Anzeige
Anzeige
Analyse
Artikel merken

5 Fehler, die Neobanken jetzt abstellen müssen

Zahlreiche Neobanken kämpfen um die Gunst der Kunden. Doch gerade mal ein Bruchteil davon verdient bisher Geld. Eine Studie hat jetzt gezeigt, welche fünf Faktoren viele der Challenger-Banken am Erfolg hindern – und vieles davon passt auch gut auf deutsche Institute.

3 Min. Lesezeit
Anzeige
Anzeige

Darum tun sich viele Neobanken und Fintechs so schwer mit dem Geldverdienen. (Bild: Panchenko Vladimir / Shutterstock)

Es gibt sowohl in Deutschland als auch weltweit eine wachsende Zahl an Neobanken, die mit einer Vielzahl an meist App-basierten Services um Nutzer:innen werben und gerade bei technikaffinen Kund:innen gut ankommen. Doch eine Studie der Unternehmensberatung Simon Kucher hat jetzt gezeigt, dass gerade mal 2 der 25 größten Neobanken weltweit profitabel arbeiten. Dass so viele nicht kostendeckend agieren, hat einerseits mit dem aktuellen Zinsniveau zu tun, dass es den Banken nicht mehr so leicht wie früher erlaubt, fehlende Erlösmodelle mit Zinseinnahmen zu kompensieren – doch es gibt auch einige Muster, die weltweit ähnlich sind.

Anzeige
Anzeige

Derzeit gibt es weltweit rund 400 Neobanken, die zusammen fast eine Milliarde Kundenkonten betreuen. Alleine in Deutschland gibt es sieben bis acht Millionen Neobanking-Kunden, die natürlich in vielen Fällen hier nur eines von mehreren Konten haben. Gemäß dem Ranking sind Neobanken in Deutschland im aktuellen Länder-Vergleich mit Platz 8 von 60 ganz gut aufgestellt, wobei die Platzierung insbesondere auf den vergleichsweise frühen Markteintritt der hiesigen Banken zurückzuführen sei. Dennoch haben die meisten Schwellenländer die deutschen Banken bei Innovationsgeschwindigkeit und Ertragsstärke hinter sich gelassen.

Das Ergebnis der Analyse klingt alarmierend, überrascht wohl aber viele Marktbeobachter:innen nicht. Bemerkenswert aber auch: Rein rechnerisch erzielt die Mehrheit der Neobanken unter 28 Euro Jahresumsatz pro Kunde. Dieses finanzielle Dilemma betrifft demnach auch renommierte Neobanken. Dem Spaß am Gründen tut das allerdings keinen Abbruch: Die Unternehmensberatung zählt für 2020 noch 94 neue Neobanken, wohingegen auch 2021 immerhin noch 59 Neugründungen hinzukamen.

Anzeige
Anzeige

5 Gründe für die Probleme der Neobanken

Rund eine Milliarde Kundenkonten gibts weltweit bei den Neobanken, die vor allem auf digitale Geschäftsprozesse, Automatisierung und Apps setzen und damit den Nerv vieler digitalaffiner Menschen treffen. Der Global Neobanking Radar von Simon-Kucher & Partners hat das Potenzial für nachhaltiges Wachstum von Neobanken weltweit bewertet und kommt dabei zu den immer gleichen Fehlern und Gründen, warum das mit dem Geldverdienen noch nicht klappt.

Anzeige
Anzeige

Da ist zunächst einmal das Fehlen von Fokussierung auf bestimmte Märkte – entweder den Heimatmarkt oder einen Markt, der Erfolg verspricht, weil dort das Bankwesen noch nicht so etabliert (man könnte auch sagen übersättigt) ist wie etwa in den mitteleuropäischen Märkten. Viel der Neobanken bauen, so fasst es die Analyse zusammen, zu schnell neue Märkte auf – auch auf die Gefahr hin, dass sie dort nicht erfolgreich sind, weil beispielsweise die dortigen Regularien anders sind als gewohnt. Ein weiteres Thema ist die Innovationskraft nach dem MVP. Ist ein Produkt erst einmal entwickelt, ruht man sich den Worten von Simon Kucher & Partner zufolge zu schnell auf den Erfolgen aus, anstatt weiter nach den nächsten Trends zu suchen und das Banking-Produkt weiterzuentwickeln.

Ein dritter Punkt betrifft das Wachstum, das den Analysten zufolge zu sehr auf Kundenzuwachs bedacht ist, ohne auf Profitabilität zu achten. Schuld hieran sei oft das Venture-Capital getriebene Denken, das rund fünf bis sieben Jahre nach dem eigentlichen Start oftmals zu einem unsanften Erwachen führt. Und überhaupt fehlen vielen der Neobanken nachhaltig belastbare Erlösmodelle. Denn Kund:innen in einen kostenfreien Einsteiger-Plan zu bringen, verdient nunmal noch kein Geld. Hier geschickt Upselling zu betreiben, falle vielen Unternehmen schwer. Und nicht zuletzt, das zeigt sich insbesondere in den Emerging Markets sowie den Nicht-EU-Märkten, unterschätzen viele Neobanken die Komplexität des Bankgeschäfts und die damit verbundene Regulatorik. Auch das ist ein Thema, bei dem man – wie auch bei einigen der anderen Punkte – schnell an deutsche Neobanken denken muss.

Anzeige
Anzeige

Auch etablierte Banken gründen Neobanken

Interessant ist in diesem Kontext, dass es gerade die etablierten Bankkonzerne sind, die das Thema mit besetzen wollen und verantwortlich für jede dritte Neugründung sind. Sogenannte „Innovation Speedboats“ oder reine Digitalbanken, gegründet von Finanzdienstleistern oder konventionellen Banken. Kein Zweifel: Die Banken haben verstanden, dass die Fintech-Welt ihnen nicht weniger Konkurrenz macht, wenn sie das Thema zu ignorieren versuchen. Wenn du sie nicht besiegen kannst, mache sie dir zum Freund (oder werde selbst zum Teilzeit-Fintech).

Grundsätzlich ist das auch vernünftig – denn die etablierten Banken brauchen – zumindest für bestimmte Kundengruppen – neue Segmente und automatisierte, da billigere Geschäftsmodelle. „Der Sprung von ‚Get Reach‘ zu ‚Get Rich‘ braucht einen Bewusstseinswandel – und viele Neobanken sind insbesondere im sechsten oder siebten Betriebsjahr soweit, dass sie entweder scheitern oder dauerhaft Bestand haben“, glaubt Christoph Stegmeier, Senior Partner bei Simon Kucher. Denn insbesondere dann, wenn Venture Capital im Spiel ist, sorgen angespannte Erlössituationen dafür, dass Projekte auf den Prüfstand gestellt werden.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Schreib den ersten Kommentar!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige