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Penny Go: Wie gut ist der neue Self-Scan-Service?

Penny lässt Kunden in zwei Märkten selber scannen. Der Blick auf die Details zeigt, dass der deutsche Handel viel mutiger werden muss. Die Erklärung.

Von Jochen G. Fuchs
3 Min. Lesezeit
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Penny testet in zwei Märkten in Köln eine neue Self-Service-Lösung. Die Magie von Amazon Go fehlt leider. (Foto: Bjoern Wylezich / Shutterstock.com)

Der Discounter Penny führt in zwei Kölner Märkten einen Test seines neuen Penny-Go-Systems durch, im Supermarktblog beschreibt Peer Schader den Test detailliert. Im Wesentlichen dürfen Kunden anonym mit ihrem Handy und der Penny-Go-App Produkte selber scannen. An einer speziell ausgewiesenen Kasse wird dann ein QR-Code vom Smartphone-Display gescannt und der Kunde verlässt durch eine automatische Schranke den Laden. Damit hat Penny einen wichtigen Punkt eines solchen Self-Scan-Konzeptes erfüllt und dem Kunden Zeitersparnis ermöglicht. Das ist ein Pluspunkt, aber es gäbe noch noch jede Menge Potenzial zur Verbesserung. Der Handel muss mutiger werden, sonst bleibt Amazon Go das ewige Paradebeispiel.

Das Wichtigste für den Kunden: Zeitersparnis und Bequemlichkeit

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Den Kunden Artikel mit dem Handy selbst scannen zulassen, macht ihm Hoffnung, dass er an der Kasse Zeit sparen kann. Und das Geschäft schneller verlassen kann. Bei Penny Go ist das durch eine extra ausgezeichnete Penny-Go-Expresskasse gewährleistet.

Und die eingesparte Zeit, die Bequemlichkeit, die geschonten Nerven durch das Vermeiden der Kassenschlange sind das Wichtigste für den Kunden. Die Technologie ist ihm nicht wichtig. Die Muttergesellschaft Rewe zitiert im Pressebereich zu einem ähnlichen Projekt einen Marktleiter, der über die Motivation der Kunden spekuliert, den Self-Scan-Service zu nutzen: „Vielleicht macht es den Technikaffinen ja einfach mehr Spaß, als ‚konventionell‘ einzukaufen.“

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Wann verschwindet bei der Bewertung solcher Projekte endlich die Denkweise, dass es um Technologie geht? Es geht nicht um die Technologie und um den Scan-Vorgang an sich. Der Kunde will keine Produkte selber scannen! Nein, nein und nochmals nein. Das ist nicht der Teil, der dem Kunden den Spaß bringt. Vermutlich hätten sie mehr Spaß daran, die Produkte mit Filzstiften bunt anzumalen, statt sie zu scannen. Der Kunde will Zeit sparen, der Kunde will schneller aus dem Laden raus, kurzum: Er will es einfacher haben.

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Penny Go: Stolperfallen bei der Kassenauswahl

Die ersten Nutzererfahrungen offenbaren noch Schwächen in der Beschreibung und im Ablauf von Penny Go. Ein Twitter-Nutzer stolperte über die Auszeichnung der Kassen, die anscheinend nicht eindeutig war, und landete an der normalen Kasse. Sein Einkauf endete in der Kassenschlange damit, dass die Verkäuferin die Produkte trotzdem scannte, was dazu führte, dass die gescannten Produkte wieder herausgenommen werden mussten – im Prinzip war der ganze Self-Scan-Aufwand für diesen Kunden umsonst. Ein anderer Kunde fand die Expresskasse auf Anhieb und äußerte sich zufrieden mit dem Vorgang.

Geringe Hürden bei Penny Go: Keine Registrierung und kein Nutzerkonto nötig

Um Penny Go zu nutzen, ist kein Benutzerkonto notwendig. Dadurch ergibt sich eine gewisse Anonymität. Zwar hinterlässt die Kartenzahlung wieder einen Fingerabdruck, aber zumindest das Prinzip der Datensparsamkeit ist erfüllt – und die Hürde der Registrierung fällt, die deutschen Kunden theoretisch missfallen könnte.

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Was verbessert werden könnte: Der Handel muss mutiger werden

Der Vergleich mit Self-Service-Kassen beispielsweise in Frankreich oder Schweden zeigt, dass Händler immer Angst davor haben, dass der Kunde betrügt – oder höflicher ausgedrückt: versehentlich vergisst, etwas zu scannen. In der Regel wird das über eine Waage gelöst: So hängen Kunden bei Coop in Schweden eine Tüte an der Self-Service-Kasse ein und eine integrierte Waage prüft anhand der hinterlegten Gewichtsangaben für das Sortiment, ob der Kunde alle Artikel in der Tüte auch gescannt hat.

Einblick in die Penny-Go-App. (Screenshot: Penny/Apple-App-Store)

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Bei Penny „droht“ der Discounter mit Stichproben, aber im Prinzip verlässt der Kunde ohne Zutun oder Kontrolle durch das Personal den Laden. Eigentlich sind die Schranke nach der Bezahlstation und die Bezahlstation selbst funktionslos, sie stellen nur ein psychologisches Hindernis dar.

Wenn Discounter mutiger aufträten, könnten sie diesen Schritt überspringen und den Bezahlvorgang ins Smartphone verlegen. Die simpelste Lösung böte eine händische Checkout-Funktion in der App. Die beste Lösung stellt im Gegensatz dazu eine Automatisierung des Bezahlvorgangs dar, der zumindest ein wenig in die Nähe von Amazon Go rückt:

Beim Passieren der Schleuse wird der Bezahlvorgang in der App ausgelöst und über vorab hinterlegte Zahlungsdaten abgerechnet. Als Auslöser könnte die sowieso aktivierte Bluetooth-Schnittstelle oder Positionsdaten aus der WLAN-Verbindung genutzt werden. Die Schleuse öffnet sich automatisch, sobald die Zahlung ausgelöst ist. Damit wäre die Kontrollfunktion, die sich der Discounter wünscht, noch erhalten und der Kunde hätte ein schnelleres und vor allem beeindruckenderes Erlebnis, wenn er „ohne Bezahlvorgang“ den Laden verlässt. Wer schon einmal mit Uber gefahren ist, versteht die Macht des Effektes, der dabei entstehen wird: Für den Kunden fühlt sich es an, als hätte er gar nicht bezahlt.

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Torsten Kalwass

Man könnte es sich ja im Ausland abgucken, was erfolgreich, gut und problemlos funktioniert. Oder einfach (mal wieder) schlecht selber machen und es dann doof finden, weil’s irgendwie nicht so läuft wie bei der Konkurrenz…
Das liegt dann bestimmt wieder am Kunden, nicht an der miserablen Planung und Ausführung.

Also wenn man schon von Albert Hejn klaut, dann doch bitte richtig! Und wenn man schon keine Kompetenz im eigenen Unternehmen hat, gleich den nächsten Schritt zu machen klaut man sich auch das Branding dort und nennt ’ne halbgare Lösung einfach 2Go, die nichts mit dem eigentlichen 2Go gemeinsam hat.

Oder: Unter 20 Sekunden vom Einkauf bis zum Checkout, liebe ahnungslose Plagiatoren bei REWE… So sieht’s beim Vorbild aus.

„Die Technologie ist ihm nicht wichtig. “ – Wer schon solche Sätze raushaut zeigt dass er keine Ahnung hat. Theoretisch müsste man denjenigen allein dafür entlassen, wenn jemand so vorsätzlich Projekte und Firmengeld in den Dreck fährt.

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