Deutschland fehlen 124.000 IT-Spezialisten

(Foto: Andrey_Popov/Shutterstock)

Ein Anstieg um über 50 Prozent bei den offenen Stellen für IT-Jobs quält die Personalverantwortlichen. Zugleich meckern 72 Prozent über zu hohe Gehaltsforderungen der Bewerber. 

In Deutschland gibt es aktuell 124.000 offene Stellen für IT-Spezialisten. Wie der IT-Branchenverband Bitkom am 28. November 2019 mitteilte, entspricht dies einem Anstieg um 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in dem 82.000 Stellen unbesetzt waren. Innerhalb von zwei Jahren hat sich damit die Zahl der unbesetzten IT-Stellen mehr als verdoppelt.

Mit 72 Prozent am häufigsten werden zu hohe Gehaltsforderungen der Bewerber beklagt. Jedes dritte Unternehmen vermisst bei Bewerbern die notwendigen Soft-Skills wie Teamfähigkeit, jedes fünfte (20 Prozent) hat Bewerber, die nicht bereit sind, Dienstreisen oder einen Umzug zu machen. „IT-Experten können sich bei entsprechender Qualifikation ihren Job fast schon frei aussuchen“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg.

Die Angaben zu den offenen Stellen gehen in der Branche weit auseinander. Der Bitkom stützt sich auf eine Befragung von rund 850 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in Unternehmen ab drei Mitarbeitern aus allen Branchen. 83 Prozent geben an, dass sie einen Mangel an IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt erleben, vor zwei Jahren waren es nur 67 Prozent. Die Bundesagentur für Arbeit spricht in ihrem Bericht „Blickpunkt Arbeitsmarkt IT-Fachleute“ mit Stand April 2019 von rund 20.000 offenen Stellen für IT-Personal. Der MINT-Frühjahrsreport vom Institut der deutschen Wirtschaft meldete zum selben Zeitpunkt gut 59.000 fehlende IT-Fachkräfte.

Fluktuation bei einer Million IT-lern ganz normal

„Im Segment der Hochqualifizierten wird der Bundesagentur für Arbeit also etwa jede dritte offene Stelle gemeldet“, erklärte Ralf Beckmann aus dem Bereich Statistik und Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit im Oktober 2019. „Eine Zahl über offene Stellen sagt noch lange nichts über einen Fachkräftemangel aus.“ Die genannte Zahl sei lediglich ein Maß für das Umschlagsverfahren. Mitarbeiter kündigen oder gehen in den Ruhestand, die Stellen werden ausgeschrieben, es finden Bewerbungsgespräche statt – das dauert alles seine Zeit, während der Stellen unbesetzt sind. Die IT ist eine große Beschäftigungsbranche mit inzwischen etwa einer Million Erwerbstätigen. Bei so vielen Beschäftigten sei die Zahl offener Stellen zwangsläufig hoch, weil permanent viele Wechsel stattfinden.

„Der Mangel an IT-Experten betrifft längst nicht mehr nur die IT-Branche, sondern die gesamte Wirtschaft und auch Verwaltung, Behörden und Wissenschaft“, sagte Berg.

Aktuell geben 4 von 10 Unternehmen (40 Prozent) an, dass die Besetzung von IT-Stellen länger dauert als die anderer Positionen. Vor einem Jahr waren es mit 31 Prozent noch deutlich weniger. Auch die Zeit, wie lange eine offene IT-Stelle im Schnitt unbesetzt bleibt, sei von fünf auf sechs Monate gestiegen. In 18 Prozent der Unternehmen bleiben IT-Stellen in der Regel sogar länger als ein halbes Jahr unbesetzt, vor einem Jahr war das nur in 10 Prozent der Unternehmen der Fall.

Besonders begehrt seien Softwareentwickler. Jedes dritte Unternehmen mit mindestens einer offenen IT-Stelle (32 Prozent) sucht Programmierer. Dahinter folgen IT-Anwendungsbetreuer (18 Prozent), Data Scientists (13 Prozent), IT-Projektmanager (12 Prozent) sowie IT-Berater und IT-Service-Manager (je 10 Prozent).

Autor des Artikels ist Achim Sawall.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

7 Kommentare
Werner
Werner

=> hohe Gehaltsforderungen
Wenn ich lese was ein Fliessbandarbeiter bei BWM im Jahr an Gehalt und Prämien verdient, sind die Gehalts-Forderungen in der IT im Verhältnis bescheiden..

