Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Analyse

So entsteht unser Newsfeed: Der Facebook-Algorithmus im Detail

(Foto: Facebook)

Der Facebook-Algorithmus entscheidet darüber, welche Beiträge in unserem Newsfeed auftauchen. Worauf genau der Algorithmus dabei achtet, verraten wir euch in diesem Artikel.

Für Seitenbetreiber wird es mehr und mehr zu einer Herausforderung, im Newsfeed der eigenen Fans aufzutauchen. Was die zu sehen bekommen, entscheidet nämlich ein Algorithmus. Laut Angaben von Facebook soll er den „richtigen Menschen“ die „richtigen Inhalte“ zur „richtigen Zeit“ anzeigen. Wie das ganz genau funktioniert, ist leider nicht bekannt. Von Facebook und aus anderen Quellen kennen wir jedoch zumindest einige Faktoren, die einen mehr oder weniger starken Einfluss darauf haben, dass eure Beiträge auch gesehen werden. Im Folgenden versuchen wir daher, zumindest ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen und die öffentlich bekannten Faktoren zu erklären.

Newsfeed-Algorithmus: Welche Inhalte Facebook bei der Anzeige bevorzugt

„Die Beiträge, die du zuerst siehst, werden von deinen Verbindungen und Aktivitäten auf Facebook beeinflusst. Die Anzahl an Kommentaren, ‚Gefällt mir‘-Angaben und Reaktionen, die ein Beitrag erhält, und die Art der Meldung (z. B. Foto, Video, Statusmeldung) sind Faktoren, die auch dafür verantwortlich sein können, welche Meldungen weiter oben in deinem News Feed angezeigt werden.“ Quelle: Facebook

Das obige Zitat aus der Hilfesektion von Facebook macht klar, dass die Anzahl von Likes und Kommentaren einen starken Einfluss darauf hat, ob ein Beitrag im Newsfeed eines Nutzers auftaucht. Seit Januar 2018 versucht Facebook aber auch, vorab einzuschätzen, mit welchen Beiträgen ihr und eure Freunde am wahrscheinlichsten interagieren werdet. Gleichzeitig mit dieser Änderung hat das soziale Netzwerk bekanntgegeben, zukünftig Inhalte von Freunden und Familie höher zu priorisieren als öffentliche Beiträge wie beispielsweise Nachrichtenartikel.

Noch im selben Monat hat Facebook angekündigt, zukünftig auch die Qualität der Nachrichtenquellen in das Ranking miteinzubeziehen. Dazu werden einzelne Nutzer zur Qualität von Nachrichtenquellen befragt. Die Ergebnisse dieser Befragung sollen dann wiederum Einfluss auf das Ranking der Artikel dieser Quelle haben. Im Rahmen dieser Änderungen wurde auch bekanntgegeben, dass lokale Nachrichten zukünftig höher priorisiert werden sollen als überregionale. Facebook identifiziert regionale Nachrichtenquellen dadurch, dass sie vorwiegend von Nutzern innerhalb enger geografischer Grenzen angeklickt werden. Damit eine Meldung dieses Publishers aber in eurem Newsfeed angezeigt wird, müsst ihr ihn darüber hinaus entweder gelikt haben, oder er muss von einem eurer Freunde geteilt werden.

Auch ältere Storys tauchen regelmäßig im Newsfeed der Nutzer auf, wenn der Facebook-Algorithmus sie noch für relevant erachtet. (Grafik: Facebook)
Auch ältere Storys tauchen regelmäßig im Newsfeed der Nutzer auf, wenn der Facebook-Algorithmus sie noch für relevant erachtet. (Grafik: Facebook)

Anfang 2017 hat Facebook bekanntgegeben, dass das Unternehmen neue Signale etabliert hat, um die generelle Authentizität eines Beitrags zu bewerten. Werden Beiträge einer Seite beispielsweise häufig von Nutzern ausgeblendet, dann geht Facebook davon aus, dass die Inhalte nicht authentisch sind. Damit sinkt auch die Chance, dass Inhalte dieser Seite bei den Nutzern an prominenter Stelle im Newsfeed angezeigt werden.

Facebook-Newsfeed: Mobil spielt auch eure Netzgeschwindigkeit eine Rolle

Seit Oktober 2016 hat auch erstmals die Facebook-App Einfluss auf das Ranking von Newsfeed-Beiträgen. Damit soll auch das Problem einer potenziell langsamen Internetverbindung angegangen werden. Kommt euer Smartphone nicht damit nach, Beiträge zu laden, die eigentlich höher im Newsfeed angezeigt werden sollten, rücken sie automatisch nach unten und werden von Inhalten ersetzt, die sich bereits im Cache eures Mobiltelefons befinden.

