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Ratgeber

Diesen Job kannst du als digitaler Nomade immer machen – nebenbei oder Vollzeit

Rob, unser digitaler Nomade, hat einen Geheimtipp für alle Mitnomaden, die sich noch was dazuverdienen wollen. Oder müssen.

Von Robert Enskat
6 Min.
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(Grafik: t3n)

Spezialisierung im Job ist ein großes Plus, keine Frage, so kriegt ihr mehr, bessere und vor allem lukrativere Jobs. Doch es ist, wie es nun mal ist, manchmal ist Flaute bei den Job-Angeboten. Oder man will zur Abwechslung mal was anderes machen, als tage- und nächtelang an Codes zu sitzen und alleine der Gedanke an Illustrator oder Indesign verursacht Bauchschmerzen. Was dann? Sprachen unterrichten!

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„TEFL – Teaching English as a Foreign Language“ ist eine überaus beliebte Art, als digitaler Nomade sein Geld zu verdienen. Manche machen das nebenbei als willkommene Zusatzeinnahme, andere leben ausschließlich davon. Das Prinzip ist simpel und, sofern noch nicht bekannt, schnell erklärt: Online per Videokurs live Menschen in Englisch unterrichten. Ihr sitzt am Rechner, die Kamera ist an, ihr seid mit einer Gruppe von Schülern – oder in One-to-One-Sitzungen – verbunden und geht das Kursmaterial durch, beantwortet Fragen, stellt Aufgaben, erklärt – was man als Lehrer halt so macht. Das wird dann per Stunde abgerechnet, teilweise sogar recht ordentlich. In fast allen Fällen wird euch das Kursmaterial von eurer Firma, für die ihr unterrichtet, bereitgestellt. Ihr müsst die Kurse also nicht selbst entwickeln, ihr müsst sie nur durchführen.

Was braucht ihr dafür?

Natürlich einen ordentlichen Rechner mit Kamera und Mikrofon, doch das sollte jeder Standardrechner hergeben. Dann noch eine stabile Internetverbindung und, na ja, einen netten Eindruck. Soweit das Technische. Viele Anbieter verlangen ein TEFL-Zertifikat, das bescheinigt, dass ihr das auch drauf habt, bevor sie euch auf Schüler loslassen, doch das kann man leicht und schnell erwerben. Und dann kann es auch schon losgehen, die Anzahl der Kurse und die Zeiten könnt ihr euch selber festlegen. Also? Oookay, berechtigte Fragen:

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Wie muss man sich das genau vorstellen? Und dann Englisch?

Ja, Englisch. Das ist nun mal die Sprache, die am meisten nachgefragt wird. Als Sprachlehrer werden natürlich Native Speaker bevorzugt beziehungsweise bei vielen Unternehmen sind sie ein Muss. Es gibt aber auch eine Reihe von Anbietern, bei denen man als Nicht-Muttersprachler arbeiten kann, sofern man eben ein TEFL-Zertifikat hat. Um ein solches zu bekommen, müsst ihr selber ein paar Kurse absolvieren und Prüfungen ablegen. Aber keine Angst, das ist nicht mit Anglistik-Hochschulstudium-Niveau zu vergleichen. Ich sag es mal so: Wenn ihr halbwegs gut Englisch sprechen könnt und nicht wie ein ehemaliger Ministerpräsident Baden-Württembergs und EU-Kommissar klingt, ist das machbar. Abgesehen davon – wenn ihr als Digital Nomad unterwegs seid, ist Englisch eh obligatorisch und eure Kenntnisse werden schnell explodieren; ihr lernt das schneller und besser als in eurer ganzen Schulzeit. Es sei denn, ihr hängt nur in Coworking-Stations mit anderen Deutschen zusammen. Glaubt mir, nach zwei, drei Monaten unterwegs werdet ihr überrascht sein, dass ihr plötzlich sogar mal auf Englisch träumt. Oder dass ihr euch angeregt mit jemanden auf Englisch in einem Restaurant unterhaltet und erst nach zwei Stunden feststellt, dass ihr beide ja Deutsche seid. Ist mir zumindest viele, viele Male passiert…

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Und das Level? Das Niveau?

Es variiert sehr, wem ihr was beibringt. Gleich vorweg: Ich rede nicht von Wirtschaftsenglisch auf verhandlungssicherem Niveau. Nein. Eure Klassen/Kurse sind mal Grundschüler, mal ältere Schüler, mal Studenten, mal erwachsene Berufstätige. Und es geht um Conversational English. Basics. Besonders in Asien, in Südostasien ist das sehr gefragt. Eltern wollen, dass ihre Kinder möglichst früh Englisch lernen, weil sie hoffen, dass sie so später bessere Job-Chancen haben. Das gilt auch für ältere Schüler und Studenten. Sie machen diese Onlineschulungen, um sich eine bessere Perspektive zu verschaffen. Auch die schon Berufstätigen lechzen geradezu danach, Englisch zu lernen, weil sie so im Job weiterkommen. Sie machen das alle freiwillig in ihrer Freizeit und kommen selber dafür auf. Motivierte Schüler sind also garantiert…

