Fundstück

Web-Experiment: Ein langsameres Internet hätte vielleicht nicht nur Nachteile

Was dauert das wieder ... (Foto: Shutterstock)

Lesezeit: 2 Min.
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Noch schnell einen Kaffee holen, bis die Website geladen hat? Diese Zeiten sind eigentlich längst vorbei. Eine Website lässt euch jetzt jedoch auf unterhaltsame Art und Weise nachvollziehen, wie langsam das Web früher einmal war – und warum das nicht nur Nachteile hatte.

In den Neunzigern hatte das Web noch etwas Beruhigendes, fast Kontemplatives: Erst musste das Modem unter Knacken und Piepsen eine Verbindung zum Internet-Provider aufbauen, dann erst konnte eine Seite aufgerufen werden. Und auch das dauerte nach heutigem Maßstab ewig. Deswegen waren im Netspace Navigator und anderen Browsern jener Zeit auch Ladeanimationen in Form der sogenannten Throbber ein zentrales Interface-Element – bis sie durch Highspeed-Internet obsolet wurden. Der britische Hacker Terence Eden hat jetzt mit seiner Website Slowww.ml eine faszinierende Möglichkeit geschaffen, diese anachronistische Langsamkeit erneut zu erleben.

Slowww.ml lädt absichtlich mit nur rund 175 Bit pro Sekunde. Die Website baut sich Zeile für Zeile auf und erklärt dabei, welche Elemente geladen werden und wie lange das in etwa dauern wird. Ein verpixeltes JPG-Bild braucht rund 40 Sekunden, bis es fertig geladen hat. Eine kurze Audioaufnahme deutlich länger. Alles in allem dauert es mehr als fünf Minuten, bis die ganze Website vollständig angezeigt wird. Nach heutigem Maßstab eine halbe Ewigkeit, aber genau darin liegt auch der Reiz von Slowww.ml.

Langsamkeit hat auch ihre Vorteile

„Es könnte eine meditative Übung über Frustration sein. Könnte es eine Möglichkeit sein, einige moderne HTML5-Funktionen auf eine schrullige Art und Weise zur Schau zu stellen?“, mutmaßt Eden in der Beschreibung seines Projekts und liefert gleich noch eine weitere mögliche Erklärung nach: „Höchstwahrscheinlich hat mich der Lockdown sanft in den Wahnsinn getrieben.“

Unabhängig von der Intention zeigt Slowww.ml aber, wie bewusst sich ein so langsamer Informationsstrom wahrnehmen lässt. Damit stellt die Website einen faszinierenden Kontrast zu unseren Newsfeeds und Timelines dar, auf denen auf das nötigste reduzierte Informationsfetzen – von denen wir am Ende wiederum nur Bruchstücke aufnehmen – in endloser Reihe an unserem Auge vorbeirauschen.

Fast fertig!

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Ein langsameres Internet will letztlich zwar niemand, dennoch ist es eine interessante Frage, die Eden auf seinem Blog formuliert: „Kann eine Verlangsamung das Web ruhiger und weniger ablenkend machen? Wird es ein umsichtigerer Raum, um sich in einen Dialog zu begeben?“ Ganz so einfach ist es vermutlich nicht. Im Hinblick auf Fake News, Internetverschwörungen oder Cyber-Mobbing möchte man Eden aber dennoch zustimmen, wenn er schreibt: „Das klingt schön.“

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Ein Kommentar
Perlian
Perlian

Das Teil nannte sich Netscape Navigator !

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