Interview

Enfore-Gründer Marco Börries: „Wir haben Apple-Margen”

Marco Börries auf der Konferenz OMK in Lüneburg. (Foto: web-netz)

Mit Enfore will Marco Börries, einst als Wunderkind und „deutscher Bill Gates“ gefeiert, dem Einzelhandel im Überlebenskampf gegen Amazon helfen. Im Interview spricht er über die Macht von Amazon, sein Geschäftsmodell und die Frage, was Europa noch retten kann.

t3n: Enfore ist jetzt zehn Jahre alt, seit etwas über zwei Jahren mit einem Produkt auf dem Markt – mit 45 Millionen Euro Investment. Ihr wolltet einen Gesamtmarkt von 200 Millionen Kunden weltweit in zehn Jahren erreichen – wie viele davon haben bisher zugegriffen?

Marco Börries: Wir geben keine offiziellen Zahlen raus – aber wir sind inzwischen in einem höheren einstelligen Tausender-Bereich bei den Point-of-Sales-Locations (POS) – nicht zu verwechseln mit Firmen. Einige Firmen haben nur eine POS – andere mehrere. Und wir haben nicht mehr nur kleine Unternehmen als Kunden, sondern auch mittlere und ganz große. Wir sind auch im zweiten Jahr voll im Plan.

t3n: Das Manager Magazin hat im Dezember 2018 getitelt: „Das Mini-SAP Enfore wächst viel langsamer als erhofft.“ Ist es schwerer als du es dir vorgestellt hast?

Nein, ich glaube der Kollege war nur sauer, dass ich ihm Informationen nur off the record gegeben habe – der Artikel ist nicht fundiert. Das Manager Magazin hatte zum Start von Enfore ja eine große Titelstory mit uns gebracht – und da hatten wir eigentlich auch von vornherein unsere Strategie klargemacht: Wir planen mit einer Sicht auf fünf bis sieben Jahre, in denen wir Märkte aufbauen. Wir haben ja keinen eigenen Vertrieb.

t3n: Den übernimmt die Telekom?

Alle unsere Partner, nicht nur die Telekom. Ein weiterer Partner ist der Service-Bund, ein Lebensmittelgroßhändler, der sich auf die Gastronomie spezialisiert hat. Die beliefern 65.000 Gastronomen in Deutschland, für den sind wir eine Komplettlösung – das ist ein Riesendeal. Wir werden in Kürze auch noch eine Partnerschaft mit weiteren sehr großen Unternehmen mit zahlreichen Filialen schließen. Und es dauert, bis so eine Partnerschaft ausgerollt ist. Bei Großkunden dauert das anderthalb bis zwei Jahre. Alleine hätte ich wahrscheinlicher im ersten Jahr mehr verkaufen können aber im zweiten, dritten und vierten weniger. Wir haben ein indirektes Vertriebsmodell. Das heißt, wir haben erstmal die Zeit, die es braucht, einen Partner zu finden – und dann diesen Partner hochzuskalieren. Die für mich entscheidende Frage: Wie hoch ist die Konvertierungsrate? Die liegt bei uns zwischen 60 und 75 Prozent.

Marco Börries, geboren 1968, wurde als Gründer von Star Division schon Ende der 1980er Jahre international bekannt – mit nicht einmal 20 Jahren. Die Firma Star Division gründete er mit 16 als Garagenfirma in Lüneburg. Aus seiner Office-Suit Staroffice gingen später die Open-Source-Projekte Openoffice und Libreoffice hervor. Später arbeitete er unter anderem bei Sun Microsystems, die die Firma 1999 kauften. Inzwischen lebt er in Hamburg und Berlin. In beiden Städten hat auch Enfore Büros.

t3n: Wie sieht eurer Geschäftsmodell genau aus? Ihr verkauft Hardware, verkauft ihr auch Serviceverträge?

Wir unterscheiden da zwischen Small Business und Enterprise-Kunden. Bei den Kleinen kaufen die Kunden die Hardware und wir haben da eine sehr gute Marge – das funktioniert für Apple ja auch toll. Wir haben Apple-Margen. Die Software ist dann auf maximal neun Verkaufslokationen eingeschränkt. Die kleinen Unternehmen haben in der Regel zwei bis drei. Außerdem wickeln wir den Payment-Prozess zum Beispiel mit Kreditkarten ab und bekommen dafür Geld. Die kleinen Unternehmen bekommen durch uns dann Konditionen, wie sie sonst nur Große bekommen. Die Preise geben wir eins zu eins weiter. Als Restaurant zahlst du bei uns zum Beispiel 0,99 Prozent, also unter einem Prozent für Kreditkartenrechnungen, und 0,79 Prozent für Debit-Cards. Ohne monatliche Gebühren. Wir werden künftig auch andere Dienste anbieten, wie zum Beispiel Lohnbuchhaltung, und zwar deutlich günstiger als sonst am Markt üblich. Und die großen Unternehmen mieten die Software, ganz klassisch.

t3n: Wie verteilt sich euer Umsatz zwischen Hardware und Software?

Bisher entfällt das meiste auf den Hardware-Verkauf, weil wir mit den Enterprise-Kunden erst anfangen.

t3n: Wollt ihr das Apple der Business-Welt werden mit dem Hardware-Verkauf?

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3 Kommentare
Johannes
Johannes

Danke, interessanter Artikel, für mich umso mehr, desto weiter er sich von den Produkten Enfores wegbewegt.

Antworten
Dieter
Dieter

Schon witzig was für Märchen, Träume und Wunschdenken des großen Börries sich in diesem Artikel befinden und mit welch Arroganz er diese vorträgt.

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Jonas
Jonas

Da kennt wohl jemand den Unterschied zwischen Verlust und Marge nicht.

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