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Digitale Gesellschaft

„Der Hobbit“: 48-fps-Kino auf 150 deutschen Leinwänden

Peter Jacksons „Der Hobbit“ wird nicht nur inhaltlich ein spannender Film, sondern auch technisch. Es ist der erste Film, der mit der doppelten Framerate (48 statt der üblichen 24 fps) vorgeführt wird. Was für Manche nach einer Banalität klingen mag, soll deutliche Auswirkungen auf das Seh-Erlebnis haben. In der neuen HFR-Version (Higher Frame Rate) wird der Film auch in Deutschland auf rund 150 Leinwänden zu sehen sein.

Von Moritz Stückler
4 Min.
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Der Hobbit startet in Deutschland bereits am 13. Dezember - auf 150 Leinwänden auch in HFR.

24 Bilder pro Sekunde: Veralteter Standard?

Egal ob 3D, Kuppel-Leinwand, HD- oder 4K-Auflösung – alle technischen Neuerungen der letzten Jahre im Kinobereich hatten eines gemeinsam: 24 Bilder pro Sekunde. Das ist die gängige Anzahl an Einzelbildern pro Sekunde für einen normalen Kinofilm. Diese Übereinkunft wurde in den 20er Jahren getroffen, und damals war die Festlegung der Framerate vor allem eine Kostenfrage. Denn 35-mm-Film (das gängige Kino-Medium damals) war sehr teuer. Bei 24 Bildern pro Sekunde erschienen Filme außerdem sehr flüssig im Gegensatz zum vorherigen Standard von etwa 18 fps beim Stummfilm.

Der Hobbit startet in Deutschland bereits am 13. Dezember – auf 150 Leinwänden auch in HFR.

Der Hobbit als Vorreiter in 4K, 3D und 48 fps aufgezeichnet

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Ab dem 13. Dezember läuft der erste Teil „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ in Deutschland an. Peter Jackson will den Standard nun mit seiner neuen „Der Hobbit“-Trilogie erneut ablösen. Alle drei Filme aus dem „Herr der Ringe“-Universum wurden deswegen nicht nur in 4K-Auflösung und stereoskopisch (mit zwei Kameras für die Dreidimensionalität) aufgezeichnet, sondern außerdem mit der doppelten Anzahl an Bildern pro Sekunde, nämlich 48 frames per second. Für die Aufzeichnung verwendete Peter Jackson 48 Red-Epic-Kameras. Da zwei Kameras für eine 3D-Aufnahme benötigt werden, hatte das Team also 24 verschiedene Kamera-Rigs im Einsatz. Bei einem Stückpreis von rund 40 000 Dollar ohne jegliches Zubehör kosteten alleine die Kamera-Bodys knapp 2 Millionen Dollar.

Sind mehr Bilder überhaupt sinnvoll?

Obwohl man im Biologie-Unterricht beigebracht bekommt, dass das menschliche Auge nur etwa 20 Bilder pro Sekunde wahrnehmen kann, heißt das nicht, dass eine Erhöhung der Framerate keinen sichtbaren Unterschied mehr bringt. Ganz im Gegenteil, ein menschliches Auge funktioniert nicht wie ein Computer und nimmt keine regelmäßige Abtastung vor. Tatsächlich sind somit bis zu 55 Bilder pro Sekunde wahrnehmbar.

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Bewegungen wesentlich schärfer und besseres 3D

Der Unterschied wird hauptsächlich bei bewegten Bildern sichtbar. Der Effekt der Bewegungsunschärfe (Motion Blur) und der Rolling-Shutter-Effekt werden dadurch deutlich minimiert. Die Bewegungen wirken dadurch wesentlich schärfer und es lassen sich mehr Details beobachten. Der Filmemacher kann also auch gezielt schnellere Kamerabewegungen einbauen, während der Zuschauer trotzdem alle Details aufnehmen kann. Diese zusätzliche Schärfe bei Bewegungen soll außerdem dafür sorgen, dass der 3D-Effekt qualitativ besser wird. Während der Zuschauer bisher oft den Fokus bei schnellen 3D-Szenen verlor, soll das Bild bei 48 fps weiterhin erkennbar und stereoskopisch korrekt dargestellt werden.

