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Frauenquote von 0 Prozent: Diese Firmen setzen sich niedrige Ziele

Xing ist Deutschlands größtes Karriere-Netzwerk.(Foto: dpa)

Der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten steigt. Aber in den Vorständen sitzen immer noch kaum Frauen – einige Firmen wollen das offenbar ausdrücklich auch nicht.

Der Frauenanteil in den Vorständen der 160 Börsenunternehmen beträgt 8,8 Prozent. Wie die Allbright Stiftung in ihrem Bericht „Die Macht hinter den Kulissen“ schreibt, ist dieser Anteil in keinem anderen Industrieland so niedrig. Besonders erschreckend: Zahlreiche Aufsichtsräte wollen ausdrücklich keine Frauen im Vorstand haben.

Am liebsten keine Frauen im Vorstand

Alle börsennotierten Unternehmen sind verpflichtet, feste Zielgrößen für die Steigerung des Anteils an Frauen in Vorständen festzulegen – und zu veröffentlichen. Die Zielgröße Null ist dabei auch erlaubt. Von dieser Option haben 53 Unternehmen Gebrauch gemacht.

„Wir sind mit der aktuellen Besetzung gut aufgestellt“, zitiert der Bericht aus der Erklärung zur Corporate Governance von Fielmann. Rocket Internet schreibt in seiner Erklärung zum Null-Prozentziel schlicht: „Diese Zielgröße wahrt den aktuellen Stand.“ Krones argumentiert im Geschäftsbericht, man habe keine geeignete Kandidatin finden können und gehe davon auch künftig nicht aus.

Diese 53 Unternehmen wollen keine Frauen in ihren Vorständen haben. (Grafik: Allbright Stiftung)

Für etwa die Hälfte der Börsenunternehmen gilt seit 2015 eine gesetzliche Geschlechterquote von 30 Prozent (je nach Größe des Unternehmens). Inzwischen ist bei allen börsennotierten Unternehmen fast jedes dritte Mitglied in Aufsichtsräten weiblich. Aber das hat offenbar keinen direkten Einfluss auf die Geschlechterverhältnisse in Vorständen – dort dümpelt der Anteil an Frauen bei 8,8 Prozent.

Den Widerspruch zwischen mehr Frauen in Aufsichtsräten, aber wenig Frauen in Vorständen erklärt der Allbright-Bericht damit, dass Aufsichtsrätinnen meist keine Entscheidungsmacht bei der Rekrutierung von Vorstandsmitgliedern haben. Meist dominiere ein männlicher Vorsitzender den Aufsichtsrat, oft gemeinsam mit einem männlichen Besetzungsausschuss und in Absprache mit einem männlichen Vorstandsvorsitzenden. „Dabei bevorzugt er jüngere Kopien von sich selbst – teils, weil er sie für am besten geeignet hält, teils, weil er am besten mit ihnen umzugehen weiß“, heißt es im Bericht.

Ein Versagen der Aufsichtsräte?

„Dass nicht mehr Frauen für den Vorstand rekrutiert werden, kann man nur als Aufsichtsratsversagen bezeichnen“, schreiben Wiebke Ankersen und Christian Berg, Geschäftsführer der Allbright Stiftung, im Bericht. Denn es sei vielfach belegt, dass vielfältig aufgestellte Teams an der Unternehmensspitze mehr Innovationskraft und eine bessere Selbstkorrektur hätten sowie mehr Profit für das Unternehmen erwirtschafteten.

Es besteht aber Anlass zur Hoffnung auf eine Veränderung: In diesem Jahr würden viele Mandate in den Aufsichtsräten frei. Diese Chance sollten Unternehmen nach Ansicht der Allbright Stiftung nutzen, um mehr Frauen in die entscheidenden Ausschüsse zu berufen und an den Vorstandsbesetzungen zu beteiligen.

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