Ja, es geht um Basics

In Deutschland ist Englisch schon fast normal, Standard an jeder Schule und in vielen Berufen fast obligatorisch und die deutsche Sprache ist vollgestopft mit Anglizismen. Ja, in Deutschland. In vielen Ländern aber nicht. Angebote seitens der Schulen sind begrenzt, viele Menschen waren nur kurz in der Schule. Sie wissen aber, dass das wichtig ist. Es geht also wirklich um Basics, wie man sich unterhält. „Hallo, ich bin, mein Name ist, wie geht es Ihnen, kann ich helfen, heute wird es vielleicht regnen, blablabla.“ Conversational English. Ich habe mir aus Interesse mal einen TEFL-Zertifikats-Kurs angeschaut – neunte Klasse hätte dafür gereicht. Ja, es gibt da Unterschiede, manche sind durchaus schwieriger und erfordern mehr Wissen, aber es ist immer noch nicht Rocket-Sccience. Und man muss auch nicht Shakespeare im Studium hoch- und runtergerattert haben. Wer meint, er könne bereits bestens Englisch und will nur ein solches Zertifikat – nun ja, etwas googeln und für 49 Euro irgendwo kaufen…

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Englisch ist aber echt nicht euer Ding?

Dann unterrichtet eben Deutsch als Fremdsprache. Ist nicht ganz so gefragt wie Englisch, aber dennoch gefragt. Besonders von Tourismus-Studenten und Berufstätigen in diesem Sektor. Deren Jobchancen steigen gegenüber ihren Mitbewerbern in den Himmel, wenn sie bei einem Vorstellungsgespräch vorweisen können, dass sie sich auch auf Deutsch unterhalten können. Mag für euch vielleicht etwas seltsam klingen, aber in vielen Ländern spielt der Tourismus eine große wirtschaftliche Rolle. Und die Deutschen sind nun mal Reiseweltmeister… Deshalb die Nachfrage. „DaF“, Deutsch als Fremdsprache, eine Zertifizierung, wird online vielerorts angeboten. Die Bandbreite dabei ist sehr groß, manche konzentrieren sich rein auf das Sprachniveau, andere qualifizieren gleichzeitig Didaktik, Kursaufbau und so weiter. Müsst ihr entscheiden, was da für euch eher in Frage kommt.

Alles online?

Seid ihr dann zertifiziert, könnt ihr loslegen. Die Vorteile: freie Zeiteinteilung, ihr könnt euer Pensum selbst bestimmen, Unterrichtsmaterialien werden oftmals gestellt, relativ gute Bezahlung (schwankt je nach Anbieter zwischen 15 bis 35 US-Dollar die Stunde, manchmal sogar 50 Dollar), machbar von überall auf der Welt. Die Nachteile: große Konkurrenz… Designer oder Programmierer satteln gerade gerne um, denn damit verdienen sie einfach mehr – fünf Dollar die Stunde fürs Programmieren oder 35 Dollar für „Hello, my name is…“. Doch der Markt ist groß, wird immer größer und der Bedarf kaum zu decken. Nicht nur online. Habt ihr euch mal für zwei oder drei Monate für einen Ort entschieden, dann könnt ihr das dort auch offline machen. In fast allen Städten der Welt gibt es Sprachschulen – und die sind immer auf der Suche nach Lehrern. Denn nicht jeder, der eine Sprache lernen will, hat auch einen Rechner… Diese Menschen gehen dann in die lokalen Sprachschulen nach der Arbeit. In Saigon, ne, sorry, Ho Chi Minh City, war ich Anfang des Jahres für zwei Tage mal in einem Hostel und dort wurde abends zwei Stunden lang Englisch unterrichtet – von den Hostel-Besuchern. Im Gegenzug für den Unterricht konnten sie kostenlos übernachten und kriegten drei Mahlzeiten. Nettes Bartering.

Welcher Anbieter jetzt? Wo sein Zertifikat erwerben? Ich will bewusst keine Unternehmen nennen. Einerseits gibt es so viele, dass es blöd wäre, jetzt hier zwei oder drei hervorzuheben. Oder es wäre dann eh nur eine lange Liste aus der Google-Suche zu den Stichwörtern „TEFL“, „Zertifikat“, „DaF“ und so. Und andererseits kann ich keinen persönlich empfehlen, da ich das selber nicht gemacht habe. Die einen empfehlen A, andere B, viele C und dann gibt es noch D,E, F und so weiter.

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Online oder offline – ist beides machbar. Und dafür muss man echt kein Sprachgenie sein. Ob als Abwechslung vom eigentlichen Job, als Nebeneinkommen oder Vollzeit-Berufung, Sprachen zu vermitteln ist eine feine Sache. Sofern man das mag. Ich mag es nicht, bin da nicht so der Typ für. Aber ihr vielleicht.

Cheers, Rob

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