Analyse

Wieso Karstadt den Onlinemarktplatz Hood.de kauft

Karstadt kauft Hood.de. Die Hintergründe. (Screenshot: Hood.de)

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Karstadt baut weiter an seiner neuen Marktplatz-Strategie und übernimmt überraschend den absoluten Underdog Hood.de. Details zum Kauf und den Hintergründen.

Karstadt und die Muttergesellschaft Signa Retail haben die Mehrheit am Onlinemarktplatz Hood.de übernommen. Die Übernahme ist Teil der neuen Marktplatz-Strategie von Karstadt. Hood wird ein Teil der neu gegründeten Karstadt Marktplatz GmbH. Die Übernahme kommt ziemlich überraschend, der Marktplatz gilt eher als Underdog.

„Karstadt Marktplatz“ übernimmt Hood.de

Die Muttergesellschaft Signa Retail und Karstadt Warenhaus haben zur Umsetzung der neuen Karstadt-Marktplatzstrategie eine eigene  Gesellschaft gegründet, die Karstadt Warenhaus GmbH. Karstadt-Mutter Signa Retail will laut Pressemeldung „sämtliche Einzelhandelsbeteiligungen zu Omni- und Cross-Channel-fähigen Marktplätzen auszubauen.“

Hood-Gründer Ryan Hood leitet weiterhin Hood.de, das laut Signa auch eigenständig weitergeführt werden soll, und hält 30 Prozent der Anteile an Hood.de.

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Wer oder was ist Hood.de

Der Onlinemarktplatz Hood.de wurde von Karstadt übernommen. (Screenshot: Hood.de)

Hood.de ist ein kleiner deutsche Marktplatz, der in der E-Commerce-Welt seit dem Jahr 2000 ziemlich unauffällig seine Existenz fristet. Rund eine Million Visits pro Monat macht Hood.de laut dem Analyse-Anbieter Similar Web, der Marktplatz Rakuten liegt bei 3,8 Millionen Visits, Ebay bei rund 235 Millionen. Wenn Signa bei der Übernahme von Hood.de von einem „stark wachsenden Marktplatz“ spricht, lässt das Unternehmen den Leser im unklaren darüber, wo das Wachstum stattfindet.

Laut eigenen Angaben habe Hood aktuell fünf Millionen Angebote, 20.000 Kategorien, sieben Millionen Kunden und 5.000 Händler. Noch 2015 berichtete beispielsweise Wortfilter von 8.000 gewerblichen Händlern, ebenfalls fünf Millionen Angeboten und 39 Millionen Handelsumsatz (GMV) auf der Plattform. Etailment schreibt 2014 unter Bezug auf eine Statista-Studie, dass Hood.de 2013 einen Handelsumsatz von 41 Millionen aufweisen würde. Das spräche eher für Stagnation, als für ein starkes Wachstum – zumindest beim Handelsvolumen. Für Stagnation spricht auch eher, dass der Jahresüberschuss des Unternehmens seit 2010 von damals rund 381.000 2011 auf rund 219.000 und heute rund 218.000 Euro gesunken ist.

Händlerstimmen zu Hood eher verhalten bis negativ

In verschiedenen Facebook-Gruppen, in denen sich tausende Onlinehändler austauschen, ist die Bandbreite der Reaktion zu Hood.de eher verhalten.

Händler über Hood.de

Die Kommentare reichen von „Die Mühe nicht wert“ über „drei Verkäufe in 2016“ bis hin zu „60 Prozent Nichtzahler, kaum Verkäufe.“

Wenige Händler melden sich mit positiven Stimmen zu Wort: „Es läuft nicht viel, aber jede Woche Umsätze dabei, bisher nur positiv.“ Die Unterstützung von Hood.de wird gelegentlich positiv hervorgehoben, das Unternehmen scheint eine gute Händlerbetreuung zu machen. Einige Male wird auf gut laufende Nischen hingewiesen.

