Kolumne

Du bist erfolgreich? Dann solltest du dringend was ändern

Wer erfolgreich bleiben will, sollte offen für neues sein. (Foto: Fizkes/Shutterstock)

Du hast dich gut eingerichtet. In deinem Job macht dir so schnell keiner was vor. Das kann funktionieren. Bis sich etwas ändert. Dann merkst du, dass du verlernt hast, auf die Suche zu gehen, Chancen zu wittern und zu jagen. Doch so weit muss es nicht kommen.

Matthias Könneke hat schon mehrfach ein Unternehmen gegründet. Neuanfang scheint für ihn eine Art Sprungbrett zu sein – eine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Warum bleibt er nicht auf sicherem Terrain? „Erfolg hat das Zeug dazu, bewusstlos zu machen“, so der Inhaber des Kreativnetzwerkes Punktstrategen. „Wie im Rausch fliegen Dinge vorbei, Routine schlägt Kreativität, und die Wertschätzung für alltägliche Annehmlichkeiten verflüchtigt sich.“ Anders sei es beim Neustart. Das Zurücklassen von Komfortzonen gehe einher mit Ängsten und Unsicherheiten und die machten wach, aufmerksam, kreativ und mutig.

Unternehmen gehen in die Verteidigung

Der Geschäftsführer eines marktführenden Fachverlags habe ihm mal gesagt, dass es für ein Unternehmen nichts Schlimmeres gäbe, als an der Spitze angekommen zu sein. „Während sich alle auf einen einschießen, droht Stillstand im Unternehmen, weil keinem so recht was einfällt, was noch besser zu machen wäre“, so Könneke. Dieses Phänomen beobachtet auch Autorin und Vortragsrednerin Anja Förster. Finde ein Unternehmen eine Marktnische und werde darin groß und erfolgreich, dann treten Aspekte wie Effizienz, Produktivität und Kontrolle in den Vordergrund. „Das alles dominierende Ziel ist nicht mehr, neue Märkte zu erschließen, sondern bestehende auszuschöpfen und sich gegen die Bedrohung durch andere Marktteilnehmer zu wappnen“, so Förster. „Aus der offensiven Eroberungshaltung ist eine defensive Verteidigungshaltung geworden.“

Gefangen im Gestern

Olaf Kapinski, IT-Führungskräfte Coach und Betreiber des Leben-Führen-Podcasts, sieht eine wichtige Ursache der weit verbreiteten Beharrungskräfte in der Angst zu scheitern. „Gerade in Deutschland ist Misserfolg unglaublich verpönt.“ Wenn man ein Projekt an die Wand fahre, dann könne man mit einem ganz sicher rechnen, mit Häme. Er verweist auf die „Schlecker-Pleite“. „Menschen, die noch nie etwas aufgebaut haben, erdreisten sich, über Schlecker herzuziehen“, so Kapinski. Dabei werde vollkommen ausgeblendet, dass eben dieser Schlecker 20 Jahre lang Tausende von Menschen in Lohn und Brot gebracht habe. „Wenn es das ist, was mir droht, dann habe ich keinen Spaß am Misserfolg“, so der Coach. „Und wenn ich keinen Spaß am Misserfolg habe, dann werde ich nichts probieren.“ So bauten deutsche Unternehmen den Golf 8. Und den Golf 12. „Alles ein bisschen besser, aber nie wirklich anders“, so Kapinski. Es sei bequem, sich im Gestern einzurichten. „Es kostet wenig Energie, immer das Gleiche zu machen“, so Kapinski. Bei drohender Veränderung sei Meckern leichter als sich auf das Neue einzulassen. Man habe eine Menge Mitstreiter und müsse nichts tun. „Menschen, die erfolgreich sind, die suchen sich bewusst neue Wege.“ Und wenn es nur mal zwei verschiedene Socken seien, schmunzelt Kapinski.

Alles auf Anfang

Einer, der den Weg des Neuanfangs kontinuierlich geht, ist Jens Lippoldt von Valantic Trading Solutions, einem Unternehmen, das zur Valantic-Gruppe gehört und Software-Lösungen für Banken und die Finanzwirtschaft entwickelt und vertreibt. „Gerade in der Softwarebranche kann es vorkommen, dass man ein System immer weiterentwickelt, es aber nicht von Grund auf tut“, so der Prokurist des Unternehmens. Damit werde man immer starrer, langsamer und ineffizient. Wenn dann ein anderes Unternehmen starte, quasi von Null, mit einem unbefangenen Team, das neue, flexible Plattformen nutze, dann könne man schnell verdrängt werden. „Deshalb gehen wir rechtzeitig raus aus der Komfortzone, eruieren am Markt, was gebraucht wird, und führen uns bewusst die technischen Möglichkeiten vor Augen, die unser Produkt noch besser machen könnten“, so Lippoldt. Das Unternehmen unterzieht sämtliche Kernsysteme für den elektronischen Handel von Wertpapieren regelmäßig einem architekturellen Review. Der Plan: das System technisch und fachlich immer wieder zukunftsfähig zu machen. Parallel stampft das Unternehmen gänzlich neue Services wie SaaS aus dem Boden und geht damit als Pionier auf den Markt.

Mehr zum Thema: Transformationsmüde? Wie Unternehmen erfolgreich mit Veränderung umgehen

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