Ratgeber

Listen, Listen, Listen: Der Einstieg ins digitale Nomadentum

(Foto: Shutterstock)

Wie wird man eigentlich digitaler Nomade? Job kündigen, Flugticket buchen, fertig! Fehlt da nicht was? Richtig, die Listen. Hier liest du, was es damit auf sich hat und was Tapeten damit zu tun haben.

Keine Frage, jeder Mensch ist anders. Und jeder, der als Digital Nomad starten will, mag für sich entscheiden, wie er oder sie sich darauf vorbereiten möchte. Da ein solches Leben sehr komplexe Dinge mit sich bringt, ist es ratsam, sich detailliert darauf vorzubereiten. Hier mal wie ich es gemacht habe (typisch deutsch). Detailliert auf die einzelnen Punkte gehe ich dann gesondert ein.

Die Idee war einfach – Digital Nomad werden. Doch was das alles bedeutete, wurde mir von Tag zu Tag klarer – oder unklarer … Oder um es mit Albert Einstein zu sagen: „Je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, dass ich nichts weiß.“ Was ist mit Steuern? Was mit Krankenversicherung? Was mit Visen? Was, wann, wo, wie, warum …? Wenn man in Deutschland lebt und arbeitet, ist eigentlich alles geregelt. Es gibt Daueraufträge für die Miete, Einzugsermächtigungen für Krankenversicherung und Mobilfunk – man hat seine Bank, seine Wohnung und und und … Die einzigen Unwägbarkeiten sind manchmal die Weihnachtsgeschenke. Aber dauerhaft im Ausland und auf Reisen? Well …

Hinsetzen und Hausaufgaben machen

Als meine Vorstellung konkreter wurde, begann ich, alle möglichen Aspekte auf Papier zu bringen. Doch das Notizbuch war ziemlich schnell ziemlich voll. Und unübersichtlich. Also habe ich etwas komplett analoges gemacht: Ich habe an die Wand meines Arbeitszimmers Tapetenrollen angebracht und dort alles aufgeschrieben, was mir einfiel. Wer das lieber digital machen will – macht das. Visualisieren ist von jeher ein probates Mittel, um sich einen Überblick zu verschaffen. Mir half die Tapete. Und dann ging es los:

Alles, wirklich alles …

Selbst die Tapete reichte irgendwann nicht mehr aus … Bank – welche Bank? Krankenversicherung – welche bietet welche Leistungen an? Behörden – wo und wann abmelden? Equipment – welches brauche ich wirklich? Verträge kündigen – welche mit welchen Sonderkündigungsmöglichkeiten? Und da waren noch zig andere Punkte. Je mehr ich mich dann mit einem dieser Punkte beschäftigte, desto mehr Tapetenrollen brauchte ich.

Glaubt mir …

Alleine das Thema Krankenversicherung (und die ist essenziell und das Wichtigste von allen), das waren gut zwei Quadratmeter voller Notizen. Wie gesagt, das war nur ein Punkt. Wer sich mal einen Überblick über all die möglichen Themen machen will: Einfach die Kontoauszüge eines Jahres durchblättern. Denn, nur als Beispiel, um sich in Deutschland abzumelden – und somit auch vom Finanzamt – darf man keine laufenden Verträge in Deutschland haben (einzige Ausnahmen: Krankenversicherung für dauerhaft im Ausland lebende, sogenannte Expats und Bankkonten). Hat man beispielsweise noch einen Ratenkredit, einen Mobilfunkvertrag, Einnahmen aus Vermietungen oder so, ist die 181-Tage-Regelung hinfällig.

