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Startups

„23:30 Uhr: Viel Zeit für Privates ist heute nicht geblieben“: Ein Tag im Leben von Number26-Gründer Valentin Stalf

(Foto: Presse)

In unserer Serie „Ein Tag im Leben von …“ protokollieren außergewöhnliche Köpfe der deutschen Startup-Szene ihren Berufsalltag. Heute an der Reihe: Valentin Stalf, Gründer und CEO des Fintech-Startups Number26.

Strategieschwenk ebnet den Weg zu Peter Thiel

Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen, um zwei nach vorne zu machen. Der 30-jährige Valentin Stalf ist da ein gutes Beispiel: Zusammen mit seinem Kompagnon Maximilian Tayenthal hat der gebürtige Wiener vor zwei Jahren eine ans Smartphone gekoppelte Prepaid-Kreditkarte speziell für Kinder entwickelt. Das damals noch „Papayer“ genannte Startup sollte den Zahlungsverkehr sowie den Umgang unter Jugendlichen mit Geld revolutionieren. Doch es kam anders.

Die Number26-Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf. (Foto: Presse)

Nicht die Kinder, sondern die Eltern zeigten Interesse für die schicke App inklusive der Kreditkarte. Also brachen Stalf und Tayenthal im Sommer 2014 aus der Nische aus und beschlossen, gleich die gesamte Bankenindustrie aufzumischen.

Das Vorhaben überzeugte namhafte Investoren: So stieg PayPal-Gründer Peter Thiel mit einem Betrag von zehn Millionen Euro in das fortan auf „Number26“ getaufte Jungunternehmen ein. Seitdem bietet Stalf über 130.000 Kunden ein vollwertiges Girokonto für das Smartphone an. Tendenz steigend. Wie aber sieht ein Arbeitstag aus von jemandem, der Europas erste wirklich digitale Bank aufbauen will? Wir haben Valentin Stalf genau das gefragt.

So läuft ein Arbeitstag von Valentin Stalf ab

7:45 Uhr: Aufstehen, der Handy-Wecker klingelt, kurzer Check der E-Mails. Ich nutze die offizielle Gmail-App, denn das ist mit den Shortcuts am einfachsten.

8:30 Uhr: Mit dem Fahrrad geht’s los Richtung Office. Ich nutze die Zeit, um mich geistig auf den Tag vorzubereiten. Das dauert ungefähr zehn Minuten, führt mich direkt am Alexanderplatz vorbei und ist schneller als mit den Öffis. Wenn es in Strömen regnet oder richtig kalt ist, nehme ich auch mal die U-Bahn für zwei Stationen.

Ich habe immer versucht, mir eine Wohnung möglichst nah am Büro zu suchen. Auf dem Weg mache ich einen kurzen Stopp – Frühstück zum Mitnehmen. Normalerweise frühstücke ich nicht großartig – wenn etwas Zeit bleibt, gibts ein belegtes Brot vom Bäcker auf dem Weg. Am Wochenende ist das anders, da genieße ich gerne ein klassisches Wiener Frühstück.

9:15 Uhr: Heute ist „Leader-Stand-up“ was heißt, dass alle Team-Chefs – wir machen das jeden zweiten Tag – für 15 Minuten zusammenkommen und aktuelle Topics und Prios besprechen. Vorbereitet werden die Meetings von den Teilnehmern selbst, es geht darum, die wichtigsten Aufgaben aus dem eigenen Verantwortungsbereich mit dem Rest des Teams zu teilen.

Das Meeting ist relativ eng getaktet, deshalb ist es wichtig, dass jeder seine drei Minuten einhält. Wir benutzen Post-its und ein Whiteboard zur Visualisierung. Heute steht die finale Besprechung der Ziele für 2016 an.

9:45 Uhr: Meeting mit dem Data- und Operations-Team. Wir schauen uns die neuesten Kunden-Kohorten an und besprechen die Entwicklung unserer neuesten Features. Viele spannende Zahlen, alles geht in die richtige Richtung.

11:15 Uhr: Interview mit Prote.in, dem Blog einer Agentur aus England. Nach einer Office-Tour entscheidet sich der Journalist für ein Foto auf unserem Dach. Eisige Kälte und der Fernsehturm im Rücken. Das Interview ist spannend, es sind sogar einige Fragen dabei, die noch niemand gefragt hat – eher selten normalerweise. Er wollte etwa genau wissen, wie wir vorgegangen sind, als wir ein altbekanntes Produkt ganz neu aufgesetzt haben – und welche Rolle das Design dabei gespielt hat.

