E-Commerce

Das Revival der gedruckten Kunden-Magazine: Was sie dem digitalen Handel bringen

(Foto: Shutterstock / Montage: t3n)

Print ist tot? Von wegen: Heute halten viele digitale Handelsunternehmen gegen den Trend und bringen mit verblüffenden Ergebnissen Kunden-Magazine heraus. Wir porträtieren vier Magazine und gehen dem „Phänomen Print“ in Interviews auf den Grund.

Immer öfter sind in den letzten Monaten neue Kundenmagazine auf den Markt gebracht worden. Von klassischen Handelsketten über Online-Pure-Player über Markenhersteller und Anbieter von Kundenbindungsprogrammen – viele setzen wieder auf gedruckte Magazine. Welche Vorteile versprechen sich die Unternehmen davon? Geht es um Branding, Liebhaberprojekte oder gar um ein klassisches Direktmarketing mit dem konkreten Ziel, Abverkäufe zu steigern? Und wenn ja: Welche Ziele setzen und erreichen die Unternehmen mit ihren neuen Magazinen – und lohnt sich der Aufwand?

Wir sind diesen Fragen nachgegangen und haben dazu mit Franziska Nellessen vom Otto-Startup AboutYou, die dort für das Vertical EDITED und dessen gleichnamigen Label ein Fashion-Kunden-Magazin herausbringt sowie mit Horst Müncheberg von Payback, Max Thinius vom Online-Supermarkt AllyouneedFresh und Thorsten Eder von Saturn, der Elektronikfachmarkt-Kette, über ihre Kunden-Magazine, die zugrundeliegende Strategie und erste Erfolge gesprochen.

Edited, Fashion-Label und Onlineshop

Cover des Edited-Magazins. (Screenshot: Edited)

Cover des Edited-Magazins. (Screenshot: Edited)

Edited, ein Mode-Label und Produkt des Otto-Startups AboutYou, bietet seinen vorwiegend weiblichen Kunden einen Mix aus eigenen Fashion-Kollektionen und angesagten Marken – von großen Traditionslabels bis zu angesagten, kleinen skandinavischen Designern ist im Onlineshop unter Edited.de alles vertreten.

Neben vielen eher online orientierten Instrumenten wie dem Edited-Fashionblog und einer WhatsApp-Fashion-Hotline gibt Edited auch ein eigenes, im Haus produziertes gedrucktes Fashion-Magazin heraus. Mit durchschlagendem Erfolg, wie uns die für das Magazin verantwortliche Franziska Nellessen von Edited versichert.

Edited, das Magazin: Ein Einblick

(Screenshot: Edited)

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Interview mit Franziska Nellessen (Head of Content & Communication, EDITED)

Franziska Nellessen (Foto: EDITED)

Franziska Nellessen (Foto: EDITED)

t3n.de: Print ist tot, tönt es von allen Dächern. Wieso bringt Edited da noch ein Kundenmagazin in gedruckter Form heraus? 

Franziska Nellessen: Es macht absolut Sinn, ein Online- mit einem Offline-Kauferlebnis zu verknüpfen. Es gibt bei unseren Kunden ein sehr großes Bedürfnis, Produkte auch haptisch zu erleben. Dieses haptische Erlebnis ermöglichen wir ihnen unter anderem mit unserem Magazin.

Papier ist dazu etwas, dass einen in dieser kurzlebigen Zeit auch einmal etwas länger durch den Alltag begleitet. Das Magazin können unsere Kunden auch bequem auf der Couch lesen und wieder weglegen um es später wieder aufnehmen.

t3n.de: Welchen Mehrwert soll das Magazin den Kunden konkret bieten?

Nellessen: Unser hauseigenes Magazin ermöglicht es dem Kunden tiefer in die Welt von Edited einzutauchen. Wir können relevante Inhalte, Editorials und Trendthemen in einem anderen Kontext präsentieren und in einer Länge aufzeigen, die uns online nicht möglich ist.

t3n.de: Kannst du uns etwas zur Content-Marketing-Strategie erzählen?

Nellessen: Wir bieten ein sehr persönliches Magazin, gewähren unsere Kunden einen Blick hinter die Kulissen und präsentieren nahbar, offen und sehr transparent. Shootings werden unter anderem mit Edited-Mitarbeitern aus der Redaktion besetzt: Wir zeigen unsere Produkte an uns selbst.

Produziert wird das Magazin neben dem Alltagsgeschäft vom Edited-Marketing-Team, das zwölf Köpfe stark ist, davon arbeiten pro Ausgabe schätzungsweise etwa fünf bis sechs Personen am Magazin. Aber nie Vollzeit.

An erster Stelle produzieren wir Content aus dem Bereich Fashion, angereichert mit Lifestyle- und Food-Themen.

Unseren Content spielen wir Kanal-spezifisch aus, wir haben eine strenge „No-Double-Content“-Regel. Das bedeutet, dass Inhalte nicht unverändert von einem Kanal auf den anderen kopiert, sondern an die Anforderungen des jeweiligen Mediums angepasst werden. So duplizieren wir zum Beispiel nicht einfach ein Thema von Facebook auf unseren Newsletter, sondern schneidern die Inhalte passgenau zu.

t3n.de: Wie verknüpft ihr Vertrieb oder konkrete Produkte mit Inhalten?

Nellessen: Wenn wir Trends vorstellen, werden die Produkte im Editorial mit dem dazugehörigen Produktnamen und der Artikelnummer genannt, damit die Produkte schnell aufgerufen werden können.
In nahezu allen Inhalten werden immer sämtliche Produkte zusätzlich mit Preis, Produktname und Artikelnummer hervorgehoben.

t3n.de: Heißt das, das Magazin erzeugt nachvollziehbar zusätzliche Abverkäufe?

Nellessen: Ja. Auch wenn es schwierig ist, Traffic aus dem Magazin direkt nachzuverfolgen, können wir einiges schlussfolgern: An den Tagen an denen unser Magazin ausgeliefert wird sowie an den Tagen danach, sehen wir deutliche Traffic- und Abverkaufssteigerungen. Und es werden im Besonderen die Artikel aus dem Magazin stärker verkauft.

t3n.de: Dürfen wir nach einem Fazit fragen, was habt ihr bisher mit dem Magazin bei euren Kunden konkret erreicht?

Nellessen: Unser Kundenmagazin gibt es schon recht lange, deshalb können wir einen positiven Effekt auf Abverkäufe und auf unsere Marke klar mit einem „Ja“ beantworten.

t3n.de: Und in Zukunft?

Nellessen: Für die Zukunft sehen wir noch ein großes Potential in unserem Magazin. Neben der breiteren Verteilung an Handelspartner und der Auslage im Edited-Store, soll unser Edited-Magazin künftig auch an eine größere Kundengruppe versandt werden.

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Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Franziska Bücker

Tausend Dank für dieses spannende Interview, dass auch unsere Erfahrungen bestätigt. Print ist an Wertigkeit kaum zu überbieten und wird noch lange einen berechtigten Platz im Marketing haben.

Antworten

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