Im Falle von Videos, die ihr auf Facebook hochladet, entscheidet neben Likes und Kommentaren auch die Anzahl der Views und wie lange die Nutzer sich euer Filmchen angeschaut haben.  Zumindest auf mobilen Endgeräten hat auch die Netzgeschwindigkeit des Nutzers Einfluss darauf, was im Newsfeed angezeigt wird. Erkennt Facebook eine langsame Verbindung, werden beispielsweise weniger Videos im Newsfeed des betroffenen Nutzers auftauchen.

Wenn eure Freunde einen Beitrag liken oder kommentieren, könnte das ebenfalls Einfluss darauf haben, wie weit oben im Newsfeed der Beitrag angezeigt wird. Wenn ein Nutzer selbst viel mit einer Seite interagiert, wird er auch zukünftig häufiger Beiträge dieser Seite zu Gesicht bekommen. Auch ein möglichst vollständig ausgefülltes Seiten-Profil kann Einfluss auf die Sichtbarkeit haben. Außerdem kann es hilfreich sein, wenn eure Fanbase mit der einer anderen hochwertigen Facebook-Page große Überschneidungen aufweist.

Seit Juni 2015 spielt auch die Zeit, die ihr zum Lesen eines Textes oder zum Anschauen eines Bildes aufwendet, eine Rolle. Scrollt ihr beispielsweise durch euren Newsfeed und stoppt eine Weile über einem Post, bevor ihr weiterscrollt, nimmt Facebook an, dass euch dieser Beitrag interessiert hat. Diese Information wird wiederum von Facebook gespeichert und hat Einfluss auf die Zusammensetzung des Newsfeeds.

Newsfeed No-Gos: Was Facebook seinen Nutzern lieber nicht zumuten will

„[...] people tell us there are occasionally instances where photos or videos are uploaded to Facebook over and over again. We’ve found that people tend to find these instances of repeated content less relevant, and are more likely to complain about the Pages that frequently post them.“ Quelle: Facebook

Seit 2014 versucht Facebook, der Schwemme an sogenanntem „Linkbait“ Einhalt zu gebieten. Der Algorithmus soll solche Inhalte auf zwei Arten erkennen können: Zum einen identifiziert das soziale Netzwerk Linkbait, wenn viele Nutzer zwar auf einen Link klicken, aber direkt danach wieder auf Facebook aktiv sind und den Inhalt augenscheinlich nicht wirklich lesen. Auch wenn zwar viele Menschen auf einen Link klicken, aber nur sehr wenige diesen Link kommentieren oder liken, geht Facebook von Linkbait-Inhalten aus. Außerdem versucht Facebook, Videos und Fotos aus dem Newsfeed zu filtern, die immer und immer wieder hochgeladen werden. Seiten, die das machen, können mit einer geringeren Sichtbarkeit rechnen.

Seit Dezember 2017 geht Facebook außerdem mit Hilfe von KI-Software gegen Beiträge vor, die Nutzer künstlich zu einer Interaktion mit einem Beitrag animieren wollen. Dazu gehören beispielsweise Beiträge, in denen Nutzer gezielt dazu animiert werden, andere Nutzer zu taggen. Je häufiger ein Seitenbetreiber solche Taktiken einsetzt, desto stärker soll es als negatives Signal gewertet werden. Allerdings tauchen solche Beiträge auch zwei Monate nach der Ankündigung noch mit einiger Regelmäßigkeit bei vielen Nutzern im Newsfeed auf.

Newsfeed: Facebook ist kein Fan von Memes, Link- und Like-Baiting. (Screenshot: Facebook)
Newsfeed: Facebook ist kein Fan von Memes, Link- und Likebaiting. (Screenshot: Facebook)

Reine Textbeiträge von Facebook-Seiten sollen nach Angabe von Facebook ebenfalls keine sonderlich hohe Reichweite haben. Die Anzeige von übermäßig werbenden Inhalten vermindert Facebook seit November 2014. Beiträge, die nur dazu dienen, Nutzer zum Download einer App oder zur Teilnahme an einem Gewinnspiel zu bringen, sollen also weniger prominent im Newsfeed auftauchen. Dasselbe passiert, wenn ihr Inhalte aus einer Facebook-Anzeige in einem regulären Beitrag erneut verwendet.

