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Microsofts exFAT-Dateisystem landet offiziell im Linux-Kernel

Microsoft gibt seine Patente für exFAT an das OIN ab. (Foto: Ondrej Prosicky / Shutterstock)

Microsoft unterstützt die Implementation seines exFAT-Dateisystems in den Linux-Kernel und kündigt die Einstellung der entsprechenden Patente in den Open-Invention-Network-Pool an.

Nun ist es offiziell: Microsoft gibt die Patente seines exFAT-Dateisystems, das immer noch Standard für eine ganze Reihe an Speichermedien ist, für die Nutzung im Linux-Projekt frei. Als Grund nennt der Software-Hersteller in einem Blogpost die Liebe Microsofts zu Linux. Zur Unterstützung einer sauberen Implementation hat das Unternehmen zudem die offizielle Spezifikation des Dateisystems aktualisiert und öffentlich zugänglich gemacht.

exFAT-Patente sollen Teil des freien Lizenz-Pools der OIN werden

Zudem strebt Microsoft die Aufnahme der exFAT-Patente in die Linux-System-Definition des Open Invention Networks (OIN) an. Ziel des OIN ist die offene und gemeinschaftliche Nutzung der Patente der teilnehmenden Unternehmen durch die teilnehmenden Unternehmen. Jeder teilt seine Patente also mit jedem.

Zwar ist Microsoft schon vor etwa einem Jahr dem OIN beigetreten und hatte seinerzeit bereits 60.000 Patente eingebracht, die exFAT-Patente waren bisher aber nicht darunter. Dieser Mangel könnte ab dem ersten Quartal 2020 behoben sein, wenn das OIN die Einreichung akzeptiert, woran kein vernünftiger Zweifel besteht.

Um exFAT in den Linux-Kernel zu bringen, muss Microsoft keinen Code beitragen und kündigt das auch nicht an. Vielmehr wird wohl dem seit rund sechs Jahren verfügbaren freien exFAT-Treiber, der ursprünglich von Samsung entwickelt worden war, die Ehre der Aufnahme als offizieller Bestandteil zuteil.

exFAT: Entwickler stößt auf Patentproblematik

Die nun mit der positiven Entscheidung Microsofts abgeschlossene Diskussion hatte der aktuelle Entwickler des exFAT-Treibers, Valdis Klētnieks, überhaupt erst angestoßen. Er stellte in einer Entwickler-Gruppe die harmlos wirkende Frage, wie er denn nun vorgehen müsse, um seinen überarbeiteten Treiber in die Kernel-Entwicklung zu schieben. Daraufhin wurde er auf die unklare Patentsituation hingewiesen. Klētnieks sprach dann den Microsoftler KY Srinivasan an, der zusagte, sich des Themas anzunehmen. Das Ergebnis lässt sich dem heutigen Blogpost entnehmen.

Das ist exFAT

Das exFAT-Dateisystem wurde 2008 spezifiziert, aber schon früher in Windows-Versionen eingesetzt. Es wurde für das damalige Mobilsystem Windows CE entwickelt und stellt eine Erweiterung (Extension) des alten FAT-Systems aus dem Jahre 1980 dar, daher der Name exFAT für „Extended File Allocation Table“. Der Einsatzbereich des exFAT-Systems waren von Beginn an Flash- und andere, auch externe Speichermedien. Für die lokalen Festplatten setzte Microsoft auf das NTFS-System, das wiederum nicht plattformübergreifend genutzt werden konnte.

Der exFAT-Treiber aus dem Hause Samsung hat eine interessante Geschichte. Er wurde quasi zufällig von einem Entwickler im Quellcode von Android 3.0 gefunden und konnte Samsung als Urheber zugeordnet werden. Weil das nun eine Patentverletzung bedeutete, reagierte Samsung und stellte den Treiber unter die GPL-Lizenz. Danach versank der Treiber in der Bedeutungslosigkeit, bis Valdis Klētnieks sich seiner annahm und die bekannten Resultate erzielte. Bislang verfügbare Treiber für exFAT arbeiten wie jene für NTFS in der Regel als FUSE-Treiber (Filesystem in User Space), was bedeutet, dass sie nicht im Kernel-, sondern im User-Modus laufen, was die Wahrscheinlichkeit von Systeminstabilitäten verringert und auch Nutzern ohne Admin-Rechte die Verwendung erlaubt.

Zum Weiterlesen: Linux erobert die Microsoft-Cloud – 40 Prozent der Azure-VMs nutzen das freie OS

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