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Warum Google Duplex wichtig für das Marketing wird

(Foto: Pavan Trikutam / Unsplash)

Mit Duplex hat Google auf seiner Entwicklerkonferenz I/O 2018 gezeigt, dass es der Werbe- und Technologiegigant beim Thema Voice Search ernst meint. Und dass sich Brands und Werbetreibende auf eine neue Form der Vermarktung einstellen müssen.

Als Google letztes Jahr Duplex in einer Demo der Welt präsentierte, ging ein Raunen durch die Menge, das Alan Turing wohl mit einem „I told you so“ kommentiert hätte. Der Erfinder der modernen Informatik erstellte Mitte des 20. Jahrhunderts seinen berühmten Turing-Test, der sinngemäß besagt, dass eine KI den Test besteht, wenn ein Mensch ihre Antworten nicht von denen eines anderen Menschen unterscheiden kann. In der Demo rief die sprachenbasierte KI in einem Restaurant an und bestellte einen Tisch zu einer bestimmten Uhrzeit. Sie reagierte auf Nachfragen und eine mögliche Änderung durch die Servicemitarbeiterin am anderen Ende der Leitung mit menschlicher Tonalität und warf gelegentlich ein „ähm“ und realistisch wirkende Pausen ein. Dazu nutzt Google ein „Recurrent Neural Network“ (RNN).

SEO für Conversational UIs

Die Idee hierbei ist, dass der Nutzer Duplex Aufgaben auftragen kann, die die KI dann in Form von Anrufen erledigt, während man sich anderen Dingen zuwendet – beispielsweise Leute dafür fertig machen, dass sie in den Urlaub wollen. Sieht man sich Googles Entwicklungen der letzten Jahre an, allen voran den Smart-Speaker Google Home und die Software-Variante Google Assistant, macht das alles Sinn. Schließlich hat das Unternehmen immer schon Technologie genutzt, um sein Werbe-Imperium weiter auszubauen und zu optimieren. Und an dieser Stelle kommt Conversational UI ins Spiel – die Schnittstelle, die in Zukunft bei SEO immer wichtiger werden wird.

Während die klassische Google-Suche auf dem Smartphone, Mac, PC oder einem Tablet stattfindet, fällt die visuelle Komponente des Webdesigns bei Google Assistant oder anderen Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder Windows Cortana natürlich weg. Wer schon mal was von semantischem Aufbau von Webseiten gehört hat, weiß, dass strukturell saubere Seiten mit den richtigen Elementen bei Google höher ranken. Denn das vereinfacht die Indizierung für Googles Crawler, auf dessen Daten natürlich auch Duplex zugreift, um seine Anfragen durchzuführen.

Wie können sich Marketer auf Duplex einstellen?

Es wird also eher früher als später essenziell für SEO- und Marketingagenturen werden, Webseiten nicht nur für die Textsuche zu optimieren, sondern auch mit den notwendigen Informationen zu füttern, um sie Duplex-fähig zu machen. Da Google hier natürlich gewissermaßen ein Monopol darstellt, macht es also zumindest Sinn, schon mal die Google My Business-Daten zu vervollständigen, statt sich auf Vorschläge von Nutzern, beispielsweise zu den Öffnungszeiten, zu verlassen. Diese und andere Daten werden bei jeder Suche oben in den Ergebnissen angezeigt und helfen auch Duplex dabei, möglichst vollständige Informationen auszuwerten und für die Anrufe zu nutzen.

Wenn auch der Einkauf per Sprachassistent noch nicht so richtig gezündet hat, dürfte es im Rahmen der verstärkten Kundenzentrierung bei Produkten und Services also im Sinne der Unternehmen sein, sich hier auf die Nutzer einzustellen. Denn die nutzen bereits jetzt Assistenten für Suchen und werden in Zukunft von den Assistenten erwarten, dass sie nicht nur die Lampen im Smarthome an- und ausknipsen, sondern auch weitere Aufgaben übernehmen. Und dann sollten die Webseiten so optimiert sein, dass Duplex bei „Buche einen Tisch bei einem Italiener in der Gegend“ nicht immer nur bei der Konkurrenz anruft.

Was zudem passieren könnte, ist der Umstand, dass Duplex im Grunde nicht über die Suchergebnis-Seite auf die Webseiten stößt, sondern diesen Schritt überspringen kann. Somit würden eine Reihe von SEO-Tricks und das „Knacken des Google-Algorithmus“ zumindest für das Ranking bei Duplex unwirksam werden. Was im besten Fall wieder mehr organische Suchergebnisse produziert, solange man in Googles Ökosystem mitspielt, oder stattdessen Anzeigen schaltet, denn diese Option wird früher oder später auch für diese Schnittstelle kommen, wie bei der normalen Suche momentan auch.

Mehr Daten und die ethische Frage

Was für Marketer ganz besonders interessant sein dürfte, wird wohl der Zugriff auf noch mehr und detailliertere Daten sein, um potenzielle Kunden zu werben. Die Personalisierung, die vor Jahrzehnten noch ganz einfach mit Browser-Cookies anfing, hat mittlerweile durch Nutzerkonten, Standortdaten und die Auswertung vom Surfverhalten ein Level erreicht, das durch Duplex noch gesteigert werden könnte. Mit den zusätzliche Daten werden sich vermutlich noch genauere Empfehlungen und Ergebnisse generieren lassen. Zudem ist vorstellbar, dass die angerufene Servicekraft am Ende des Anrufs Duplex nach Feedback fragt, zum Beispiel ob der Reservierungsvorgang unkompliziert war. Wenn sie den Duplex Anruf denn erkennt. Das wiederum gäbe dann die Möglichkeit zur weiteren Optimierung des Serviceangebots, ohne den Kunden direkt behelligen zu müssen.

