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Microsoft-Lizenzen: Das steckt hinter den billigen Office- und Windows-Angeboten

(Foto: Shutterstock / g0d4ather)

Lizengo vermarktet in Kooperation mit Edeka Microsoft-Office- und -Windows-Lizenzen zum verdächtigen Schnäppchenpreis. Sind die Kunden dabei auf der sicheren Seite?

Es ist seit vielen Jahren eine undurchsichtige Geschichte mit Schnäppchenlizenzen von Windows-Produkten. Teilweise für den Gegenwert eines Kasten Biers finden Kunden über Portale wie Amazon Marketplace und Ebay Lizenzen für Microsoft Office oder Microsoft Windows – Lizenzen, die Microsoft selbst für 145 Euro (Windows 10 Home) oder gar 259 Euro (Windows 10 Pro) anbietet. Windows 10 über Lizengo  gibt’s dagegen für 35,99 Euro (Home) beziehungsweise 39,99 Euro (Pro). Ähnliche Preisunterschiede (wenn auch noch etwas unübersichtlicher) bei den Office-Paketen. Office 2019 Standard, das es eigentlich nicht als Einzellizenz zu kaufen gibt, steht bei Edeka für 195 Euro in den Regalen. Microsoft verlangt dafür 500 Euro pro Rechner – erst ab fünf Lizenzen.

Microsoft-Schlüssel funktionieren problemlos – bisher

Die gute Nachricht vorweg: Die Lizenzen lassen sich problemlos installieren und aktivieren – zumindest zum aktuellen Zeitpunkt. Denn ähnlich wie bei noch deutlich billigeren Lizenzen, wie sie beispielsweise über Dritthändler via Amazon, Rakuten und Ebay vertrieben werden, ist nicht sichergestellt, dass das auch nach dem nächsten Update so bleibt. Lizengo selbst erklärt, dass alle Lizenzen legal seien – und aus „Überbeständen“ der Unternehmen stammen, die zu viele Lizenzen erworben hätten.

Microsoft selbst zeigt sich selbst gegenüber der Computerzeitschrift c’t eher wenig auskunftsfreudig. Es gibt die Aussage, dass „ein funktionierender Schlüssel noch keine Garantie für eine rechtlich einwandfreie Lizenz“ sei – das Vorhandensein eines Wohnungsschlüssels sei ja schließlich auch kein Nachweis für einen Mietvertrag. Für die Vertriebe ist die Sache eigentlich seit vielen Jahren klar: Sie berufen sich auf diverse deutsche und EuGH-Urteile, die allesamt in recht ähnlichem Tenor aussagen, dass der Vertrieb von Teilen aus Volumenlizenzen (zumindest bei neuen Lizenzen) legal sei und der Kunde somit ein Recht auf die Nutzung habe.

Lizengo-Pakete: Unterlagen aufbewahren

Was kann der Kunde also tun, wenn er nicht die Original-Lizenzen von Microsoft selbst erwerben will? Er sollte auf jeden Fall den Beleg für den Erwerb der Software aufheben, um im Zweifelsfall reklamieren zu können. Denn ein Restrisiko für den Kunden bleibt auch dann bestehen, wenn (um beim Microsoft-Vergleich mit der Wohnungstür zu bleiben) der Schlüssel bei einem der nächsten Updates auf einmal nicht mehr funktioniert. Das behält sich Microsoft – übrigens ohne Vorwarnung – natürlich vor, wenn es zu „Unstimmigkeiten“ mit einer Lizenz beziehungsweise einem Schlüssel kommt. Ob dann nur der jeweils eigene (eine) Schlüssel betroffen ist oder gleich der ganze „Schlüsselbund“, respektive die Volumenlizenz, aus der er stammt, ist unklar – vieles spricht für letztere Variante.

Das Gute für den Kunden: Lizengo selbst sichert dem Kunden zu, dass jede so erworbene Lizenz auch funktionieren wird – und im schlimmsten Fall auf Reklamation hin ausgetauscht werden könne. Das tun viele andere Händler auch, wobei in diesem Fall die Wahrscheinlichkeit höher sein dürfte, dass es Lizengo noch gibt, wenn dieser (unwahrscheinliche, aber durchaus mögliche) Fall eintritt. Bei vielen der Billighändler unklarer Herkunft, die via Ebay oder Amazon Marketplace mit solchen Lizenzen handeln, ist das weniger sicher – die sind aber umgekehrt auch noch ein ganzes Stück billiger als die Lizengo-Angebote. Dennoch bleiben die Lizenzen von Lizengo (und anderen vergleichbaren Anbietern) attraktiv – denn zum einen gibt es teilweise auch Lizenzen zu kaufen, deren Produkte und Produktvarianten ansonsten nicht einzeln erhältlich sind, zum anderen handelt es sich bei Windows 10 und Office um unlimitiert einsetzbare Software – und eben nicht um ein Abo-Modell mit monatlichen Kosten, das Microsoft in so vielen Bereichen anstrebt.

Durchaus Standard ist ja schon die Office-365-Reihe, die Microsoft seit etlichen Jahren (freilich mit weiteren Onlineangeboten wie Cloud-Speicher) vertreibt. Wenn der Trend sich im Privatkundenumfeld auch auf Windows 10 erstreckt und falls Windows 10 wirklich, wie spekuliert wird, das „letzte Windows“ als klassische Software für den zeitlich unlimitierten Gebrauch wird, werden Besitzer von Microsoft Windows 10 wohl noch recht lange ihre Lizenz hüten – egal, ob diese von Microsoft direkt oder einem der Lizenzvertriebe wie Lizengo bezogen ist. Ähnliches haben wir in den Jahren nach der Umstellung der Adobe Creative Suite auf die Creative Cloud erlebt.

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