Auf Konferenzen rund um das Thema Banking und Fintech ist Valentin Stalf inzwischen ein gern gesehener Gast. (Foto: Valentin Stalf/Facebook)

12 Uhr: Meeting mit unserem Marketing-Chef. Kurzes Update zu den verschiedenen Kanälen, insbesondere besprechen wir die Detailpläne für das erste Quartal 2016. Seit diesem Jahr haben wir mit Search-Engine-Marketing angefangen. Ein großer Wunsch von mir ist es, auch Fernsehwerbung zu schalten – das ist allerdings noch weit entfernt und eher ein Projekt für 2017.

Wir arbeiten dieses Jahr mehr an unserer Marke und probieren einige neue Kanäle aus. Klar dient die Werbung dazu, neue Kunden zu gewinnen, aber eben auch, um uns aktiv als technikgetriebenes Girokonto, das neue Wege geht, zu positionieren. Aber die Zeit reicht nicht, wir unterbrechen das Meeting.

13 Uhr: Mittwoch präsentieren wir dem gesamten Team die Jahresziele 2016. Wir stimmen sie noch mal im Geschäftsführerkreis final ab. Zusätzlich sprechen wir einige andere Geschäftsführer-Themen an. Keine Zeit für eine Mittagspause, deshalb bestellen wir Sushi. Was gegessen wird ist von Teammitglied zu Teammitglied unterschiedlich. Einige gehen essen, andere bestellen. Ich bestelle häufig, da zwischen den Meetings nicht viel Zeit bleibt. Nur Mittwochs bestellen wir immer Mittagessen für das ganze Team – und ein Teammitglied stellt ein spannendes aktuelles Projekt vor. Wir suchen derzeit auch einen Koch, der an einigen Tagen für uns im Office einige Mittagsmenüs vorbereitet. Das ist gesünder und günstiger!

13:55 Uhr: Mein Mitgründer und ich springen gemeinsam ins Taxi, denn der nächste Termin ist extern. Normalerweise nutzen wir dafür die MyTaxi-App, dafür braucht man auch kein Cash, sondern kann direkt in der App bezahlen.

14:10 Uhr: Investormeeting. Wir geben ein Update zu unserem Wachstum im letzten Jahr und bezüglich unserer Wachstumsstrategien für 2016. Unser Wachstum ist jeden Monat stärker als im Vormonat und wir freuen uns über mehr als 130.000 Kunden. Dann besprechen wir langfristigere Themen wie unsere Expansion in weitere europäische Länder in diesem Jahr. Außerdem: Wichtige Personalentscheidungen – und wo wir unser Produkt in zwölf bis 24 Monaten sehen.

15:45 Uhr: Ab ins Taxi und zurück ins Office.

16 Uhr: Weiter gehts mit unserem Marketing-Chef, es sind richtig gute Ideen dabei. Ich freue mich schon auf den Roll-Out, besonders auf integriertere Marketingkampagnen. Momentan konzentrieren wir und natürlich auf die Kanäle, auf denen potenzielle Kunden unterwegs sind. Wir besprechen insbesondere, wie wir unsere Brand weiter aufbauen können, da wir feststellen: Je mehr Leute von uns wissen, desto mehr Kunden gewinnen wir.

17 Uhr: Finales Interview mit einer Kandidatin für unser HR-Team. Super spannendes Gespräch, guter Drive, prima Lebenslauf, toll gelöster Case. Klare Entscheidung: Wir machen ein Angebot. Besonders wichtig ist mir, dass Kandidaten smart sind und schnell vernetzt denken können. Ich stelle keine Standardfrage, sondern bitte die Kandidaten, eine Situation im jeweiligen Fachgebiet mit mir durchzuspielen. Wer da tolle neue Ansätze hat, auch wenn es in die Tiefe geht, überzeugt mich.

Neben der fachlichen Komponente ist es auch wichtig, dass Kandidaten gut ins Team passen und eine hohe Eigenmotivation mitbringen. Letztendlich wollen wir Leute einstellen, die langfristig bei Number26 bleiben.

18 Uhr: Mein Mitgründer kommt vorbei, wir haben ein kurzes Update-Meeting zu einigen strategischen Themen – zum Beispiel dem Launch mit TransferWise, dem ersten internationalen Partner für unseren Fintech-Hub in den nächsten Wochen. Das ist die erste Integration von vielen, durch die wir unsere Kunden in den nächsten Jahren ein komplettes Portfolio von Bankprodukten anbieten, das sie direkt in ihrer Number26-App nutzen können. Wir werden so in jeder Produktdimension einer traditionellen Bank ein Produkt anbieten.