Antworten
Paul T.
Paul T.

Man muss sich halt als Arbeitgeber attraktiver positionieren. Dazu gehört eben auch eine lockere Atmosphäre und das nicht über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg Entscheidung getroffen werden, bei denen man gerne mitreden würde. Man hat halt oft das Gefühl als IT nicht gewertschätzt zu werden und gegen Wände zu reden – das frustriert und dann kündigt man halt.
Zusätzlich sollten mehr Unternehmen Ausbildung im IT-Bereich anbieten und generell offener für junge Bewerber (habe da echt schon Dinge erlebt…) sein.

Antworten
Itsme
Itsme

Nicht nur Jüngere, sondern auch Berufsunerfahrene allgemein. Kenne einige, die erst in ihrem zweiten Berufsleben in die IT gegangen sind. Der Einstieg war für keinen einfach – leider.

Antworten
Martin Polzer
Martin Polzer

Zu hohe Gehaltsforderungen kann ich irgendwie nicht bestätigen.
Ich suche seit mehreren Monaten einen attraktiven und interessanten neuen Job. Meistens wird eine Seniorität gefordert aber nur ein Gehalt eines Einsteigers angeboten. Wenn man dann wie ich über 50 Jahre ist und sehr viel Erfahrung sowohl im Job als auch aus dem Leben mitbringt, passt dies leider meistens nicht zusammen.
Ich würde mir sehr wünschen, dass die Unternehmen ein wenig mehr Realismus an den Tag legen, wenn Sie wirklich händeringend nach neuen Kollegen suchen. Gute motivierte neue Kollegen bringen jedes Unternehmen sofort nach vorne und beide profitieren vom ersten Tag davon.

Antworten
VonSeiten
VonSeiten

Unfug! Da fehlen keine Leute, sondern die Bezahlung und die Rahmenbedingungen stimmen nicht … So einfach ist das. Mal an die Redaktion gefragt: Wie kann man so einen Müll verbreiten, der mit den Realitäten nichts zu tun hat … Oder glaubt ihr diesen Schwachsinn selbst? Die Automatisierung treibt alle an den Rand der Überflüssigkeit und der Wert menschlicher Arbeit verkommt zu dem von Dreck. Erstaunlich genau beschrieben auf Neue Debatte https://neue-debatte.com/2018/02/18/die-automatisierung-und-ihre-auswirkungen-auf-die-gesellschaft-teil-1/

Antworten
Chiru
Chiru

Es mag sein, dass Stellen unbesetzt bleiben. Doch das Problem ist Hausgemacht!

Ich bin Berufsanfänger und suche einen Job in der IT. Doch laufe ich gegen Wände, da alle mindestens 3-5 Jahre ind mehr Berufserfahrung wünschen.

Natürlich sollte man noch in den gewünschten Programmiersprachen jeweils 5 Jahre Praxiserfahrung haben.

Gehalt ist nicht das Wichtigste, man sollte aber davon Leben können ohne zusätzliche Nebenjobs oder Hilfe vom Staat zu benötigen.

Wenn die Gehälter zu hoch sind sollten die AG ihre Gehälter offen legen und sei es mit 80T VHB, Basierend auf Erfahrungen. Meine Güte jeder Einsteiger weiß das er die 80T nicht verlangen kann. Aber ein Senior weiß auch, ob ihm das Geld reicht für eine Arbeit in München oder kann abschätzen ob er nicht doch noch höher pokern kann, sowie seine Fähigkeiten es beweisen!

Aber dann hätten die Bewerber eine Ahnung was wer bereit ist zu zahlen.

Okay Gegenbeispiel ich hatte eine Anzeige da war von 1900 Brutto/Mo die Rede …. Webentwicklung. Davon kann man sich kaum bis nirgendwo eine Wohnung mieten.

Antworten
Tose
Tose

Erwartungshaltung von einem Ingenieur von Europäischen Ausland ist 3000€ Netto
In Bangalores oder in Sudosteuropa hat man mit 1500€ ein deutlich besseres Leben als in fremden Deutschland mit 3000€. Diese 3000€ sind aber erst nach 10 Jahre zu erreichen. Daher, im jeden Hinsicht kalte Deutschland, bleibt für die Gebildete Leute aus der „armen und ungeordneten Süden“ absolut uninteressant.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung