Anzeige
Anzeige
News

Deutschlands Klimaziele 2030 in Gefahr: Mehr erneuerbare Energien und schlankere Verfahren gefordert

Deutschlands Klimaziele für das Jahr 2030 sind nach Einschätzung des Expertenrats der Bundesregierung in großer Gefahr. „Im Moment sieht es nicht so aus, als könnten wir die Ziele erreichen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende Brigitte Knopf am Freitag in Berlin bei der Vorstellung eines Gutachtens zum Stand der deutschen Klimapolitik.

Quelle: dpa
3 Min.
Artikel merken
Anzeige
Anzeige
Wind- und Solarenergie sind wichtig für die Zukunft. (Foto: Jason Winter / Shutterstock)

„Mit einem ‚Weiter so‘ werden wir die Klimaziele für das Jahr 2030 definitiv nicht erreichen“, warnte Knopf weiter. Die Bundesrepublik will ihren Ausstoß an Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 65 Prozent senken im Vergleich zum Jahr 1990.

Anzeige
Anzeige

Vor dem Beginn der nächsten Weltklimakonferenz im ägyptischen Scharm el Scheich übergab der Expertenrat für Klimafragen seinen Bericht zum Stand der deutschen Klimapolitik an Regierung und Bundesrat. Das unabhängige Gremium aus fünf Sachverständigen veröffentlichte dieses im Klimaschutzgesetz festgeschriebene sogenannte Zweijahresgutachten erstmals, weitere Gutachten folgen dann im Rhythmus von zwei Jahren.

Jährliche Minderungsmenge muss sich verdoppeln

„Die jährlich erzielte Minderungsmenge müsste sich im Vergleich zur historischen Entwicklung der letzten 10 Jahre mehr als verdoppeln“, erklärte Ratsmitglied Thomas Heimer mit Blick auf den deutschen Ausstoß an Treibhausgasen. „Im Industriesektor wäre etwa eine 10-fache und beim Verkehr sogar eine 14-fache Erhöhung der durchschnittlichen Minderungsmenge pro Jahr notwendig.“

Anzeige
Anzeige

Zwischen 2000 und 2021 sei der Ausstoß klimaschädlicher Gase in Deutschland zwar temperaturbereinigt um rund 27 Prozent gesunken, konstatierte das Gremium. Die Hälfte dieser Minderung gehe auf das Konto der Energiewirtschaft. Es habe auch durchaus Entwicklungen hin zu einem sparsameren Einsatz von Energie gegeben.

Allerdings würden diesen ein stärkerer Verbrauch und Konsum entgegenwirken. „Effizienzgewinne wurden also beispielsweise durch das allgemeine Wirtschaftswachstum, größere Wohnfläche oder gestiegene Transportleistungen konterkariert“, erläuterte der Vorsitzende Hans-Martin Henning. So sei der Bestand an Fahrzeugen ständig gestiegen. „Das wirkt natürlich kontraproduktiv.“ Wenn sich jemand ein Elektroauto mit besserer Umweltbilanz als Zweitwagen anschaffe und sein altes Auto daneben weiter nutze, sei „überhaupt nichts gewonnen“.

Anzeige
Anzeige

Heizungen mit fossilen Brennstoffen müssen ausgetauscht werden

Nötig sei nun ein forcierter Ausbau erneuerbarer Energien. Bei Solaranlagen und Windparks auf See werde es schwierig, die Ziele zu schaffen, sagte Knopf, während es bei Windparks an Land besser aussehe. Geräte wie Heizungen, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten, müssten ausgetauscht werden, aber auch die Menschen ihr Verhalten ändern, mahnt der Expertenrat.

Die Fachleute meldeten aber Zweifel daran an, dass ein Nachsteuern am bisherigen Kurs ausreichen werde. Beim Blick auf die vergangenen zwanzig Jahre sei fraglich, ob künftige Klimaziele ohne einen Paradigmenwechsel erreicht werden könnten, sagte Henning. Eine Möglichkeit seien etwa harte Grenzen für noch zulässige Emissionen. Für die dann noch erlaubten Mengen könnte ein Handelssystem aufgebaut werden. Für die Politik gehe es dann darum, den noch möglichen Verbrauch so zu organisieren, dass Wirtschaft und Gesellschaft damit zurechtkämen.

Anzeige
Anzeige

Habeck: „Haben in enorm kurzer Zeit enorm viel aufzuholen“

Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) räumte ein: „Ja, wir haben in enorm kurzer Zeit enorm viel aufzuholen. Und ja, es gibt noch Lücken. Es ist extrem anspruchsvoll, die Ziele zu erreichen.“ Er beteuerte aber, man setze alles daran. „Wir beschleunigen die Energiewende, wir beschleunigen den Wasserstoffhochlauf, wir bauen Offshore aus, wir arbeiten am Klimaschutzsofortprogramm, wir haben diese Woche den Braunkohleausstieg im Westen von 2038 auf 2030 vorgezogen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wir arbeiten Tag für Tag daran, die Lücke zu schließen.“

Umweltorganisationen sahen sich in ihrer Kritik an der Bundesregierung bestärkt. „Bei der COP27, die am Sonntag beginnt, wird Bundeskanzler (Olaf) Scholz den anderen Ländern erklären müssen, warum Deutschland nicht entschiedener gegen die Klimakrise vorgeht“, erklärte die Vorständin der Klima-Allianz Deutschland, Christiane Averbeck, mit Blick auf die Weltklimakonferenz, die sogenannte COP. Anreize allein reichten nicht für den klimafreundlichen Umbau, unterstrich Tobias Austrup von Greenpeace. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien sei wichtig: „Öl- und Gasheizungen müssen früher aus den Kellern, Diesel und Benziner schneller von den Straßen verschwinden.“

Erste Weichen gestellt

Die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, Kerstin Andreae, erklärte, der nötige Zubau an erneuerbaren Energien sei machbar. Erste Weichen habe die Bundesregierung auch bereits gestellt, mehr sei aber nötig. „Um den Turbo zu zünden, brauchen wir dringend mehr Flächen für Erneuerbare, schlankere Verfahren und ein klares Bekenntnis zum Ausbau der regenerativen Energien auf allen staatlichen Ebenen.“ Auch das bisher noch in der Regierungsabstimmung befindliche Klimaschutzsofortprogramm müsse endlich kommen.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Schreib den ersten Kommentar!
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Anzeige
Anzeige