18:30 Uhr: Etwas Zeit für E-Mails. Die Inbox ist voll. Allerdings reicht die Zeit nicht, um alle E-Mails sofort zu beantworten. Ich beantworte die dringenden und wichtigen E-Mails, die schnell abgearbeitet sind. Themen, die ich ausführlich beantworten muss, kommen in verschiedene Ordner und werden dann abgearbeitet. Ich verwende ein ausgeklügeltes System, sodass keine E-Mails untergehen. Alle E-Mails werden markiert, damit ich sie schnell wieder finde..

19:15 Uhr: Es erwarten mich zwei junge Architekten, die die Inneneinrichtung unseres neuen Büros gestalten sollen. Wir arbeiten hier zwar schon, aber der Innenausbau ist noch nicht fertig. Einige gute Ideen sind dabei, ich bin mir aber noch nicht sicher, ob die beiden die Richtigen sind. Hauptsache ist, dass sich alle hier wohlfühlen und einen Ort zum Arbeiten, Vernetzten und Wachsen haben. Unsere Fintech-DNA soll immer präsent sein, darum haben wir beispielsweise den Quellcode von Number26 in unserem Teppichboden verewigt.

20 Uhr: Nochmal kurz einige E-Mails beantworten und etwas Zeit, um über einige Features nachzudenken, die wir 2016 launchen werden. Dazu ein kurzes Update mit unserem Head of Product zum aktuellen Stand und konkreteren Veröffentlichungsterminen für die nächsten drei Wochen.

20:30 Uhr: Closing-Dinner mit einem wichtigen Dienstleister am Gendarmenmarkt. Das Team ist schon da, Start war eigentlich 20 Uhr, ich stoße gerade richtig zur Hauptspeise dazu.

23:30 Uhr: Ich schmeiße mich in ein Taxi nach Hause. Viel Zeit für Privates ist heute nicht geblieben, aber insgesamt ein sehr abwechslungsreicher Tag.

24 Uhr: Ein letztes Mal checke ich meine E-Mails und den Google-Kalender. Morgen gehts weiter, nicht weniger zu tun. Es bleibt spannend.

00:30 Uhr: Schlafen.

Du bist an weiteren Tagesprotokollen interessiert? Lies auch unseren Artikel „16:50 Uhr: Die E-Mail-Lawine rollt– Ein Tag im Leben von OnPage-Gründer Andreas Bruckschlögl“

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9 Reaktionen
Benny1721

Starke Story; weiter so! Wobei ich meinem Vorredner recht geben muss, dass einige Bilder super wären!

Antworten
Raphael

Coole Artikelreihe, ein paar Bilder zur Story (z.B. vom Büro o.ä.) wären noch nett

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Chris vom Freizeitcafe

Schon schlimm, wenn man null Zeit mehr für Privatssphäre/ein privates Leben abseits davon hat, oder? Ist das jeden Tag so? LG aus Bochum

Antworten
Chris

Schön schlimm, wenn man null Zeit mehr für Privatssphäre hat- oder?

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Ich

Der Bericht ist schon älter, oder? Die Detailsplanung für das erste Quartal 2016 sollte Anfang April doch schon abgeschlossen sein.... ;-)

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Anika

Habe mich dort selber kürzlich - vor zwei Wochen?- angemeldet, gelockt von der kostenfreien Kreditkarte. Bis jetzt ist leider postalisch noch nichts gekommen. Oder bin ich nur zu blöd und man bekommt eh gar keine Karte, nichts haptisches, echtes mehr?Der Ablauf der Anmeldung an sich war super und interessant (Video Chat und so).
Unabhängig davon muss ich sagen, dass man allein mit dem Foto der beiden Herren schon Start-up Bullshit Bingo spielen könnte. iPhone, fesche Brille, Club Mate und Mac Book? Awesome! Obwohl ein paar mehr Sticker auf dem MacBook könntens schon noch sein!

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Marisu

Bei mir kam die Karte 3 Tage nach der Registrierung an. Also ist bei dir was schief gelaufen. Einfach mal anfragen.

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Karl

Karte war bei mir innerhalb von 5 Tagen da.

Soweit alles gut. Einziges Manko ist, dass es KEINE Girocard ("EC") gibt.
Nur Mastercard und Maestro.. :/

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Mike

Number26... einfach Super! Ich bin gerade in Thailand, die Kreditkarte funktioniert an jedem Bankautomaten. In Sekunden habe ich den bezahlten Betrag auf meiner Watch. Amazing!

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