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So hilft E-Health unserem Gesundheitssystem auf die Sprünge

(Foto: Shutterstock)

Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig – vor allem in unserem Gesundheitssystem. E-Health-Unternehmen haben das Problem erkannt und suchen nach ganz eigenen Lösungen.

Es ist kurz nach halb sechs Uhr morgens, wenn sich Hanna, deren echter Name uns bekannt ist, auf den Weg zum Frühdienst macht. Sie läuft zu Fuß. Ein Bus fährt um diese Uhrzeit noch nicht. Doch das stört sie nicht, sagt sie. Sie genießt die gute halbe Stunde an der frischen Luft sogar, denn so hat sie Zeit, ihre Gedanken noch einmal in Ruhe zu ordnen, bevor es dann auf Station so richtig los geht.

Arbeiten am Limit

Hanna ist Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Nach ihrem Abitur absolvierte sie die dreijährige Ausbildung an einem mitteldeutschen Universitätsklinikum und kümmert sich seitdem um die kleinen Patienten – inzwischen sogar auf der Kinder-Intensivstation. Schwer kranke Kinder und Frühgeborene sieht sie hier jeden Tag. Da liegen Freud und Leid oft nah beieinander. „Auf Station sind wir natürlich in erster Linie für die medizinische Versorgung unserer Patienten zuständig“, erzählt die 27-Jährige. „Doch wenn es um die eigene Gesundheit oder die des Kindes geht, ist die Verunsicherung häufig groß und es kommen viele Fragen auf. Im Gespräch mit dem Arzt bleibt dafür leider selten genug Zeit. Und so sind wir häufig Krankenschwester, Dolmetscher und Therapeut in einem.“ Doch auch Hanna und ihre Kollegen können sich an den meisten Tagen nicht in dem Maße um die Probleme und Ängste ihrer Patienten kümmern, wie sie es gerne würden.

Das Problem: Der Fachkräftemangel ist auch in ihrem Universitätsklinikum jeden Tag zu spüren. Allein auf der Station, auf der Hanna arbeitet, sind mehr als zehn Stellen unbesetzt – und das nicht erst seit gestern, sondern bereits seit mehreren Jahren. Die Aussage Spahns, dass schon viel gewonnen sei, wenn von einer Million Pflegekräfte nur 100.000 ein paar Stunden mehr arbeiten würden, traf unter Hanna und ihren Kollegen auf völliges Unverständnis. „Wegen der vielen fehlenden Kräfte gehört es für uns zur Normalität, Überstunden zu machen, auch im Urlaub einzuspringen oder im Dienst keine Pause zu machen“, stellt sie klar. „Wir arbeiten jeden Tag am Limit.“ Und es wird noch schlimmer: Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln wird der Bedarf an ambulanten und stationären Pflegekräften bis 2035 auf knapp 500.000 ansteigen. Schätzungen zufolge wird jedoch nur ein gutes Drittel davon auch wirklich besetzt sein, woraus sich eine Versorgungslücke von etwa 300.000 Stellen ergibt – schlechte Aussichten für die Babyboomer, die ihrer Rente und einer etwaigen Pflegebedürftigkeit entsprechend besorgt entgegenblicken dürften.

Dem Fachkräftemangel digital begegnen

Diese Diskrepanz haben inzwischen auch viele Unternehmen und Startups erkannt und sich deshalb auf das Entwickeln verschiedener E-Health-Lösungen spezialisiert, deren Ziel es ist, Patienten eine zusätzliche medizinische Unterstützung zu bieten. Eines davon ist Interactive Studios. 2014 brachte es die Patient-Journey-App auf den Markt, die inzwischen in 20 Ländern verfügbar ist. „Wir haben in der Praxis selbst miterlebt, dass viele Patienten vor ihrem Eingriff oder ihrer Behandlung nicht ausreichend informiert sind. Als Hauptgrund dafür wird oft die unübersichtliche Informationsflut genannt“, erklärt Jennifer Grube, die als Product-Lead DACH bei dem niederländischen Unternehmen tätig ist.

(Grafik: t3n)

Das Befragen von Google ist auch bei medizinischen Fragestellungen längst gang und gäbe. Laut dem Statistischen Bundesamt suchen über zwei Drittel der deutschen Bevölkerung ab zehn Jahren zunächst im Internet nach Antworten auf ihre Beschwerden, bevor sie sich in ärztliche Betreuung begeben. Eine Untersuchung des Zentrums für Allgemeinmedizin und Geriatrie der Uni Mainz ergab aber auch, dass bei rund 45 Prozent der Befragten eine zusätzliche Verwirrung durch die Netzrecherche entstand. 65 Prozent der Deutschen gaben im Rahmen einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung außerdem an, dass es bei medizinischen Fragen schwer ist, vertrauenswürdige Quellen im Internet zu erkennen.

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Ein Kommentar
Titus von Unhold
Titus von Unhold

„Die Aussage Spahns, dass schon viel gewonnen sei, wenn von einer Million Pflegekräfte nur 100.000 ein paar Stunden mehr arbeiten würden, traf unter Hanna und ihren Kollegen auf völliges Unverständnis.“

Vielleicht sollte man Hanna und ihre Kolleginnen fragen warum ein Drittel aller Pflegekräfte die seit dem Jahr 2000 das Examen abgelegt haben in andere Branchen oder das Ausland abgewandert sind und über 40 Prozent der derzeit beschäftigten Pflegekräfte in Teilzeit arbeiten. Letztere hat Spahn nämlich gemeint.

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