Anzeige
Anzeige
News

Solarzellen: Neuer Materialmix sorgt für tausendfache Power

Forscher:innen der Universität Halle-Wittenberg präsentieren vielversprechende Ergebnisse: Durch die Verbindung dreier Kristallschichten konnte der photovoltaische Effekt deutlich erhöht werden.

Von Eike Kühl
1 Min.
Artikel merken
Anzeige
Anzeige

(Foto: anatoliy_gleb / Shutterstock)

Auch wenn die deutsche Solarbranche zwischenzeitlich einen Durchhänger hatte, gilt die Photovoltaik immer noch als wichtiger Baustein auf dem Weg, den CO2-Ausstoß zu verringern. Folglich wird immer noch in Technik und Forschung von Solarzellen investiert, etwa an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU).

Anzeige
Anzeige

Dort haben Forscher:innen nun einen neuen Materialmix für Solarzellen vorgestellt, der den photovoltaischen Effekt um den Faktor 1.000 steigert. Dafür erzeugten sie kristalline Schichten aus Barium-, Strontium- und Calciumtitanat, die sie abwechselnd übereinanderlegten. Die Ergebnisse wurden unlängst in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.

Statt dem herkömmlichen Silizium, dessen Wirkungsgrad begrenzt ist, verwenden die Forscher:innen sogenannte Ferroelektrika. „Ferroelektrisch bedeutet, dass das Material räumlich getrennte positive und negative Ladungen besitzt“, erklärt der Physiker Akash Bhatnagar vom Zentrum für Innovationskompetenz Sili-Nano der MLU. Im Gegensatz zu Silizium benötigen ferroelektrische Kristalle für den photovoltaischen Effekt keine positiv und negativ dotierten Schichten, was die Herstellung von Solarmodulen wesentlich erleichtere, so der Experte.

Anzeige
Anzeige

Die Forschenden sind selbst überrascht

Um den Effekt noch zu verstärken, setzten die Wissenschaftler:innen aber nicht nur eine Schicht aus Bariumtitanat ein, sondern betteten diese in zwei weitere paraelektrische Schichten aus Strontium- und Calciumtitanat ein. Dafür wurden die Kristalle mit einem Hochleistungslaser verdampft und auf Trägersubstraten wieder abgelagert. Das so hergestellte Material besteht aus 500 Schichten und ist etwa 200 Nanometer dick.

Anzeige
Anzeige

Bei Tests mit Laserlicht waren die Experten selbst von der Effektivität des Materialmix überrascht. Der Stromfluss war bis zu 1.000 Mal stärker als Messungen es mit reinem Bariumtitanat ergeben hatten. „Offenbar führt die Interaktion der Gitterschichten zu einer wesentlich höheren Permittivität – also dazu, dass die Elektronen aufgrund der Anregung durch die Lichtphotonen deutlich leichter abfließen können“, sagt Bhatagnar.

Inwiefern das ein Durchbruch in der Photovoltaik ist, bleibt abzuwarten. Denn zunächst muss das Material noch auf seine Haltbarkeit und Festigkeit untersucht werden, auch wenn erste Tests auf eine relativ hohe Robustheit hindeuten. Anschließend müssen schlagkräftige Produktionspartner überzeugt und gewonnen werden – ein Prozess, der erfahrungsgemäß lange dauern kann.

Mehr zu diesem Thema
Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Kommentare (5)

Community-Richtlinien

ZHaTVK

Also der Titel und der Artikel passen ja auch nicht so ganz zusammen.

„Der Stromfluss war 1000-fach stärker als mit reinem Bariumtitanat“ > der Faktor 1.000 bezieht sich also auf Vergleich Bariumtitanat & Bariumtitanat + Strontium- und Calciumtitanat und nicht auf Vergleich Bariumtitanat + Silizium. Das wird sowohl im Titel als auch im ersten Absatz aber gänzlich falsch dargestellt (Implizierter Vergleich Neue Technologie/Silizium). Der Vergleich würde aber gewaltig hinken, da Bariumtitanat an sich vergleichsweise wenig Sonnenlicht absorbiert.

So oder so: ziemlich interessante Forschung und das als „Keinen Durchbruch“ zu bezeichnen finde ich für die Forscher nen Schlag ins Gesicht.

Heinz-Bodo Franke

Eine aussagekräftigere Beschreibung wäre gewesen, einen Vergleich zum Wirkungsgrad handelsüblicher. Solarzellen anzustellen. 15-22 % ist der Wirkungsgrad herkömmlicher im Handel öffentlicher Solarmodule.
Der Faktor 1000-fach stärkerer Stromfluss ist einfach irreführend. Worauf bezieht sich “Stromfluss“ ?
Stromstärke Wird in Ampere gemessen. Wie stark sollte denn der Strom gewesen sein?

Kurt Diedrich

Man könnte bei 1000-facher Leistung mit einer Zelle das ganze Haus versorgen. Ein wahres Wunder! Und dann braucht die Superzelle noch nicht mal direktes Sonnenlicht, denn der Autor hat ja ausdrücklich geschrieben, dass die Zellen von den Forschern innen präsentiert wurden. Oder etwa nicht? Leider habe ich den Artikel nicht zu Ende gelesen, weil ich beim zweiten Gendern das Fenster wieder verärgert geschlossen habe. Gendern? Mit mir nicht!

Erich Pawlik

Ich finde das Ergebnis spannend, da besser Solarzellen (selbst wenn das noch ein paar Prozent sind) ja eine erhebliche Wirkung haben können. Ich bin daher auch für jeden inhaltlichen Kommentar dankbar, da ein Faktor 1.000 immer Misstrauen erweckt. Die Ausbeute einer Solarzelle hängt ja von der Einstrahlung ab, mehr als 100% Ausbeute ist nicht möglich, d.h. maximal ein Faktor 3-4 (wahrscheinlich weniger, aber ich bin kein Fachmann für diese Materialien).

Was mich verstört, ist, ist die Bemerkung zum Gendern. Solange es keine Regeln von Institutionen (Universitäten, Publikationen, Firmen usw.) gibt, die eine bestimmte Praxis erfordern, sollte jede(r) die Freiheit haben, zu gendern oder nicht zu gendern, wie sie/er es möchte. Und Personen, die unterschiedliche Praktiken haben, sollten weiterhin sachlich miteinander kommunizieren. Bitte keinen Kulturkampf.

STRomzAeHLEr

Originale Veröffentlichung (Englisch) hier:
https://advances.sciencemag.org/content/7/23/eabe4206.full
Hier gibt’s wenigstens genauere Infos und Nachweise.
Ten – ihr seid über ’ne Woche drüber!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Kommentar abgeben

Melde dich an, um Kommentare schreiben und mit anderen Leser:innen und unseren Autor:innen diskutieren zu können.

Anmelden und kommentieren

Du hast noch keinen t3n-Account? Hier registrieren

Anzeige
Anzeige