Steuerfrei? Jaaaa, aber nur wenn …

Wenn man mehr als 181 Tage im außereuropäischen Ausland lebt und in Deutschland abgemeldet ist, ist man von der Steuerpflicht in Deutschland befreit. Also keine Umsatzsteuer, Mehrwertsteuer, Einkommensteuer und so weiter. Soll heißen, man kann Rechnungen an deutsche Unternehmen schreiben – vom Ausland aus – und sich das auf ein deutsches Konto überweisen lassen. Hat man allerdings noch „Verbindungen ins Heimatland“ (Mobilfunkvertrag, Ratenkredit, Leasing, Mieteinnahmen von Wohneigentum, was auch immer), ist man in Deutschland steuerpflichtig. Falls nicht, muss man seine Einnahmen in dem jeweiligen Land versteuern, in dem man lebt (eine Grauzone, die noch genauer beleuchtet wird). Deshalb:

Akribisch auflisten!

Wie gesagt, ob digital oder analog: alles auflisten. Das mag müßig und typisch deutsch klingen, doch es hilft. Erst dann merkt man, wie komplex ein Leben sein kann. Darüber nachgedacht, wie lange der Reisepass noch gültig ist? Wie viele Seiten darin noch frei sind? Gerade wenn man wegen Visa-Bestimmungen sogenannte Borderruns machen muss – da gehen alle paar Monate zwei oder drei Seiten für Stempel darin drauf. Hmmm, also vielleicht doch einen zweiten Pass mit 48 Seiten beantragen? Am besten vor dem Start? Jaaa! Eine Mitarbeiterin in der deutschen Botschaft in Bangkok sagte mir, dass es kein Problem sei, einen neuen Pass zu beantragen. Könnte halt nur ein paar Monate dauern … Ziemlich blöd, wenn man das Land verlassen will oder muss, aber es keine freie Seite mehr im Pass für den Ausreisestempel gibt. Denn dann riskiert man einen Overstay. Und das kann Gefängnis, Abschiebung und Wiedereinreiseverbot für zehn Jahre nach sich ziehen.

Lieber mehr als weniger

Es lohnt sich wirklich, auch den noch so vielleicht unbedeutenden Punkt zu beachten. Deshalb: Listen, Listen, Listen. Genügend Passbilder (wichtig für Immigration), gültigen internationalen Führerschein (sonst nicht bei Unfällen versichert), je nach Bank eine App installieren, bei der SMS für Onlinebanking obsolet sind (wegen ständig wechselnder SIM-Karten), eine App der Krankenversicherung, mit der man Rechnungen einreichen kann (jeder, wirklich jeder Digital Nomad wird Apotheken und Krankenhäuser aufsuchen – und das kann schnell ins Geld gehen) und noch viel mehr. Es gibt so viel, das man beachten sollte. Je mehr Zeit in solche Listen investiert wird, desto mehr Zeit, Nerven und Geld spart man sich später.

Vorbereitung ist alles

Gerade um eben nur mit einem Rucksack die Welt zu bereisen, muss man sich auf das Nötigste reduzieren – und den Rest erledigt haben. „Reduce to the max!“ Nur ein plastisches Beispiel: Du bist in Namibia und willst für einen kurzen Trip nach Botswana. Kein Thema. Dann willst du nach ein paar Tagen wieder zurück. Problem: kein freier Platz mehr im Pass. Deine SIM-Karte funktioniert nicht, du kannst die Botschaft nicht erreichen beziehungsweise wirst dort vertröstet. Während du auf eine Lösung der Botschaft wartest, erwischt dich eine Mücke. Dengue-Fieber, vier Wochen ab ins Bett. Und deine Krankenversicherung erreichst du nicht. Unschön. Zumal deine Bankkarte in Botswana nicht akzeptiert wird. In der Zwischenzeit gehen dir dann auch noch deine Kunden flöten, weil du nicht erreichbar bist. Extrem unschön. Okay, das ist ein Worst-Case-Szenario, habe ich aber schon erlebt. Das ist Realität. Also lieber auf das Schlimmste vorbereitet sein und alles Mögliche im Vorfeld bedenken, ob digital, in einem Notizbuch oder auf einer Tapetenrolle – dann kann man sich später auch zum Sun-Downer beruhigt in die Hängematte legen.

Cheers, Rob

Du hast Lust, mehr über das Leben als digitaler Nomade zu erfahren? Kein Problem, bei Rob’n’Roll around the World liest du mehr!

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