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2 Väter: Wenn Papa von karriere- zu familienorientiert wechselt

Kevin war karriereorientiert, bis seine Tochter in sein und das Leben seines Ehemanns kam. Er sprang von der Karriere- auf die Familienleiter, wie er selber sagt.

4 Min. Lesezeit
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Frohnatur: Kevin strahlt vor Freude über Knöpfchen. Im Sommer 2021 ist er in Elternzeit gegangen. (Foto: Cindy & Kay Fotografie)

Wenn Kevin über Knöpfchen spricht, erscheint sofort ein Lächeln auf seinem Gesicht. Knöpfchen – das ist der Spitzname seiner einjährigen Tochter, ihren echten Namen möchte er nicht verraten, auch wenn er über sie auf Instagram spricht. „Ich zeige auch keine Bilder von ihr, höchstens mal eine Hand, damit die Leute sehen, dass wir wirklich eine Familie sind“, erzählt er.

Ein Anruf kurz nach Beginn des neuen Jobs

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Gemeinsam mit seinem Ehemann kam Knöpfchen kurz nach ihrer Geburt zu dem Paar. „Ich weiß noch, ein Anruf kam, ich hatte gerade einen neuen Job begonnen“, erinnert sich der Hamburger. Seine Chefin habe sehr positiv reagiert. „Ihr fiel aber auch ein Stein vom Herzen, als ich nicht direkt in die Elternzeit wollte“, erzählt er.

Sein Ehemann ging in eine sechsmonatige Elternzeit, Kevin arbeitete weiter bei Xing im Bereich des Produktmanagements; er ist beispielsweise für die Konzeption des Profils zuständig. „Der Job passte für mich wie die Faust aufs Auge“, erinnert er sich. Als er die neue Stelle antrat, sei er noch sehr karriereorientiert gewesen. Das änderte sich jedoch. „Ich habe mich gefragt, ob es das ist, was ich will“, sagt er.

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Der „lustige Papa“ wechselte von „karriere- zu familienorientiert“

Während sein Ehemann viel Zeit mit der gemeinsamen Tochter verbringen konnte, arbeitete Kevin. „Ich war dafür der lustige Papa, wenn ich mir im Homeoffice einen Kaffee geholt habe, bin ich mal zu ihr gegangen, habe sie ein bisschen gekitzelt, Spaß gemacht, da hat sie immer ganz viel gelacht“, lächelt er. „Die schlechte Laune, die ja auch mal kommt, da musste dann mein Mann ran“, scherzt er. Und dann, irgendwo zwischen Kinderlachen und Homeoffice, ändert sich Kevins Einstellung. „Ich wurde von karriere- zu familienorientiert“, sagt er.

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Ausgleich durch Hobbys

Aktuell ist er in der Elternzeit, danach wird er in seinen Job in Teil- statt Vollzeit zurückkehren. „Als ich das laut ausgesprochen habe, fiel mir Ballast von der Seele“, so Kevin. Er genieße die Zeit mit seiner Familie, zu der auch Hund Sir Toby gehört. „Manchmal ist es für mich schon eine kleine Auszeit, wenn ich mit ihm mal 20 Minuten raus gehe“, sagt er. Ihm seien eine Work-Life-Balance und Strukturen schon immer wichtig gewesen, daher habe er sich zum Ausgleich zum Job auch immer Hobbys gesucht. „Auch jetzt ist für Christian und mich noch Zeit für uns selber, auch einzeln, wichtig“, erklärt er.

Eine der Sachen, die Kevin für sich macht, ist das Theaterspielen. Während der Pandemie war das jedoch nicht möglich. So musste ein neuer Ausgleich her und Kevin fing an, Auszüge aus seinem Familienleben bei Instagram zu teilen. „Ich hatte ein Buch geschrieben, ein Familienbuch, was ich so eigentlich auch ein bisschen promoten wollte“, erzählt er. Immer mehr Menschen folgten ihm, während er über seine Regenbogenfamilie, wie Familien mit gleichgeschlechtlichen oder anderen Lebensformen als der heterosexuellen genannt werden, berichtete. „Damit hätte ich nie gerechnet, dass es so viele interessiert“, sagt er.

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Positive Erfahrungen mit Arbeitgebern

Seinen Account möchte er nutzen, um über Regenbogenfamilien aufzuklären und auch Vorurteilen entgegenzuwirken. Dabei hat er im beruflichen Umfeld noch keine negativen Erfahrungen gemacht. „Xing feiert und lebt Diversität, sie haben sogar Werbung für mein Kinderbuch gemacht“, sagt er. Auf seinem vorherigen Karriereweg könne er sich vorstellen, dass er aufgrund seiner sexuellen Orientierung vielleicht anders wahrgenommen worden sei. „Vielleicht hätte ich noch den ein oder anderen Sprung machen können, da fällt mir aber nichts Konkretes ein“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass ich deshalb mal eine Beförderung oder einen Job nicht bekommen hätte, wahrscheinlich habe ich mir da immer die richtigen Unternehmen gesucht“, so Kevin weiter.

Heute ist er mit seinem Weg und seinem derzeitigen Platz zufrieden, der Weg dorthin war jedoch nicht einfach. „In der Schule wurde ich gemobbt, weil ich angeblich schwul sei, dabei wusste ich das damals noch gar nicht“, erinnert er sich. Als er 23 Jahre alt gewesen war, sei ihm klar geworden, dass er auf Männer stehe. „Damals war ich schüchtern, das Theater hat mir geholfen, nicht hinter dem Berg zu halten, mit dem was ich bin – eine ganz normale Person“, sagt er.

Vorurteile durch Kontakt mit anderen ablegen

Generell glaubt er, dass die Gesellschaft schon weiter sei, als im Allgemeinen gedacht wird, Vorurteile jedoch bei allen eine Rolle spielen. „Wir sind eine Randgruppe und haben auch Vorurteile gegenüber anderen. Es ist wichtig, das abzulegen“, sagt er. Mit anderen ins Gespräch zu kommen und sich zu vernetzen, sei wichtig. Dafür nutzt er auch Instagram. „Ich lade die Leute ein, uns zu folgen“, sagt er. Negativen Kommentaren, beispielsweise auf Tiktok, wo er auch vertreten ist, würde er unter anderem mit Ironie begegnen. Mit seinem Content wolle er die schönen Seiten des Familienlebens zeigen. „Ich zeige nicht alles, den anstrengenden Teil lasse ich raus, es ist nicht das, was ich repräsentieren möchte“, so Kevin. Gleichzeitig achtet er darauf, nicht zu viel Zeit in der „Instabubble“ zu verbringen. Bei der Familien- und Freundezeit bleibt das Handy aus. „Das ist mir wichtig“, betont er.

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So sieht man ihn beim Lego bauen, was ein Ausgleich für ihn zum Alltag ist, beim Kuchen backen oder auf dem Ausflug mit Knöpfchen. Er ist ein Vater, der von der Karriere- auf die Familienleiter gesprungen ist – und damit sehr zufrieden scheint. Die Karriere, die könne er später noch machen. Die Zeit mit Knöpfchen, die ist jetzt.

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