Fabian Heilemann: Warum der Dailydeal-Gründer in sich selbst investiert hätte
Gemeinsam mit seinem Bruder Ferry gehört Fabian Heilemann zu den Online-Gründern der ersten Stunde in der deutschen Startup-Szene. Im Jahr 2011 verkauften sie ihr Unternehmen Dailydeal für insgesamt 114 Millionen US-Dollar an Google, kauften es später wieder zurück und gründeten in der Folgezeit weitere Startups wie Freighthub. Zunächst alleine als Frühphaseninvestoren unter dem Namen „Heilemann Ventures“ unterwegs investieren sie mittlerweile via Earlybird Venture Capital, wo Fabian als Partner tätig ist, in Tech-Startups wie N26.
Das macht gute Ideen aus
Wie bei vielen anderen Gründern lief es jedoch auch für die Heilemann-Brüder nicht von Anfang an rund. Die ersten Unternehmen zu Uni-Zeiten scheiterten, beide lebten während ihrer Anfangszeit in Berlin auf engstem Raum zusammen und hielten sich mit Freelance-Jobs über Wasser. Lehrgeld, das sich später jedoch auszahlen sollte und zu einem enormen Erfahrungsschatz beigetragen hat. So kristallisierten sich für Fabian Heilemann als Unternehmer und Investor über die Jahre bestimmte Kriterien heraus, die besonders gute Startup-Ideen ausmachen.
Hierbei sei der wichtigste Punkt, dass Gründer von Anfang einen großen Markt im Blick haben und mit einer Vision vorangehen, die sie für mindestens fünf bis zehn Jahre an ihr Startup bindet. „Gründer sollten am besten an einem Thema arbeiten, für das sie Leidenschaft und idealerweise ein erstes Netzwerk oder Expertise haben – und wo definitiv ein Markt mit einer Zahlungsbereitschaft besteht“, sagt Heilemann.
So sei es beispielsweise naheliegend gewesen, dass die Heilemann-Brüder Freighthub an den Start brachten, da sie und ihre Mitgründer bereits erste nennenswerte berufliche Kontakte und private Einblicke in die Logistikbranche hatten. Der Prozess der Ideenfindung sollte dabei zusätzlich vom Ansatz her von einer systematischen Recherche geprägt sein. Das Ergebnis müsse dann letztendlich auf jeden Fall verständlich gegenüber Investoren und den eigenen Mitarbeitern zu kommunizieren sein.
„Berlin denkt immer noch zu klein“
Insgesamt würde heutzutage auch den „Unit Economics“ bei der Beurteilung einer Idee eine immer größere Bedeutung beigemessen. Was grundsätzlich richtig sei, aber gegebenenfalls im ersten Schritt nicht zwangsläufig im Vordergrund stehen sollte. So sollten Gründer und Investoren in Deutschland laut Heilemann generell in noch größeren Dimensionen denken. „In Berlin denken wir noch immer zu klein. Venture-Capitals haben in den USA viel mehr eine Cowboy-Mentalität, wo sie Startups mit beachtlichen Summen finanzieren, die sich an die großen Themen heranwagen, selbst wenn sie erst einmal auf einige Jahre hinaus nicht profitabel sind“, wie er im Gespräch mit Startup Notes im Rahmen der Masterclass-Reihe „From Scratch“ anmerkt.
„Wir brauchen mehr Risiko-Mentalität in Deutschland“, fordert Heilemann. Investoren sollten bereit sein, mit ihren Portfolio-Unternehmen Märkte erst einmal komplett zu erobern und später auf die Profitabilität achten.
Dabei sei es wichtig, vor allem in das Gründerteam selbst zu investieren anstatt sich aus Venture-Capital-Sicht zu sehr auf finanzielle Kennzahlen zu fokussieren. So hätte beispielsweise auch vor vielen Jahren der bekannte Gründer und Business-Angel Michael Brehm in die Heilemann-Brüder investiert, als sie ihm Dailydeal pitchten, da er von ihrem Enthusiasmus und Erfolgshunger überzeugt war. Etwas, das Fabian Heilemann rückblickend auch selbst als Investor getan hätte. „Wir waren jung, hatten nichts zu verlieren und mussten es deshalb einfach schaffen.“
Unter dem Titel „From Scratch“ richtet Startup Notes gemeinsam mit Digital McKinsey in Berlin insgesamt zwölf Masterclass-Events aus, die thematisch aufeinander aufbauen und sich allesamt dem Thema „Digital Entrepreneurship“ widmen. Ihr könnt die Highlight-Videos und den Podcast von Startup Notes mit den einzelnen Masterclasses auf Youtube, iTunes, Spotify oder Soundcloud abonnieren.