Porträt

Horizn Studios: Die rasante Erfolgsgeschichte eines Nerd-Koffers

Horizn Studios vertreibt seine smarten Koffer auch stationär. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Mehr als 10.000 verkaufte Exemplare in einem Jahr und Horizn kommt mit der Produktion nicht mehr nach. Der ausführliche Test eines begehrten High-Tech-Koffers und das Portrait eines überzeugenden Startups.

Leise quietschend rollt der Koffer durch den engen Flugzeuggang. Schwitzend zieht der Mann den Koffer hinter sich her. Es rumpelt, das Mistding bleibt kurz an einer Unebenheit hängen. Dann, endlich: Die heiß ersehnte Sitzreihe. Mist. Das Notebook muss noch raus, außerdem das Handy. Wo war das gleich wieder? Es setzt ein hektisches Herumwühlen und Kramen ein, dabei bildet sich eine Schlange hinter dem Mann. Da sind die Geräte! Schnell noch den Koffer ins Gepäckfach wuchten, geschafft. Schwer aufatmend lässt sich der geplagte Geschäftsreisende endlich in den Sitz fallen.

So muss sich die Geburtsstunde des Startups Horizn Studios und deren speziellen High-Tech-Koffer für den Nerd und Geek unter den Vielreisenden angefühlt haben. Mittlerweile blickt es auf mehr als 10.000 verkaufte Artikel im letzten Jahr zurück und wächst rasant. Die Erfolgsgeschichte eines Koffers.

Von der Idee zum Koffer

Der Erfolgskoffer von Horizn, hier im Flagshipstore Berlin. (Foto: Jochen G. Fuchs)

Stefan Holwe, Gründer von Horizn Studios, war sein Leben lang Vielreisender. Unter anderem auch als Mitarbeiter des Venture-Kapitalgebers Project A Ventures. Der geschärfte Blick für Gelegenheiten lässt sich auch im Alltag nicht abschalten, so auch bei Holwe. Beim ständigen umherschleifen des Gepäcks begann sich Holwe irgendwann zu fragen, ob das nicht besser geht. Und moderner.

„Die nennenswerteste Innovation der Kofferbranche aus den vergangenen 30 Jahren war die Entwicklung von zwei zu vier Rollen“

Irgendwie erschien Holwe die gesamte Kofferbranche nicht sehr innovationsfreudig, so erzählt er im Gespräch mit t3n im Horizn-Store in Berlin. Die ganze Branche sei noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen.

Horizn-Studios-Mitgründer Stefan Holwe im Flagshipstore in Berlin. (Foto: Horizn Studios)

„Die nennenswerteste Innovation der Kofferbranche aus den vergangenen 30 Jahren war die Entwicklung von zwei zu vier Rollen“, sagt Holwe. Dazu sei auch die Marken-Kommunikation bei großen Traditionsmarken wie Rimowa oder Tumi wenig innovativ, sondern eher traditionell. Und weit entfernt von der modernen Marken-Kommunikation wie sie beispielsweise bei emotionsaufgeladenen Sportherstellern zu finden ist. „Es fehlt ein Nike oder Under Armour im Travel-Bereich – diese Lücke schließen wir.“

Bei näherer Betrachtung zeigte sich Holwe dann auch, dass rund 90 Prozent der Umsätze der großen Koffer-Riesen über den Großhandel entstehen. Geradezu eine Steilvorlage für einen strategisch denkenden Mitarbeiter eines Kapitalgebers, der sich auf innovative, digitale Geschäftsmodelle spezialisiert hat. Die Idee des Startups mit dem Nerd-Koffer war geboren.

Gemeinsam mit Jan Roosen, dem zweiten Gründer, gründete Holwe im Mai 2015 dann Horizn Studios. Nach einer ersten Seed-Finanzierung von insgesamt rund drei Millionen Euro, unter anderem von Geldgebern wie Vorwerk Ventures, E-Puma-Chef Franz Koch, Design-Hotels-Gründer Claus Sendlinger und Holwes Ex-Arbeitgeber Project A Ventures, ist Horizn nach eigenen Angaben mittlerweile mit insgesamt knapp 10 Millionen Euro Investitions-Kapital ausgestattet. Der Umsatz des Startups wächst rasant – mit über 30 Prozent monatlich habe das junge Unternehmen über 10.000 Koffer in den ersten Monaten verkauft, im Jahr 2017 erwartet Holwe deutlich über 10 Millionen Umsatz.

Schuld an dem Erfolg ist das entscheidende Produkt von Horizn Studios: Ein modernern Design-Hartschalenkoffer, speziell ausgerichtet auf die Bedürfnisse anspruchsvoller Kreativ-Arbeiter. Im Gespräch mit Onlinemarketingrockstars erzählt Holwe, dass der Koffer schon Monate vor der offiziellen Verfügbarkeit gekauft wurde wie verrückt.

Ein Grund für t3n den Wunderkoffer etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

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