Porträt

ExB Labs: Dieses deutsche Unternehmen will es mit IBMs Watson aufnehmen

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Auch wenn sich seine Software-as-a-Service-Lösung auf wissenschaftliche Arbeit stützt, will Assadollahi sie vorerst an Unternehmen verkaufen und nicht an Forschungseinrichtungen. „Wir können dem System verschiedene Wortklassen beibringen“, so der Gründer. Es könne an bestehende Datenbestände angeschlossen werden und beispielsweise interne Firmencodes auslesen. Dafür müsse man – anders als bei Konkurrent IBM – keine individualisierte Lösung für „zehn bis 15 Millionen Euro“ entwickeln lassen, erklärt Assadollahi. Firmen können das System laut ExB Labs erst einmal ausprobieren und für einzelne Arbeitsplätze Lizenzen erwerben. „Unser System bleibt unsichtbar.“

Ramin Assadollahi ist Gründer von ExB Labs. (Foto: ExB Labs)

Für Deep Learning nutzt ExB Labs eine Mischung aus eigener Software, Tensorflow und Keras. Viele Komponenten habe man selbst implementiert, weil man gerade für Text mehr Machine-Learning-Komponenten brauche als etwa für Bilder und die aktuelle Technologie in dem Bereich noch nicht so weit sei, erklärt Assadollahi. ExB Labs integriert die Firmenbestände über Importer wie Oracle, Sharepoint oder andere Datenbanken, die an das System angeschlossen werden können.

Einen ersten Abnehmer hat das Unternehmen bereits gefunden: Mit einem im TecDax notierten Medizinkonzern steht ExB Labs kurz vor Vertragsabschluss. Schon bald will das Münchner Unternehmen auch neue Bereiche abseits der Medizin erschließen. Man befinde sich gerade im „Skalierungsprozess“, sagt Assadollahi. Interessiert an dem System zeige sich etwa die Automobilindustrie. Auch beim Thema Recht könnten laut dem Gründer gut strukturierte Daten helfen. Der Preis richtet sich an die Anzahl der User im Jahr. Die „preislichen Dimensionen“ seien sehr unterschiedlich. „Große Pharmakonzerne kaufen natürlich wesentlich mehr Lizenzen für mehr Mitarbeiter ein als kleinere Unternehmen“, sagt der Gründer. Als Richtwert gibt er etwa 100.000 Euro pro Lizenz an.

Dass er mit seinem System Arbeitsplätze gefährdet, glaubt Ramin Assadollahi nicht. „Ich maße mir nicht an, dass unsere KI Menschen ersetzen kann“, sagt er gegenüber t3n. Er versteht sie eher als Ergänzung: So könne die Lösung etwa Vorarbeit für eine Diagnose leisten und dem Arzt Arbeit abnehmen. Auch IBMs Watson hat sich in diesem Bereich bereits bewährt. 2016 machte das System Schlagzeilen, weil es binnen zehn Minuten eine rare Form von Leukämie erkannte. Solch ein Diagnosesystem will Assadollahi nicht bauen. „Die Diagnose soll der Mensch lieber selber stellen. Deep Learning ist kein Zauberstab, sondern eine Werkzeugkiste.“

Spricht man ihn auf die großen Konkurrenten IBM und das deutsche Unternehmen Arago an, bleibt der 43-Jährige gelassen. IBM spreche ausschließlich große Kunden an. Mit ExB Labs könnten Firmen hingegen erst einmal ausprobieren, was ihnen eine künstliche Intelligenz bringe, so Assadollahi. Vom innerländischen Konkurrenten Arago will sich der Gründer durch andere Funktionen absetzen. Ob der Unternehmer den beiden Wettbewerbern wirklich gefährlich werden kann? Das wird sich auch daran zeigen, welchen Stand die künstliche Intelligenz in den kommenden Jahren überhaupt erreicht. Schließlich gab es auch schon vor 50 Jahren mal einen Hype um selbstlernende Maschinen. Er flachte allerdings auch wieder ab.

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