Kolumne

Deine große Herausforderung als digitaler Nomade: Zeitmanagement

(Grafik: t3n)
Lesezeit: 4 Min.
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Es mag paradox klingen, doch so ist es: Als digitaler Nomade kannst du dich von normalen Arbeitszeiten und Routinen verabschieden (was ja der Sinn ist). Ja, nine-to-five ist nicht mehr. Dafür aber 24 Stunden am Start sein. Hardcore.

Normalität in Deutschland: aufstehen, fertig machen und spätestens um 9 Uhr am Schreibtisch sitzen, Mittagessen, Feierabend um 18 Uhr und nach Hause, TV, schlafen gehen. Routine.

Normalität bei digitalen Nomaden: Alles, irgendwie, irgendwann

Leute, macht euch bewusst, dass Zeitmanagement für digitale Nomaden ein kritischer Faktor ist. Nicht nur, was einzelne Jobs angeht, also Deadlines und so. Nein, sondern auch euer Leben. Mag blöd klingen, ist aber so. Und das vergessen viele. Am anderen Ende der Welt zu sein, ist schön. Heißt aber auch, in einer absolut anderen Zeitzone zu sein. Schon mal darüber nachgedacht?

Euer Tagesablauf wird dadurch extrem beeinflusst. Und das hat auch körperliche Auswirkungen, glaubt mir. Digital irgendwo auf der Welt zu sein, ist das eine …

Sind doch nur ein paar Stunden …

Stellt euch mal vor, ihr seid in Chiang Mai, dem Mekka der digitalen Nomaden. Je nach Jahreszeit habt ihr fünf oder sechs Stunden Zeitdifferenz zu Deutschland – nach hinten. Soll heißen, wenn es bei euch neun Uhr morgens ist, ist es in Deutschland drei Uhr in der Nacht. Arbeitet da jemand (außer Feuerwehr, Polizei und Krankenhäuser)? Nö. Wenn es in Chiang Mai neun Uhr morgens ist, ist es in New York 21 Uhr …

Mit Zeitmanagement meine ich hier nicht das eigentlich tägliche, sondern das Job-relevante. Am anderen Ende der Welt zu sein, heißt auch, wirklich weg zu sein und Abstriche zu machen.

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Ich hatte und habe diverse Kunden – aus Deutschland, Großbritannien und den USA. Das führt dazu, dass ich manchmal zu den unmöglichsten Zeiten verfügbar sein muss. Skype-Calls, Slack-Meetings oder Telefon: Wenn ein Termin angesetzt ist, muss ich da sein. Auch wenn es weh tut.

Gooood Morning Vietnaaaaaaam!

Neben der persönlichen Routine, die wichtig ist, kommt also noch die Kunden-Routine, die weltweit bedingt ist. Hier mal ein Beispiel:

08 Uhr: aufstehen. Mails checken und bearbeiten.
08:30-13 Uhr: Standards abarbeiten.
Pause
14: Uhr: Skype-Call mit Deutschland.
Bis 16 Uhr: arbeiten, schreiben, was auch immer
17 Uhr: Skype-Call mit Deutschland.
18 Uhr: Skype-Call mit England.
Abarbeiten
21-22 Uhr: Slack Meeting mit New York
Abarbeiten
1 Uhr: Feedback-Call aus U.K.
2:30 Uhr: Feedback aus Deutschland – sofort umsetzen!
5:45 Uhr: Feedback aus New York, Call wird angefordert
6 Uhr: Telefonat mit New York

Könnt ihr euch das ungefähr vorstellen? Nine-to-five ist nicht mehr. Ich muss arbeiten, wie es sein muss. Und das heißt auch, teilweise mitten in der Nacht aufzustehen. Das mag so mancher nicht als selbstbestimmtes, freies Arbeiten bezeichnen, aber so ist die Realität. Mein Biorhythmus ist voll im Arsch. Ich wache manchmal auf und habe keine Ahnung, wo ich bin und wie viel Uhr es ist. Absolut kein Gefühl für gar nichts mehr.

Bei einem meiner Kunden sind die meisten Jobs nur zu US-Zeiten verfügbar – also sitze ich morgens um sechs Uhr am Rechner für ein paar Stunden. Dann kurz etwas schlafen. Am Nachmittag dann England, okay … Dann Deutschland … Dann wieder US …

Und irgendwo dazwischen muss ich Zeit zum Schlafen finden, zum Einkaufen, zum Abschalten. Jeden Abend erstelle ich mir mittlerweile vor dem Schlafengehen einen Plan für den nächsten Tag – was, wann und wie. Und vor allem: Zeit für Ungeplantes einplanen. Ihr denkt, ihr habt alles im Griff, alle Termine sind fein. Sprich: Ihr habt einen Tagesplan. Tja, dann steht plötzlich euer Landlord in der Tür und fordert euch auf, gemeinsam mit ihm zur Immigration zu fahren – ein neues Meldegesetz. Also schnappt ihr euch euren Pass und verbringt ein paar Stunden in einer Behörde, um irgendein Formular auszufüllen. Gegen Nachmittag sitzt ihr dann wieder am Rechner. Zackbumm: Stromausfall … Nix Rechner aufladen, nix Internet. Und das weit und breit, nicht nur bei euch, sondern in der ganzen Stadt oder auf der Insel. Wie war nochmal der Tagesplan?

Leute, digitaler Nomade zu sein, bedeutet, viele Freiheiten zu haben. Aber damit verbunden sind auch anstrengende Dinge. Die sieht man nicht, wenn man Leute in Hängematten liegen sieht. Das ist Arbeit. Teilweise, nee, eigentlich überhaupt, anstrengender als ein Nine-to-five-Job in Deutschland.

Das gilt natürlich nicht für alle Jobs. Ich hatte auch Monate ohne Calls oder Meetings, nur Deadlines. Alles gut. Das waren zum Beispiel Buchübersetzungen. Und bei Stromausfall bin ich dann in die Lobby eines großen Hotels gegangen, das Generatoren hatte. Ging und geht. Aber manchmal nervt es einfach nur, wenn man schon wieder umdisponieren muss. Und es ist auch nicht prickelnd, 24 Stunden in einem komplett dunklen Zimmer oder Haus zu sein. Wenn es um 18 Uhr dunkel wird, man keinen Strom hat – gute Nacht. Seid ihr zu zweit unterwegs: schön. Kerze anmachen und unterhalten oder was auch immer machen. Seid ihr aber alleine unterwegs: naja …

Digital in einer großen Welt zu leben, ist nicht nur Spaß und Vergnügen. Es ist auch hart. Manchmal wegen nur kleinen Dingen wie Zeitverschiebung oder Strom … Stichwort: Flexibilität und Zeitmanagement.

Manche Kunden verstehen das und sind nicht böse, wenn Projekte deshalb später eintrudeln oder man zu bestimmten Uhrzeiten nicht zur Verfügung steht. Sie finden es sogar aufregend: „Huiii, spannend, du machst ja was mit!“ Andere zucken nicht mal mit der Schulter und beauftragen den nächsten digitalen Nomaden.

Cheers, Rob

Du hast Lust, mehr über das Leben als digitaler Nomade zu erfahren? Kein Problem, bei Rob’n’Roll around the World liest du mehr!

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