Analyse

Der holprige Weg der Otto Group zur Dominanz

Die Otto-Gruppe wächst in diesem Jahr nur um 3,5 Prozent, arbeitet aber weiter hart am Ausbau der eigenen Position. (Foto: Otto Group)

Otto wächst in diesem Jahr geringer und verliert Ertrag, will aber hart daran arbeiten, in einigen Marktsegmenten Dominanz zu erreichen.

Ausgerechnet in dem Jahr, in dem Amazon erstmals seine Marktmacht mit harten Zahlen belegt, kann die Otto Group ihre Position nur noch eingeschränkt darstellen. Denn die Erfolgsgeschichte About You wird durch den Einstieg eines strategischen Investors als Beteiligung geführt und ist nicht mehr im Außenumsatz des Konzerns zu finden. Während die Hoffnungsträger wie beispielsweise die Einzelgesellschaft Otto noch über acht Prozent Wachstum vorweisen können, kommt die gesamte Unternehmensgruppe mit 13,5 Milliarden Euro Umsatz nur noch auf ein Umsatzwachstum von 3,5 Prozent und sinkenden Gewinn mit einem Ergebnis von nur noch 222 Millionen Euro. Ohne den Verkauf eines Startup-Investments-Fonds wäre der Gewinn noch deutlich geringer ausgefallen, wie das Handelsblatt berichtet. Dieser Umsatz verfehlt zwar das selbst vorgegebene Ziel von vier bis fünf Prozent Wachstum im Jahr, trotzdem sieht Vorstandsvorsitzender Alexander Birken Otto aber im Gesamten noch auf Kurs. Und dieser Kurs zielt auf Dominanz, wie es zwischen den Zeilen herausklingt.

Otto: Konzern unter Plan, Einzelgesellschaften wachsen anständig

Während die in der Modebranche immer wieder gerne vorgeschobenen witterungsbedingten Umsatzeinbußen zwar tatsächlich Einfluss auf die Umsätze eines fashion-lastigen Konzerns wie Otto haben dürften, ist diese vorgebrachte Erklärung der Otto Group nicht die einzige für die Umsatzeinbußen. Neben der About-You-Ausgliederung und der Aufgabe wesentlicher Teile des Handelsgeschäfts im mittlerweile nahezu unkontrollierbaren Markt in Russland waren Investitionen in die Transformation des Konzerns laut Finanzvorständin Petra Scharner-Wolff für Umsatz- und Ergebniseinbußen verantwortlich. Beispielsweise IT-Investments wie die SAP-Umstellung bei Bonprix oder die anlaufende Neuentwicklung einer E-Commerce-Plattform für Witt, die immer noch stark katalogabhängig sind, auf der neuen About-You-Cloud-Plattform.

Die Entwicklung der Einzelgesellschaft Otto mit einem Plus von 8,3 Prozent und einem Zugewinn von zwei Millionen Neukunden auf sieben Millionen Kunden zeigt, dass zumindest die wichtigste Marke, die für 25 Prozent des Konzernumsatzes verantwortlich ist, anständig wächst. Auch Mytoys wuchs um acht Prozent. Bonprix soll quasi „mit angezogener Handbremse gefahren“ sein, weil die IT-Umstellung auf SAP dazu geführt hätte, dass das Marketingbudget zurückgefahren wurde und so nur 3,4 Prozent Wachstum erreicht worden. Die digital noch nicht wirklich präsente Witt-Gruppe wuchs nur um 0,4 Prozent, die Katalogkundschaft scheint extrem wetterabhängig zu sein. Zumindest fehlt Otto hier durch die analoge Prägung die Möglichkeit, digital in der Vermarktung groß gegenzusteuern.

Otto Group setzt Kurs auf Dominanz

Interessant wurde es zwischen den Zeilen, als Birken erklärte, wie Otto den Begriff Plattform interpretiert: Eine Plattform hat ein Unternehmen nur dann, wenn es Dominanz in einem Sektor erreichen kann. Da Otto selbst eine Plattformstrategie für die Gruppe und für einzelne Konzerngesellschaften fährt, kann diese Erklärung als Ansage aufgefasst werden: Otto will in einigen Sektoren Dominanz erreichen, aufdrängen dürften sich besonders die Stärken des Konzerns, die Segmente Kleidung und Home & Living. Hier scheint die Konzernführung das Rennen noch lange nicht entschieden zu sehen.

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