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Ratgeber

Flexible Informationsarchitektur: Wenn viele Wege zum Ziel führen

Die Informationsarchitektur der Zukunft ist flexibel. (Foto: Stocksnap)

Althergebrachte Konzepte verwenden stets einen linearen Informationszugang. Dabei sind nicht alle Menschen gleich und alle Anwendungsfälle auch nicht. Eine flexible Informationsarchitektur ist gefragt – und das Umdenken hat bereits begonnen.

Die Fehlerquelle Mensch

Lineare Informationsarchitektur bezeichnet eine Konstruktion, in der es stets nur einen vordefinierten Weg zum Ziel gibt. Nutzer arbeiten in linearen Systemen Aufgaben entlang der vorgegebenen Pfade ab und können nur so und nicht anders zum Ziel zu gelangen. Diese Vorgehensweise ist aus Sicht des Designers nicht uninteressant.

Jeder im weitesten Sinne in der IT tätige Mensch weiß, dass das größte Problem der Computerei in kurzem Abstand vor dem Gerät zu finden ist. Insofern ist es seit Jahrzehnten etablierte Praxis, die Fehlerquelle Mensch so weitgehend wie möglich auszuschalten. Das geht natürlich ganz prima durch Gängelei.

Geben wir den Menschen genau einen Weg vor, so kann er keinen anderen nehmen. Das klingt plausibel und ist es auch. Zumindest dann, wenn der Anwendungszweck dieses Mittel heiligt.

Flexible Informationsarchitektur will akribisch geplant sein. (Foto: MMT Stock)

Das kann der Fall sein, wenn es etwa darum geht, per App eine Taxifahrt abzuwickeln. Hier wählt das System den Standort per GPS vor. Der Nutzer gibt sein Fahrziel ein. Das System sucht den nächstgelegenen Fahrer und schickt ihn zum Nutzer. Am Ende der Fahrt zahlt der Nutzer über das System und hinterlässt eine Bewertung. Flexibilität wäre hier wohl völlig fehl am Platze und die einfache Bedienung ist sicherlich einer der Gründe für den Erfolg solcher Apps (neben den Fahrpreisen natürlich).

In weniger simplen Umgebungen wirkt eine zu schlichte und zu lineare Informationsarchitektur hingegen wirklich wie eine unnötige Gängelei. Generell sollten Nutzer stets das Maß an Freiheit zur Verfügung haben, das sie sich persönlich wünschen.

Das allerdings ist durchaus ein Eiertanz – denn das Frustrationspotenzial steigt mit jedem möglichen Weg von A nach B. Und frustrierte Nutzer will natürlich keiner von uns.

Wege zu mehr Flexibilität

Ein Weg, den starren linearen Vorgang aufzubrechen, könnte sein, nach Nutzern zu unterscheiden: Handelt es sich um einen technisch wenig versierten, vielleicht sogar unerfahrenen Nutzer oder haben wir es mit einem Poweruser unserer Dienste zu tun? Im letztgenannten Fall könnte man durchaus die Zügel lösen und dem loyalen Nutzer mehr Freiheiten einräumen. Auf der psychologischen Ebene dürfte seine Loyalität sogar noch verstärken. Der Neuling wird sich eher über die deutliche Unterstützung freuen.

Flexible Informationsarchitektur ist ein Vertrauensbeweis für die Nutzer. (Foto: Pixabay)

Ein anderer Weg könnte darin bestehen, nach Aufgabe zu unterscheiden: Wenn deine Website und App es erlauben, unterschiedliche Aufgaben zu erledigen, so unterscheide nach deren Komplexitätsgrad. Schwierigere Tasks gehst du linear an, weniger komplexe nicht linear.

Günstig kann es auch sein, den Nutzern innerhalb eines komplexeren Tasks mehr Entscheidungsspielräume zu geben. Auf diese Weise bestimmen die Nutzer, von wo aus der Weg wohin weitergeht. Das unterstützt ebenfalls das Gefühl der Selbstbestimmtheit.

Nichtlineares Design beschränkt sich aber nicht auf diese relativ großen Prozesse. Den Unterschied kannst du auch im Detail schon machen. Gib deinen Nutzern etwa verschiedene Möglichkeiten, von A nach B zu kommen – zum Beispiel, indem du einen Zurück-Button vorsiehst, um einen Schritt oder eine Seite rückwärts zu gelangen und gleichzeitig etwa unter iOS auch die entsprechende Swipe-Geste vom linken zum rechten Bildschirmrand unterstützt.

Mach die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher

Wichtig ist dabei nur, dass die unterschiedlichen Möglichkeiten sich nicht gegenseitig im Weg stehen oder sogar widersprechen. Auch unterschiedliche Wege müssen sich vollkommen natürlich anfühlen und gehen lassen.

Kritiker der etablierten Step-by-Step-Nutzerführung wenden ein, dass es sich hierbei vielfach um Beispiele für ein Phänomen handelt, vor dem uns einst Einstein warnte, als er sagte: „Mach die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher”. Handelte es sich tatsächlich um eine Übervereinfachung, dann müssten wir schon kurz- bis mittelfristig mit negativen Konsequenzen rechnen.

Legen deine Besucher- oder Nutzerstatistiken einen Engagement-Rückgang nahe, solltest du mal ein kritisches Auge auf deine Informationsarchitektur werfen.

Quellen zum Weiterlesen:

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