Kolumne

Gibt es einen weichen Einstieg in das digitale Nomadentum?

Safety first? Nicht jeder will ohne Rettungsring ins kalte Wasser springen. (Foto: Shutterstock)

Es gibt viele Wege in das Leben als digitaler Nomade. Man kann, aber muss nicht alles selbst machen. Remote Year bietet bis zu einem Jahr Nomadentum „All inclusive“ an. Doch das hat seinen Preis, nicht nur monetär. Es kann sich dennoch lohnen.

Mir persönlich ging es auch irgendwann auf den Keks: ständig nach neuen Flügen suchen, Visa-Regelungen checken, eine Wohnung und Arbeitsplatz finden, und überhaupt: mich in der neuen Stadt orientieren. Was futtert man hier? Was muss ich tun, damit man mich nicht futtert? Und so weiter. Die Alternative zu all diesen „Unannehmlichkeiten“ des dauerreisenden Digitalarbeiters kommt von Anbieter wie dem amerikanischen Remote Year.

Einstieg zum fortgeschrittenen Preis

Zwischen vier Monaten und einem Jahr kann eine Reise mit Remote Year dauern. Jeden Monat eine andere Stadt, die Route ist vorgegeben. Vor Ort ist bereits für ein Zimmer und Arbeitsplatz gesorgt. Zu Coworking gesellt sich Coliving.

Aber auch der Transport zwischen den Städten wird organisiert. Es gibt Ansprechpartner in jeder Stadt, die selbst das kleinste Wehwehchen wundersam lindern können. Apropos: Ein Arzt gibt online und per Telefon Ratschläge und empfiehlt englischsprachige Kollegen oder Krankenhäuser vor Ort.

Der „Tribe“ (engl. Stamm) zieht überwiegend zusammen durch die Welt. Es werden regelmäßig Events organisiert, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch neue Bekanntschaften ermöglichen. In manchen Städten sind die Gruppen größer (um die 60 Nomaden), in anderen kleiner (circa 30). Vereinsamungsängste? Eher Fehlanzeige.

Kein Remote Job, kein Problem?

Selbst wenn man bisher noch nie aus der Ferne gearbeitet hat, bietet Remote Year Unterstützung dabei, den Chef zu überzeugen, den bisherigen Job mal aus der Ferne auszuprobieren. Und wenn das nicht klappt, gibt es Coaching, wie man in die digitale, ortsunabhängige Selbstständigkeit wechseln kann. Möglichst schnell natürlich, denn die 5.000 US-Dollar Einmalzahlung und die monatlichen (mindestens) 2.000 Dollar sollen eine neue Heimat finden, bevor es sich der Nomadenanwärter noch einmal anders überlegt.

Andere Anbieter gehen noch weiter und bieten Frühstück, Dinnerpartys und so weiter und so weiter.

Das Zwischending

Zwischen dem All-Inclu-Modell und dem ganz freien Einstieg ins Nomadentum gibt es natürlich noch andere Anbieter, bei denen man Geld gegen Bequemlichkeit tauschen kann.

Outside bietet an verschiedenen Orten in USA, Europa und Asien Orte, an denen man wohnen und arbeiten kann. Gefällt einem das Coliving-und-Coworking-Konzept, kann man sich bei der nächsten Standortwahl schon mal etwas entspannen. Man kann ähnlich wie bei Airbnb buchen. Für 249 Dollar im Jahr gibt es eine Mitgliedschaft, die verschiedene weitere Annehmlichkeiten freischaltet.

Auch der Großanbieter Wework, bekannt für seine Coworking-Spaces, hat bereits sein Angebot ergänzt und bietet mit Welive den auf Wohnraum bezogenen Konterpart.

Eher wie kleine Retreats, die eine sehr intensive Zeit versprechen, soll die Zeit bei Unsettled sein. Von einer Woche bis zu einem Monat dauern die Aufenthalte, bei denen vor Ort zwar alles geregelt ist, die An- und Weiterreise jedoch jedem selbst überlassen wird. Und für Freunde von Kreuzfahrten bietet Nomad Cruise die Einstiegsmöglichkeit im Konferenzformat.

Butter bei die Fische

Natürlich muss man sich das Leben nicht schwerer machen, als es ohnehin schon ist. Und der Einstieg in das digitale Nomadenleben ist härter, als man denkt.

Trotzdem: Ich wollte gerade zu Beginn meines Nomadenlebens selbst und spontan entscheiden, wo ich wann hinreise, bleibe oder wieder abreise. Also, jedenfalls soweit meine mitreisende Frau auch einverstanden ist. Ein anderes, weites Feld … Was mich am Nomadenleben ebenfalls reizt, ist, all diese Organisationsfragen nicht nur selbst, sondern auch mal ganz anders zu bewältigen; neue Wege zu gehen. Und wo ist der Spaß, wenn es nichts zu verlieren gibt? Ist der Reiz nicht auch, außerhalb der Komfortzone zu leben? Oder dem Zufall eine Chance zu geben?

Für die jungen, bequemen, unerfahrenen Nomaden?

„Ich bin mehrsprachig aufgewachsen, bin viel gereist und zuerst auch ohne weitere Hilfe ins digitale Nomadenleben aufgebrochen“, berichtet Taylor Wallace, eine Remote-Year-Alumna. „Aber nachdem ich in Buenos Aires von Teilnehmern mehr über die Möglichkeiten des Netzwerks erfahren habe – wie jeden Tag Jobs vermittelt werden, wie gut die Menschen nachhaltig Kontakt halten und Persönlichkeit entwickelt wird – änderte ich meine Meinung. Wo lernt man im Berufsleben noch so viele unterschiedliche Menschen in so kurzer Zeit kennen? Ich habe das Investment nicht bereut.“

Aller Anfang …

Wo beginnt und endet die eigene Komfortzone? Ab wann droht Abenteuer in Angst umzuschlagen? Auf dem Weg zum digitalen Nomaden muss man viele Entscheidungen treffen. Meistens gibt es kein objektives Richtig oder Falsch. Ob und wie weit man Hilfen wie Remote Year in Anspruch nimmt, ist eine dieser Entscheidungen. Herzlich willkommen.

Mehr Tipps und Tricks für digitale Nomaden findest du hier.

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Ein Kommentar
Thilo
Thilo

Kaum zu glauben: Sicherlich hat der Autor mit seinen Aussagen zu Kreuzfahrten recht, aber dann müsste er sich auch mal kritisch mit dem ökologischen Fußabdruck hinsichtlich häufiger Reisen und monatlicher Ortswechsel auseinandersetzen. Das unterbleibt leider, der moralische Zeigefinger zeigt zu auf andere. Digitales Nomadentum ist faszinierend, aber etwas differenzierter dürfte die Darstellung bzgl. Nachhaltigkeit schon ausfallen….

Antworten

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