Die zitierten Aussagen sind nicht statistisch repräsentativ, sondern stellen Einzelmeinungen dar, bilden jedoch einen guten Überblick über die Gesamtheit der von uns recherchierten Meinungsäußerungen.

Leuchtturm-Händler

Marktplatz-Experte Mark Steier hebt in seinem Artikel über die Übernahme von Hood.de einen Vorzeige-Händler hervor: „Julian Peters von PEWA-Solutions ist zweitgrößter Fischertechnik-Händler nach Amazon und er schaffte einen Umsatz von fast einer halben Mio.€ im Weihnachtsgeschäft 2016“, so Steier. Der Spielzeug-Händler hätte damit rund ein achtzigstel des Vorjahres-Handelsvolumens (GMV) des Marktplatzes generiert.

Ein weiteres, willkürlich ausgewähltes, Beispiel: Händler namens Spielbetrieb Fichtner hat seit April 2015 knapp 4.000 Artikel aus der Kategorie Fischertechnik verkauft. Vergleichweise gut laufende Nischen scheinen also auf Hood.de zu existieren.

Was macht Karstadt mit Hood.de?

Unternehmen, die heute noch einen Marktplatz starten wollen, der sich als Vollsortimenter an die gleichen Zielgruppen wie Amazon und Ebay richtet, brauchen einen langen Atem und viel Kapital.

Einen Marktplatz einzukaufen, der eine größere fünfstellige Zahl Onlinehändler und eine Software-Infrastruktur für den Marktplatzbetrieb mitbringt, verschafft Karstadt hier einen Vorsprung gegenüber dem kompletten Neustart als Marktplatz. Auch wenn unklar ist, wie aktiv die Onlinehändler bei Hood.de sind oder wie viele gar Karteileichen sein können, könnte die Händlerbasis für neue Projekte mit der starken Marke Karstadt im Rücken eventuell wieder reaktiviert werden.

Marktplatz-Pionier Ryan Hood dürfte ebenfalls eine interessante Personalie sein, um weitere Aktivitäten voranzutreiben. Schließlich sollen ja laut Signa „weitere Partnerschaften und Akquisitionen“ in der Karstadt-Marktplatz-Gesellschaft unterkommen. Gegenüber Wortfilter äußerte sich Hood zu den zukünftigen Plänen nur vage: „Wir haben gemeinsam mit Karstadt noch viel vor. Es ist aber zu früh, um hier über Details zu sprechen.“

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2 Kommentare
R. Stracke
R. Stracke

Es gibt etliche Händler mit vielen Verkäufen bei hood.
Auf die schnelle z.B.:

https://www.hood.de/i/stihl-bundhose-schnittschutzhose-function-ergo-funktion-ergo-sale–58767308.htm

com-merce mit 13098 Verkäufen

Ich selbst krauche leider auch noch zwischen 3000-4000 Verkäufen herum, seit 2015. Es ist nicht viel, aber immerhin. Jeder Euro der nicht bei ebay und amazon landet ist ein guter Euro. Die Preise sind bei hood bei den meisten Anbietern die gleichen wie auf den anderen Plattformen. 90% finden den Weg über google-shopping/google zu hood.

Die Nichtzahler sind tatsächlich ein Problem, ich schätze bei mir ca. 10%, die Stornierung funktioniert aber reibungslos, und sperren kann man Nichtzahler auch (im Gegensatz zu amazon z.B!)
PS: das „i“ in dieser Schriftart sieht aus wie ein „l“. Das nervt irgendwie….

Antworten
Mayx
Mayx

Es müssen einfach mehr Alternativen zu den Großen her. Ein weiterer Marktplatz ist smartvie.de, welcher Händlern sogar ein Listen ohne Fixkosten ermöglicht.

Das ist aber noch zu wenig, es müssen mehr solcher Marktplätze her. Die Macht von den Großen Beiden wird einfach zu groß. Da müssen wir als Händler aktiv werden.

Antworten

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