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Erstes Feedback war negativ: 24 fps sind Gewohnheit

Erste Testvorführungen des neuen Materials von Peter Jackson fanden bereits im April auf der CinemaCon in Amsterdam statt. Das Feedback vor Ort fiel allerdings großteils negativ aus. Das mag daran liegen, dass wir uns bei Filmen sehr stark an den 24-fps-Look gewöhnt haben. Der neue Look mit 48 fps erscheint oft nicht nur ungewohnt, sondern gar „billig“ und „amateurhaft“, bedingt dadurch, dass sich höhere Framerates im Amateurfilmer-Bereich schon lange durchgesetzt haben. Andererseits war das Publikum bei den Test-Vorführungen auch aus der Kino-Branche und deswegen womöglich sehr versteift auf den altbekannten Film-Look. Vom Ottonormalverbraucher erhofft sich die Filmindustrie wohl mehr Flexibilität und Offenheit gegenüber der neuen Technik.

Es ist allerdings auch noch fraglich, wie stark Peter Jackson das neue Stilmittel im Film einsetzen wird. In der Post-Produktion könnte die Framerate natürlich künstlich reduziert werden, um den HFR-Effekt nur selektiv auf einzelne Szenen anwenden zu können.

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Es ist unklar, ob Peter Jackson während des gesamten Films Gebrauch vom 48-fps-Look macht, oder ob er HFR nur selektiv als Stilmittel einsetzt.

150 Kinos in Deutschland

In Deutschland soll der Hobbit auf 150 Leinwänden in HFR 3D gezeigt werden. Nach anfänglicher Skepsis, ob HFR in Deutschland überhaupt angenommen wird, handelt es sich dabei schon um eine relativ stolze Zahl, so dass sich zumindest Zuschauer in den deutschen Großstädten persönlich ein Bild von HFR machen können werden. Nahezu alle großen Kinoketten haben inzwischen Listen veröffentlicht, welche ihrer Säle den Film in HFR zeigen werden. Eine Übersicht über alle deutschen Kinos, die den Film in HFR zeigen werden gibt es bei den Kollegen von digitaleleinwand.de.

Regisseur Peter Jackson bei der Arbeit am Filmset des Hobbit.

Extreme Bitrate: HFR nur in 2K-Auflösung

Weiterhin Interessant für den technisch ambitionierten Kinogänger ist die Tatsache, dass die HFR-Version des Filmes eine geringere Auflösung aufweisen wird als die „normale“ 2D-Version. Das ist bedingt durch die enorm hohe Bitrate.

Ein normaler 2D-Kinofilm mit 24 fps in 4K-Auflösung hat in etwa eine maximale Bitrate von 250 Mbit/s. Um den Film dreidimensional erscheinen zu lassen, braucht es eine zweite Videospur, damit liegt die Bitrate bereits bei etwa 500 Mbit/s. Soll nun die Framerate auch noch verdoppelt werden, läge man theoretisch bei einem Datenvolumen von bis zu 1 GBit/s. Damit können aktuelle Kinoprojektoren bzw. deren Zuspieltechnik nicht umgehen. Entsprechend muss die Auflösung auf 2K halbiert werden. Somit benötigt ein HFR-Film gut und gerne einmal 500 GByte an Speicherplatz. Der optische Unterschied auf der Leinwand zwischen 2K- und 4K-Auflösung soll aber angeblich nicht wirklich ins Gewicht fallen.

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Wir bedanken uns für wertvolle Informationen bei Benjamin Dauhrer, Technikleiter in Deutschlands größtem Kino, dem Cinecitta in Nürnberg.

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Kommentare (17)

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Alex R

Das doppelte von 500Mbit/s sind aber nicht 1GByte/s sondern 1Gbit/s also ca 125MByte/s…

David Maciejewski

Sehr schöner Artikel, vielen Dank. Das schafft Klarheit! Bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie die Auflösung ankommt. Schade allerdings, dass dann nur 2K gezeigt wird. Vielleicht schaue ich mir dann mal beide Versionen an, um Vergleiche ziehen zu können.

derdurden

Was hier leider nicht berichtet wird ist, dass der Eintrittspreis wohl um 2 Euro steigen wird. Somit wären, wir inkl. 3D Aufschlag bei € 14,–

Ich brauche diese Technik nicht unbedingt. Vor allem ärgert es, dass sich die Industrie jedes Jahr neue Technologie vergolden lassen möchte.

Ein Kinoabend zu zweit, mit Getränken und Essen schlägt mittlerweile mal locker mit € 40,- zu Buche. Ich wundere mich, dass sich die Betreiber wiederum wundern, dass der Betrieb eines Kinos nicht mehr ein Selbstläufer wie früher ist…

Ralf

Die Preise steigen deswegen nicht. das hat Marktführer Cinestar und auch UCI bestätigt. Der Hobbit ist wegen 3D und Überlänge teurer,

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