Voice wird also für die Zukunft des Marketings von entscheidender Rolle sein – und es wird im Falle von Google Duplex sicherlich die Diskussion nach der Transparenz geführt werden. Sprich, ob sich die KI als solche ausweisen muss oder die Gegenseite niemals erfährt, ob sie jetzt mit einer natürlich klingenden Maschine gesprochen hat. Letztlich wird unser Verlangen nach noch mehr bequemen technischen Lösungen Duplex und ähnliche Services wohl zum Siegeszug verhelfen. Und somit neue Herausforderungen und Möglichkeiten für die Werbebranche schaffen.

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6 Kommentare
Torsten
Torsten

„Der Erfinder der modernen Informatik erstellte Mitte des 20. Jahrhunderts seinen berühmten Turing-Test, der sinngemäß besagt, dass eine KI den Test besteht, wenn ein Mensch ihre Antworten nicht von denen eines anderen Menschen unterscheiden kann.“

Und Duplex leidet/scheitert momentan genau an dem einzigen Punkt, der den Turingtest als Beleg immer angreifbar gemacht hat: dem chinesischen Zimmer.

Also: Alle Schlussfolgerungen und Vorhersagen nach diesem Satz – Marketingblabla. Sieht man übrigens auch bei Google so: „In the domain of making appointments, it passes the Turing test in that domain, which is an extraordinary breakthrough. It doesn’t pass it in the general terms, but it passes it in a limited domain and that’s really an indication of what’s coming.“ – Zitat John Hennessy auf der I/O 2018.

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Jake Pietras

Im Grunde hast du zwar meinen Punkt bestätigt, genau wie Google es auch getan hat, aber dennoch Danke für deinen Kommentar. „Marketingblabla“ machen wir bei t3n übrigens nicht und Anzeigen und Ähnliches werden immer entsprechend gekennzeichnet.

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Torsten
Torsten

Jake, die Grundaussage dass Duplex in naher Zukunft für (semantisches) SEO relevant sein wird ist eben falsch – für mich als „Techniker“ . Eben weil Duplex nur im Rahmen des chinesischen Zimmers funktioniert (was eben nicht semantisch „bewerten“ kann), was streng genommen ein Versagen bedeutet da ich bereits durch geringfügige Variationen des Tests ein (teilweise völlig) anderes Ergebnis bekomme.

Diese Technik steht derzeit, wie auch dynamische Filter, so am Anfang… Das wäre so, als ob ich sagen würde: „Macht Eure Webseiten AR & VR-ready!“ Wird in 8 – 9 Jahren bestimmt Standard sein, aber heute und in den nächsten vier Jahren wird man damit trotzdem keinen Blumentopf gewinnen.

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Jake Pietras

Die Aussage ist keineswegs falsch, eventuell hast du den Text und Duplex einfach nicht verstanden, denn es gut um die Anpassung der Seiten mit den Bordmitteln, die Google anbietet und in Zukunft anbieten wird. Das wird auch SEO oder wie auch immer das dann für Voice heißen wird , verändern.

Die Aussage, dass man heute da noch nichts mit erreicht, ist übrigens ein Mindset, dass ich selbst nicht im Ansatz vertrete, weil es ja heißt: Warum drum kümmern? Genau aus dem Grund haben wir auch so wenig innovative Tech-Größen in Deutschland, imho.

Danke trotzdem für deine Comments and let’s just agree to disagree.

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Torsten
Torsten

Stimmt, es mangelt mir bestimmt an Verständnis, da ich erst seit 12 Jahren meine Zeit auf Kosten meines Arbeitgebers dafür verschwende…

Es geht nicht darum, dass man sich nicht kümmern soll. Es hat einfach nur (noch) keine praktische Bedeutung – und wird sie auch nicht in Zukunft haben, da Duplex eben nur in einem eng abgesteckten Szenario funktioniert und abseits von diesem eben auch keinen Turingtest besteht.
Sonst würde auch jeder Ticketbot dies erfüllen. Hier war so gesehen der „Mensch“ der Bot, da es im Grunde wie bei einem schlechten Telefonstreich im Radio war: X ruft bei Y an, welcher Auskunft zu einem streng vorgegebenen Thema gibt. X überspannt vielleicht auch die Situation, Y reagiert aus CoC Vorgaben nicht (ausreichend), X löst die „Fooled ya…“ Situation auf.
Oder: Wenn ich bei ’nem Callcenter zur Terminvereinbarung anrufe, erwarte ich nicht dass mir dort auf einmal kontextferne Fragen gestellt werden. Überspitzt gesagt war Duplex einfach nur ein besseres Soundboard mit teildynamischem Filter.

Und wenn man sich heute schon auf die Technologie von morgen einstimmen möchte um die UX zu steigern: Wo sind hier die AR & VR Schnittstellen? Auf cloudmagazin.com und cnet.de finde ich auch keine… Die Pioniere dafür gibt es btw. auch bei uns die ihre Anwendungen erfolgreich (im Ausland) verkaufen, nur gilt der Prophet nichts im eigenen Land – so wird dann eher ein Schuh draus.

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Jake Pietras

Den ersten Teil habe ich nicht behauptet, aber da du es offenbar persönlich verstehst, denke ich dass eine weitere Diskussion nicht mehr sinnvoll ist.

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