Geldsegen für Arbeitnehmer: Ifo-Institut erwartet Gehaltssteigerungen

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage dürfen sich die meisten Arbeitnehmer:innen in Deutschland im kommenden Jahr auf eine Gehaltserhöhung freuen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts hervor, die in Kooperation mit dem Personaldienstleister Randstad alle drei Monate durchgeführt wird, um Trends auf dem Arbeitsmarkt zu ermitteln. Diesmal wurden 605 Personalverantwortliche deutscher Unternehmen befragt. Wie der Spiegel berichtet, planen rund drei Viertel der Unternehmen, die Löhne zu erhöhen – im Schnitt um 4,2 Prozent.
Drei von vier Unternehmen planen Gehaltserhöhungen
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt angespannt und unbeständig. Während viele Unternehmen bundesweit über einen Mangel an Fachkräften klagen, kündigen große Konzerne wie Schaeffler und VW Stellenstreichungen an. Andere wie der Tabakhersteller Philip Morris wollen ihre Produktion in Deutschland sogar komplett einstellen. Wer einen Job hat, darf sich laut Ifo-Institut allerdings freuen: Wie die aktuelle Umfrage ergab, werden im kommenden Jahr für den Großteil der Deutschen die Löhne steigen.
Große Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeiter:innen planen dabei häufiger Gehaltserhöhungen: Hier werden voraussichtlich von 83 Prozent Beschäftigten die Löhne steigen – und zwar im Schnitt um 3,9 Prozent. In kleineren Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeiter:innen sind die Erhöhungen mit 69 Prozent zwar seltener, dafür mit durchschnittlichen Steigerungen von 4,6 Prozentaber aber etwas großzügiger.
Besonders im Dienstleistungssektor sind die Lohnzuwächse mit durchschnittlich 4,6 Prozent am höchsten. Dazu gehören zum Beispiel Friseur:innen, Hotel-Mitarbeiter:innen oder Berater:innen. Im Handel werden die Gehälter laut Umfrage im Schnitt um 3,9 Prozent höher liegen, während Beschäftigte in der Industrie und in Fabriken mit einem Plus von 3,7 Prozent rechnen können. Nur etwa 25 Prozent der Unternehmen planen, die Gehälter 2025 unverändert zu lassen. Gehaltskürzungen sind hingegen kaum vorgesehen.
Der Fachkräftemangel als wesentlicher Treiber
Ein Hauptgrund für die steigenden Löhne dürfte der Versuch sein, bestehende Mitarbeiter:innen stärker an das Unternehmen zu binden. Zwar hat sich der Bewerbermangel im Vergleich zum Vorjahr etwas abgeschwächt – klagten im Vorjahr noch 54 Prozent der Unternehmen über einen Mangel an Fachkräften, sind es laut Ifo-Umfrage aktuell nur noch 37 Prozent. Dennoch bleibt es für viele Unternehmen in Deutschland schwierig, geeignetes Personal zu finden.
Lediglich 22 Prozent der befragten Firmen erwarten, bis zum Sommer kommenden Jahres mehr Mitarbeiter:innen zu beschäftigen als jetzt. Größere Betriebe denken dabei häufiger über Personalabbau nach: Bei Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiter:innen plant ein Drittel, die Zahl der Beschäftigten zu reduzieren. Bei kleineren Firmen ist dieser Anteil mit nur rund 20 Prozent deutlich geringer.
Vor dem Hintergrund des geringen Wirtschaftswachstums, das für 2025 prognostiziert wird, können die Ergebnisse der Ifo-Umfrage überraschen. Gleichzeitig verdeutlichen sie jedoch die wichtige Rolle, die bestehende Mitarbeiter:innen einnehmen. Unternehmen können es sich schlichtweg nicht leisten, sie zu verlieren, denn die Suche nach gutem Personal ist langwierig und teuer.