Interview

Everysize-Gründer: „Für uns wirkte es, als hätte Frank Thelen keinen Bock auf unsere Idee“

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Nein. Maschmeyer trifft seine Entscheidungen meiner Meinung nach eigenständig, auch ohne das Feedback von Frank Thelen. Und die anderen drei Löwen sagten ja selbst, dass sie uns nicht viel helfen können. Digitales Business ist einfach nicht ihr Fokus.

t3n.de: Warum habt ihr euch für die „Höhle der Löwen“ ursprünglich beworben? Wegen des Marketing-Effekts?

Klar. Jeder, der das abstreitet, würde lügen. Die Sendung hat eine starke Einschaltquote und es ist bekannt, dass die Zugriffszahlen vieler Websites während der Ausstrahlung steil nach oben gehen. Und unser Produkt passt auch super: Unsere Website ist kostenfrei, jeder kann sie während der Ausstrahlung besuchen und Sneaker und Schuhe sind für fast jeden relevant. Aber wir haben uns auch einen Deal versprochen – Frank Thelen war damals schon ein interessanter Investor. Die Kontakte und die Finanzierung hätten uns sicherlich auch weitergebracht.

Eugen Falkenstein, Denis Falkenstein und Pascal Prehn haben Everysize 2015 gegründet. Mit der Suchmaschine wollen sie helfen, Schuhe in der richtigen Größe zu finden. (Foto: Everysize)

t3n.de: Sucht ihr noch nach Investoren?

Ja. Alles, was wir mit Everysize verdienen, fließt wieder in Everysize. Aus dem Cashflow können wir also problemlos linear wachsen. Wir haben superviele zufriedene Kunden, jeder zweite kommt wieder. Wir wissen, dass unser Geschäft funktioniert. Mit einem Investor könnten wir aber deutlich schneller skalieren.

t3n.de: Wie viel Umsatz macht ihr mit Everysize? 

2016 haben wir eine sechsstellige Summe erzielt, in diesem Jahr wollen wir die halbe Million Euro knacken. Der Effekt, den die „Höhle der Löwen“ möglicherweise mit sich bringt, ist da noch nicht eingerechnet.

Everysize: „Ich kaufe keinen Schuh, der mir zwei Nummern zu klein ist“

t3n.de: Lass uns über eure Suchmaschine sprechen. Mit Everysize wollt ihr Menschen helfen, Schuhe in ihrer Größe zu finden. Wie seid ihr darauf gekommen? 

Ich habe fünf Jahre lang für einen Onlineshop im Marketing gearbeitet. Über Facebook kam häufiger die Frage: „Wisst ihr, ob es den Schuh noch irgendwo in einer anderen Größe gibt?“ Es gibt zwar unfassbar viele Onlineshops, die sich auf Sneakers konzentrieren, aber es fehlte der Gesamtüberblick. So entstand die Idee, selbst eine Suchmaschine zu bauen.

t3n.de: Warum war euch die Größe so wichtig und nicht die Farbe oder die Marke wie anderen Suchmaschinen?

Weil es bei Schuhen eben auf die Größe ankommt. Ich kaufe ja keinen Schuh, der zwar 70 Prozent reduziert ist, mir aber zwei Nummern zu klein ist.

t3n.de: Und was ist der Mehrwert zur normalen Google-Suche?

Über Google kann man natürlich auch nach Sneakern suchen, allerdings fehlt dort die gebündelte Darstellung der Ergebnisse. Die Suche berücksichtigt in der Regel nur jeweils einzelne Kriterien. Wenn man zum Beispiel nach einem bestimmten Modell in einer Größe sucht, dann hat man gleichzeitig keinen Preisvergleich.

t3n.de: Zalando oder Amazon haben ja ein riesiges Portfolio an Schuhen. Warum sollten sie nicht irgendwann auch einfach eine Funktion einführen, die den Nutzer nach der Größe suchen lässt?

Im Netz können alle alles kopieren, klar. Es gibt kein Patent auf die Idee. Aber unser Mehrwert ist, dass wir uns speziell auf Sneaker konzentrieren und unsere Expertise auch in diesem Bereich liegt. Da werden Zalando und Amazon nicht mithalten können, weil ihr Fokus viel breiter ist. Everysize bietet eine viel detailliertere Auswahl.

„Wir haben bewusst nicht den Namen Sneaker-Engine gewählt.“

t3n.de: Was habt ihr euch für die Zukunft vorgenommen?

Wir wollen als nächstes die Internationalisierung angehen. Das Problem der Schuhgröße ist ja nicht nur auf Deutschland beschränkt. Schon jetzt erreichen uns viele Anfragen aus dem Ausland, ob Kanada oder Spanien. Da gibt es Bedarf. Wir wollen außerdem unser Produktfolio erweitern und starten dabei mit Running-Schuhen für den Sport. Das Feedback zeigt, dass auch im Sportsegment Potenzial liegt. Und langfristig können wir uns auch vorstellen, Mode mit in die Suche einzubeziehen. Wir haben bewusst den Namen Everysize und nicht Sneaker-Engine gewählt.

t3n.de: Denis, vielen Dank für das Gespräch. 

 

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7 Kommentare
lola
lola

Also echt, 5-6 Fachbegriffe aus Online Marketing kann man auswendig lernen und Zahlen liefern. Vor allem wenn man eine Suchmaschine erfindet. Wer aus 50 Cent nen Euro machen kann der ist in ein paar Tagen Steinreich. Das war so schlecht vorbereitet das man Thelens Gemeckere verstehen kann. Vor allen wenn man sich bewusst ist das er der einzige Partner gewesen wäre und genau solche Fragen stellen würde.

Und Quatsch ist es auch 50 Cent pro Klick – wer zahlt das denn noch – Schuhapotheken. Langfristig bleibt ne Provision um die 3-5 % was kaum die Clickkosten bei Google bezahlt

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Ich
Ich

Scheint dazu auch ein echter Nischenmarkt zu sein, oder? Sonst hätten doch Vergleichsseiten wie Idealo sowas schon längst wenn es da wirklich 50 Cent pro Klick zu verdienen gäbe…
Oder wieso suchen die 3 noch Investoren? Hört(e) sich doch alles gut an, warum dann Anteile abgeben? Webseite steht, Produktkatalog ist vorhanden, Kohle fliesst. Alles gut?

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Eric
Eric

Evtl. fokussieren sich die Jungs erst einmal auf das technische ihrer Seite. Wenn ich nicht einmal den gewünschten Preis einstellen kann, sind die Funktion und die Suchmaschine ziemlich wertlos für mich.

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Timo
Timo

Hallo Eric,

ich habe mir die Seite gerade angeschaut.
Der Preis kann doch dort ausgewählt werden.

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lexx
lexx

Dann solltest lieber erst einmal richtig recherche betreiben den, die Preise kann man einstellen nachdem man die Größe eingegeben hat. Aber Hauptsache erstmal negativ daher Blubbern!

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Nico
Nico

Puh, der Artikel ist schon harter Tobak. Erst wird in der Einführung der Customer Lifetime Value falsch erklärt und dann kommt von den Gründern noch so eine Aussage „Alles, was wir mit Everysize verdienen, fließt wieder in Everysize. Aus dem Cashflow können wir also problemlos linear wachsen.“

Klar, das endlose lineare Wachstum. Vielleicht mal einen BWLer mit ins Boot holen. In der Sendung merkte man schon, dass die Jungs nicht richtig wissen wovon die da reden.

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reen
reen

Am Ende scheint ja alles gut gegangen zu sein ;)

Am spannendsten halte ich immer solche Aussagen: Was haben die Zuschauer durch den Zusammenschnitt nicht erfahren?

Unser Pitch ging circa 1,5 Stunden. Ausgestrahlt wurden 10 bis 15 Minuten. Da müssen Szenen rausfliegen – das ist verständlich. Nur leider wird oftmals genau hier eine Geschichte anders erzählt, als sie eigentlich stattgefunden hat. In so gut wie jeder Folge führen die Gründer die Löwen durch ihre Zahlen. Das ist so eine der Fragen, die immer aufkommt. Auch bei uns. Im Nachhinein bin ich darüber nicht überrascht, dass diese Szene bei uns rausgeschnitten wurde. Es hat nicht so gut zu Franks Aussagen gepasst, dass wir keine Ahnung haben.

Quelle: http://blog.lvz.de/startklar/einmal-fernsehen-und-zurueck/

Leider ist Fernsehen nun einmal nicht echt. Alles was gezeigt wird ist geschnitten! Aus dem Grund erfährt Youtube sicherlich solch einen positiven Hype. Es wirkt zumindest echter ;)

Das mit den Klicks … war in der Tat eigenartig und ich gehe davon aus, dass hier viele Dinge vermischt wurden. Ich denke es ging eher darum, dass sich Traffic via Adwords eingekauft wird. Und dieser dann passend weiter verkauft wird. Dann könnte es stimmen, dass 50cent zu 1 Euro führen. Allerdings lässt sich das ja nicht unendlich skalieren.

Am Ende für uns Nutzer, auch egal. Aber Hintergründe sind immer spannend!

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