Als negatives Signal für den Newsfeed agiert die Verstecken-Funktion. Wie stark die sich auswirkt, variiert allerdings je nach Nutzer. Die meisten Facebook-User verstecken beispielsweise nur wenig Beiträge. Bei ihnen wertet Facebook es daher als sehr starkes Signal dafür, dass sie bestimmte Dinge nicht im Newsfeed sehen wollen. Eine kleine Anzahl von Nutzern setzt die Funktion allerdings beinahe ständig ein. Bei ihnen hat das Verstecken einzelner Beiträge daher deutlich weniger Einfluss darauf, ob ähnliche Inhalte zukünftig nicht mehr angezeigt werden.

Ihr solltet nicht vergessen, dass Facebook die Feinheiten des Newsfeed-Algorithmus regelmäßig anpasst. Über die wichtigsten Änderungen werden wir euch natürlich hier auf t3n.de auf dem Laufenden halten.

Letztes Update des Artikels: 21. Februar 2018

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

5 Reaktionen
Lita Haagen

Vielen Dank, Kim für diese wertvollen Einsichten!

Es macht auf mich den Eindruck, als versuche Facebook, die Filterfunktionen unseres Gehirns nachzubauen.
In der echten Welt nehmen unsere Sinne in jeder Sekunde so viele Informationen auf, dass unser Bewusstsein damit hoffnungslos überlastet wäre, wenn es nicht einen sehr rigiden Filter vorschalten würde.
Nur relevante Inhalte gelangen in unser Bewusstsein.
Manche Informationen nehmen wir nur kurz wahr, andere überhaupt nicht.
Zum Beispiel gelangt die Tatsache, dass wir eine Brille tragen nur dann in unser Bewusstsein, wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, obwohl wir das Gewicht der Brille spüren könnten und die Ränder der Gläser sichtbar sind. Das wird alles herausgerechnet, um für Gefährliches, Schönes und Interessantes Platz zu haben.
Da auch unserer Nervensystem mit elektronischen Impulsen arbeitet, kann man auch hier von einem Algorithmus sprechen.
Der ist noch nicht vollständig entschlüsselt, aber die Neurowissenschaftler sind hart dran.
Ich habe einmal versucht, in einem Modell zu veranschaulichen, wie Sinneseindrücke, grundlegende Instinkte, Emotionen, Erinnerung, Erfahrung, Aktivierung und Belohnung zusammen hängen.
Der Post richtet sich an Restaurants, die einen gehirngerechten Aktionskalender planen möchten, das Prinzip ist aber überall das Selbe.

Ich finde, Facebook leistet einen hervorragenden Job.
Natürlich kann das auch Nachteile haben.
Wir stecken alle schon durch die Funktionsweise unserer eigenen Gehirne in unseren Realitätstunneln. Personalisierte Newsfeeds von Social Media verstärken das noch.
Von t3n erhalte ich ziemlich viele Nachrichten, weil ich oft darauf klicke weil es mich eben interessiert.

Wer sich ein offenes Weltbild erhalten möchte, muss sich sowohl um die Filter in seinem eigenen Bio-Gehirn, als auch um diejenigen der digitalen Gehirnverlängerungen aktiv bemühen.

Da hilft das Verständnis über natürliche und künstliche Realitätsfilter sehr.
Seht Ihr auch Parallelen?
Herzliche Grüße,
Lita

Antworten
Matthias

Wenn mir Facebook vorschreibt was ich interessant zu finden habe, dann brauch ich Facebook nicht. Basta ...

Antworten
Dirim_Media

Ich find das gut, da die sinnlosen Beiträge auf Facebook immer mehr zunehmen. Viele Seitenbetreiber teilen Links mit einem interessanten Titel, klickt man auf diesen Link, wird man mit haufenweise Werbung bombadiert.

Antworten
Tomas Meier

.....soll er den „richtigen Menschen“ die „richtigen Inhalte“ zur „richtigen Zeit“ anzeigen.

Was im Umkehrschluss bedeuten könnte, dass reale Menschen eigentlich Abstand nehmen müssten von dieser Maschine welche ihnen "vorschreibt" was relevant ist und was sie zu lesen haben.

Antworten
www.quadronet.de

Ich finde das sehr gut das Facebook hier eingreift, mit der Anzahl der sinnlosen Nachrichten in unserer Timeline macht es auf Dauer keinen Spaß mehr das alles zu lesen.
Dirk Wohlrabe - QUADRONET

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.