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Flop folgt Hype: Segway beendet die Produktion des zweirädrigen Stehscooters

Der SEgway PT wird als Gebrauchtgerät noch einige Zeit am Markt sein. Neue werden nicht mehr hergestellt. (Bild: Shutterstock)

Wer den Hollywood-Streifen Kaufhaus-Cop gesehen hat, weiß, wie wendig und leistungsfähig der zweirädrige Steh-Scooter Segway PT sein kann. Trotz seiner ikonischen Erscheinung wurde er nicht zum Verkaufshit. Jetzt wird die Produktion eingestellt.

Der Segway PT, die selbstbalancierende zweirädrige Scooter-Variante, der Steve Jobs vorhersagte, sie würde erfolgreicher als der Personal Computer, steht vor dem Aus. Am 15. Juli 2020 wird die Produktion im Werk Bedford im US-amerikanischen New Hampshire eingestellt. Die inzwischen ohnehin nur noch 21 Angestellten aus der Fertigung verlieren ihre Jobs.

Der Segway PT, ein kommerzieller Flop

Damit endet die fast zwanzigjährige Geschichte eines Gefährts, das sich trotz der Tatsache, dass es überall, wo es auftauchte, massive Aufmerksamkeit auf sich zog, nur schlecht verkaufen ließ. Wie Fast Company berichtet, konnte Segway seit 2001 insgesamt etwa 140.000 Einheiten absetzen. Geplant waren 100.000 Verkäufe in den ersten dreizehn Monaten der Produkteinführung. Der Segway PT darf damit wohl als kommerzieller Flop bezeichnet werden.

In der Zeit seines Bestehens wurde das Unternehmen Segway zweimal verkauft, zuletzt an die chinesische Firma Ninebot, die seither unter Ninebot-Segway firmiert und weltweiter Marktführer in der Herstellung und Auslieferung elektrischer Tretroller ist. Übereinstimmenden Schätzungen zum US-Markt zufolge stammen vier von fünf Scootern der großen Sharing-Dienste aus einer Ninebot-Fabrik.

Probleme des Segway PT hausgemacht

Von dieser Marktmacht konnte der Segway PT nicht profitieren. Sicherlich dürfte die starke Konkurrenz aus dem eigenen Hause einen bedeutenden Anteil am Scheitern des Produkts haben. So sieht auch Segway-Chefin Judy Cai eine Reihe von Problemen.

Segway-Touren gibt es an vielen Urlaubsorten. (Foto: Shutterstock)

Allen voran sei der Preis letztlich zu hoch gewesen, so Cai. Immerhin konkurriert der Segway PT mit viel kompakteren und damit leichteren und günstigeren E-Tretrollern. So kostete der erste Segway PT rund 5.000 US-Dollar, Sharing-Scooter verkauft Ninebot an die Dienste bereits ab 100 Dollar. Wer heutzutage einen Segway kaufen will, muss zwischen 8.000 und 10.000 Euro in die Hand nehmen. Für um die 5.000 Euro sind nur Gebrauchtgeräte erhältlich.

Natürlich ist der Segway PT eine ganz andere Kategorie Fahrzeug und weitaus wertiger verarbeitet. Dennoch fährt er nur genauso schnell wie die günstigeren Scooter. Der Mehrwert war laut Segway schwer zu kommunizieren.

Hinzu kam die absolute Haltbarkeit des Produkts. Segway hat PT am Markt, die über 100.000 Kilometer auf dem Buckel haben und immer noch klaglos ihre Leistung abliefern. So gäbe es laut Cai keinen Grund für die Besitzer eines PT, einen neuen zu kaufen.

Segway PT ohne Kaufanreiz

Dem hätte Segway mit Design- oder Feature-Änderungen entgegenwirken können. Aber genau das ist nicht erfolgt. Stattdessen ist der Segway PT im Wesentlichen der Segway, der 2001 auf den Markt gekommen war. Und laut Cai verfügt er immer noch über die gleichen Barrieren für neue Nutzer. Das Fahren mit dem Segway PT muss erlernt werden, während auf dem E-Tretroller einfach losgefahren werden kann. So ist ein Segway PT auch zwanzig Jahre nach seiner Markteinführung immer noch kein Gerät, das spontan genutzt werden kann.

Alles in allem verwundert es nicht, dass der Umsatzanteil des Segway PT am gesamten Ninebot-Umsatz nur noch 1,5 Prozent beträgt – zu wenig, um das Produkt am Markt zu halten.

Kauf von Segway für Ninebot dennoch lukrativ

Damit ist Segway an sich aber für Ninebot nicht etwa zur Hypothek geworden. Vielmehr zahlt sich der Unternehmenserwerb für den chinesischen Scooter-Fabrikanten durchaus aus. Denn aus dem Patentfundus des Unternehmens konnten bereits allerlei alternative Produkte wie Hoverboards oder einrädrige Skateboards entwickelt werden. So hält Segway mehr als 1.000 Patente allein zur Technologie der Selbstbalancierung von Geräten.

Trotz des angekündigten Produktionsendes soll nicht etwa der Name Segway, der in Europa und den Vereinigten Staaten über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügt, aufgegeben werden und auch das Werk in Bedford will Ninebot nicht schließen. Was dort in Zukunft passieren soll, sei allerdings noch nicht entschieden, so Cai.

Das ist Ninebot-Segway

E-Scooter Xiaomi Ninebot Max G30D. (Bild: Segway)

E-Scooter Xiaomi Ninebot Max G30D. (Bild: Ninebot-Segway)

Ninebot-Segway sitzt im chinesischen Peking und ist Weltmarktführer unter den Scooter-Herstellern. Den Zusatz Segway führt Ninebot seit 2015, als es dem Unternehmen nach mehrjährigem Konkurrenzkampf und Patentrechtsstreitigkeiten gelang, den Wettbewerber Segway zu übernehmen. Der Scooter-Boom kommt bei Ninebot ungebremst an. So konnte im Jahr 2017 der Umsatz versechsfacht werden. In 2018 verkaufte Ninebot 1,6 Millionen Scooter.

Ninebot ist erst gut sechs Jahre alt, wird aber bereits mit über 1,5 Milliarden Dollar bewertet. Das Unternehmen strebt ein Listing am Star-Market an, auch als Chinas Nasdaq bezeichnet

Passend dazu: Ninebot baut jetzt auch Elektroroller und E-Mopeds

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2 Kommentare
adssad
adssad

DAS große Problem der Segways war bzw. ist, dass sie auf den Straßen dieser Welt größtenteils keine Fahrerlaubnis haben. Auch in Deutschland kam die allgemeine Straßenzulassung erst mit dem E-Scooter-Boom.
Und wer will schon 5000 Euro für ein Fahrzeug ausgeben, dass er nur auf seinem Privatgrundstück fahren darf?

Antworten
dennis
dennis

Die Dinger lassen sich auch echt blöde fahren. Das ist alles andere als komfortabel oder macht irgendwie Spaß auf Dauer.

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