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Ratgeber

Macht ein Hochschulstudium fit für die digitale Wirtschaft?

(Bild: Shutterstock)

Für die Digitalwirtschaft ist das Hochschulstudium nicht gemacht. Oft geht es sogar ohne. Dennoch sollten angehende Vielleicht-Akademiker differenziert abwägen, wie sie ihre Digitalkarriere starten.

Dies ist beileibe kein Plädoyer, in der Internetwirtschaft nicht zu studieren. Dies ist vielmehr eines, Start-Chancen mit Hilfe eines Hochschulstudiums genau abzuwägen. Die Garantie, eine digitalwirtschaftliche Karriere ohne akademischen Grad hinzulegen und zu einem der öffentlichkeitswirksamen und erfolgreichen Online-Entrepreneure zu werden, gibt es nicht. Nur fünf Prozent des Humankapitals der westlichen Welt verfügen über den entscheidenden, überdurchschnittlichen Bildungshunger, um ein angeleitetes Hochschulstudium sinnvoll gegen eine autodidaktische Gesellenreise einzutauschen. Gute Voraussetzungen für Unis und Co. – eigentlich.

Doch nicht alle Lehrpläne akademischer Bildungsanstalten halten Schritt mit dem sportlichen Tempo, in dem sich die Internetwirtschaft entwickelt. Viele Hochschulen hinken dem „heißen Scheiß“ und der Branchen-Professionalisierung hinterher. Dennoch haben viele dekorierte Digital-Entscheider an einer Hochschule Wissen, Fertigkeiten und einen handfesten Abschluss erworben. Selbst die, die sich stets die angesagtesten Tools oder Programmiersprachen außeruniversitär aneignen, haben vorab studiert – auffällig häufig BWL, Informatik, Mathematik oder „irgendwas mit Daten“. Soll heißen: Oft hat ein Studium den Erfolg eines Talents maßgeblich mitgeformt und damit eine Umweg-Rentabilität erzielt.

War for Talents

Können sich Studiengänge, die betriebswirtschaftliche und informationstechnologische Skills vermitteln, daher gerüstet für die Zukunft fühlen? Jedenfalls fungiert der verbriefte Abschluss als Rückversicherer für Personalchefs – unter dem Motto: „Der Kandidat hat strukturiert und hartnäckig sein Ziel verfolgt, soziale sowie multinationale Kompetenzen erworben und sich mit komplexen Themen auseinandergesetzt.“ In der Folge fällt das Einstellungsrisiko bei einem Akademiker gering aus. Zumindest, wenn das Unternehmen es sich leisten kann, eben nicht den oft kostengünstigeren Quereinsteiger zu engagieren. Selbst in der Internetwirtschaft sind hiesige Konzerne risikoavers. Damit gerät der akademische Abschluss im „War for Talents“ zum Hygienefaktor. Immerhin offenbart sich der wahre Wert eines Studiums in den nachhaltigen Einsatzmöglichkeiten von Absolventen: Systematisches Denken, ein Bildungshintergrund, der über einzelne Skills weit hinausgeht, versetzt Akademiker in die Lage, langfristig mit einem Unternehmen mitzuwachsen und nicht nur punktuelle Probleme zu lösen.

Indes ist Studium nicht gleich Studium und die Bandbreite an Angeboten groß. Aktuell können Studierende Strukturwissen und methodische Fähigkeiten in Gestalt von kuratierten Bildungspaketen erwerben – mit Bachelor- und Master-Abschlüssen. Beispielsweise an einer Universität oder Fachhochschule, heute auch „University of Applied Science“ genannt. Zudem haben Nachwuchsakademiker die Wahl zwischen zahlreichen Fachrichtungen und Anbietern. Zur Weiterbildung in Nischen innerhalb eines überschaubaren Zeithorizonts können angehende Experten aber auch an fokussierten Programmen teilnehmen, die sogenannte Nano-Degrees anstreben. Akademien und Code-Einrichtungen wie Udacity oder Coursera bieten entsprechende Kurse unter anderem in den Bereichen Data-Science, Self-Driving-Car-Engineering oder Mobile-App-Programmierung an.

Eine Frage der Qualität

Aber selbst ein Vollzeitstudium ist nicht darauf ausgerichtet, den Problemlöser der Internetwirtschaft zu geben. Zudem mag die Qualität unterschiedlich ausfallen. Angehende Studierende tun bei der Studien- und Hochschulwahl sowie Personalchefs bei der Absolventenrekrutierung gut daran, sich mit der Job-Fitness, aber auch mit dem Systemwissen bisheriger Absolventen auseinanderzusetzen. Erklärtes Ziel: Chancen und Risiken für sich selbst besser abzuschätzen.

Die entscheidende Frage, die sich der Arbeitsmarkt stellen muss, lautet: Will ich mir philosophische „Internet“-Köpfe – Persönlichkeiten mit digitalem Mindset und strukturiertem Überbau – ins Haus holen? Oder digitale Brotgelehrte? Bei der Entscheidung für oder gegen ein Hochschulbiotop als Recruiting-Plattform spielen Lehrpläne, Dozenten, Studiendauer und Praktika, aber auch Kooperationen mit der digitalen Wirtschaft und mit ausländischen Universitäten eine wichtige Rolle.

Je stärker die Digitalwirtschaft sich professionalisiert, desto differenzierter müssen Studienangebote ausfallen. Hochschulen stehen längst im Wettbewerb, arbeiten an Zertifizierungen und Akkreditierungen. Hochschulen, die klug und kreativ sind, holen sich den Schulterschluss mit der Praxis in die Hörsäle. So kann der akademische Nachwuchs beide Systeme für sich nutzen.

Aus solchen Erfahrungen rührt auch mein Appell an die Internetwirtschaft: Intensiviert die Beziehungen zu angehenden Talenten langfristig – schon bevor die Studierenden ihren Abschluss in Händen halten. Nutzt dafür die Energie, mit der ihr vorher versucht habt, schnelle Rentabilität über Employer-Branding-Kampagnen auf Facebook zu erzeugen. Und haltet Vorträge mit Praxis-Insights, stellt Lehrbeauftragte, die sich mit Trendthemen aus der Wirtschaft beschäftigen, avanciert zum Stifter und seid vor allem auf sämtlichen Hierarchiestufen direkte Ansprechpartner eurer angehenden High Potentials und deren Dozenten – damit Studierende frühzeitig reflektieren, welchem Fach und Anbieter sie neben Neigung ihren „Trust in Digital“ schenken.

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Eine Reaktion
Dankho

Es ist auf jeden Fall nicht schlecht, im Studium einige Basics über das digitale Leben mitzunehmen. Denn der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt und es entstehen Jobs, die vor 10 Jahren noch völlig unbekannt waren. In meiner Heimtstadt München merkt das sehr deutlich auch im Mittelstand (vgl. https://www.yourfirm.de/jobs/muenchen/ ), wo Startups nach erfolgreichen Jahre sich fest im Markt etabliert haben.

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