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Flattr von Eyeo übernommen: Warum Adblock Plus zu Flattr passt

In der Vergangenheit ist der Werbeblocker-Anbieter vor allem durch Gerichtsstreitigkeiten mit Verlagen in Erscheinung getreten. (Bild: Shutterstock)

Eyeo, das Unternehmen, das hinter Adblock Plus steht, hat den Micropayment-Provider Flattr übernommen. Damit propagiert das Unternehmen eine Alternative zur Finanzierung von Internetinhalten. Überzeugen wird es seine Kritiker wohl dennoch nicht. 

Flattr ist ein Content-Finanzierungsdienst, der über eine Browser-Extension läuft und so seit 2010 Zahlungen an Content-Ersteller ermöglicht. Dabei wird ein vom Nutzer festgelegter Betrag nach Ablauf eines Abrechnungsmonats unter den Autoren aufgeteilt, deren Artikel der Nutzer in dem Monat für lesenswert befunden hat oder deren Arbeit er wertschätzt.

Flattr ist bislang nur für wenige Contentproduzenten lukrativ

Der Dienst versteht sich als zusätzliche Finanzierungsquelle für Verlage, Blogger, Künstler oder Softwareentwickler. In der Vergangenheit war das Potenzial der Einnahmen über diesen Weg allerdings im deutschen Raum (von wenigen Ausnahmen abgesehen) eher überschaubar, weil nur wenige Spender Geld hierüber verteilten. Das könnte sich in Zukunft ändern, wenn Adblock Plus und Flattr Plus gemeinsam in einer App oder Browser-Extension daherkommen.

Mehr als bescheidene Spenden kamen für die Content-Provider über Flattr meist nicht zusammen. (Bild: Shutterstock)

Schon im letzten Jahr hatten Adblock Plus und Flattr anlässlich der Republica eine Zusammenarbeit bekanntgegeben. Peter Sunde, der Mitgründer von Flattr und vor allem bekannt als Pirate-Bay-Mitgründer, hatte damals vor allem das beschriebene Reichweitenproblem als Grund genannt, warum man mit Eyeo bei Flattr Plus zusammenarbeite. Heute erklärte Sunde: „In den letzten zehn Monaten haben wir intensiv an unserer gemeinsamen Vision gearbeitet und sind dadurch natürlich auch als Team zusammengewachsen. Daher ist dieser Schritt der einzig sinnvolle: Die strukturellen Barrieren werden aus dem Weg geräumt und Flattr wird offiziell ein Teil von Eyeo.“

Auch wenn die strukturellen Barrieren als Erklärung nur teilweise überzeugen können, könnte Eyeo das Potenzial haben, um Flattr zu mehr Reichweite zu verhelfen. Gleichzeitig könnte Eyeo so noch besser das Nutzungsverhalten beim Surfen protokollieren und auswerten. Denn anders als in den Anfangsjahren, als jeder Content-Anbieter Flattr-Buttons integrieren musste, auf die der Nutzer dann klickte, um dem Anbieter Geld zukommen zu lassen, basiert Flattr Plus auf dem Tracken des Surfverhaltens. Gerade das dürfte einigen Nutzern nicht gefallen – das war bereits anlässlich der Präsentation auf der letztjährigen Republica deutlich geworden.

Flattr könnte als Türöffner in Medienhäusern fungieren

Vielleicht ist es aber auch gerade die Türoffnerfunktion, die Flattr sich für Eyeo bei Verlagen und großen Medienhäusern versprechen könnte. Denn Adblock Plus hat sich in der Vergangenheit nicht bei allen Contentproduzenten beliebt gemacht. Es gab eine Vielzahl von Klagen und Prozessen, angestrengt von Medienhäusern, gegen Eyeo, die sich alle mit dem Herausfiltern von Werbung befassen – einer der wichtigsten Einnahmequellen der Online-Medien. Flattr könnte nun als weiteres Finanzierungsmodell für Inhalte bei den Content-Anbietern propagiert werden, quasi als Alternative zu den nervigen Werbeformen, die immer mehr Nutzer mit dem Werbeblocker ausfiltern.

Nach dem Zusammenschluss soll das ursprüngliche Team von Flattr weiterhin mit allen Mitgliedern das Tagesgeschäft aus Malmö in Schweden betreiben. Peter Sunde wird weiter als Visionär und Berater wirken, Mitgründer Linus Olsson wird für die Implementierung und die Leitung der operativen Prozesse zuständig sein.

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3 Kommentare
egghat (@egghat)

Wenn Eyeo nicht so evil wäre … Dass sich Eyeo bei einigen Content-Produzenten unbeliebt gemacht hat, erwähnt der Artikel. Dass das analog aber auch für AdBlock+-Nutzer gilt, leider nicht …

Die naheliegendste Möglichkeit für Flattr wurde leider nie umgesetzt: Ein Browser-Plugin, dass es ermöglicht, Werbung auszublenden, wenn der Surfer für die Seite geflattert hat. Fast noch besser wäre es, wenn der Anbieter über ein WordPress-Plugin den Surfer als „Flattr-Abonnent“ erkennen könnte, und dann eben keine Werbung mehr anzeigen würde.

Bei der Vielzahl an Unterstützer-Modellen (Flattr, Kachingle (erinnert sich noch jemand?), Patreon, SteadyHQ, …) ist es eigentlich ein Witz, dass man das Modell: Zahl mir was, dann gibt es keine Werbung mehr, immer noch nicht einfach umsetzbar ist …

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Sascha Pallenberg
Sascha Pallenberg

Adblock Plus und Flattr passen perfekt zusammen. Beide werden die naechsten Jahre nicht ueberleben und das ist auch gut so

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egghat (@egghat)

Ich fürchte fast, dass das Business-Modell von Adblock Plus zu gut ist. Das funktioniert in Italien schon länger …

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