Interview

Piraten-Chef: „Ich versuche gerade so eine Art Klamottenkodex zu diskutieren“

Piratenpartei-Chef Patrick Schiffer. (Foto: dpa)

Was macht eigentlich die Piratenpartei? Piraten-Chef Patrick Schiffer hat t3n.de verraten, wie er die Partei aus dem Tief führen will: Vor allem mit mehr Professionalität.

t3n.de: Wo genau stehen die Piraten aktuell politisch eigentlich? Sind die Piraten jetzt offiziell sozialliberal?

Patrick Schiffer: Es gab Landesparteitage, die das beschlossen hatten – das kam damals als Gegenbewegung zu den Linken in der Partei auf. Aber egal mit welchem Politikwissenschaftler du sprichst: Er wird dir immer sagen, dass wir uns im linksliberalen Spektrum zwischen Grünen, FDP, Linken und vielleicht noch der SPD bewegen. Ich warne da selbst vor zu viel Nähe zu der FDP, weil das potentielle Wähler abschrecken könnte. Auf der anderen Seite geben wir natürlich den Leuten eine Heimat, die bei der FDP den Wirtschaftsliberalismus ablehnen.

t3n.de: Beim Aufstieg und Fall der Piratenpartei konnte man den Eindruck gewinnen, dass die ideologische Grundausrichtung der Partei fehlte. Gegen Zensur im Internet sein reicht als verbindendes Element für eine Partei einfach nicht, oder?

Wir hatten radikale Kräfte im linken und im rechten Bereich – die sind jetzt beide raus.

t3n.de: Auch viele Prominente haben die Partei verlassen …

Ja, Martin Delius, Marina Weisband, jetzt zuletzt Katharina Nocun, was sehr bitter ist.

t3n.de: Und die war ja auch nicht besonders links, sondern voll auf Piratenpartei-Linie. Warum ist Katharina Nocun zum Beispiel gegangen?

„Da sitzt dann Marina im Fernsehen und es steht nicht mehr Piratenpartei dran. Das tut weh.“

Ich vermute, dass sie lieber im NGO-Bereich arbeiten will. Und von NGOs kennt man es ja, dass sie Leute haben wollen, die parteipolitisch neutral sind. Das war bei einigen anderen, glaube ich, auch der Austrittsgrund. Sie haben gesehen, dass das, was sie in der Piratenpartei machen, beispielsweise auch bei Campact oder Greenpeace machen können. Die funktionieren, was ihre Größe und Handlungsfähigkeit angeht, fast wie richtige Unternehmen. Da ist man nicht an den parlamentarischen Betrieb gebunden und man kann viel aktivistischer arbeiten. Für Leute, die bekannt sind, ist das natürlich attraktiv.

t3n.de: Andere Prominente wie Martin Delius und Christopher Lauer haben die Partei aber auch in Richtung anderer Parteien verlassen.

Ja, das kann ich auch keinem verübeln, muss ich ganz ehrlich sagen. Aber auch wenn wir mal deutlich größer waren, kann man sagen, dass sich an unserem Grundaufbau nicht viel geändert hat. Viele Leute an der Basis sind noch da und wir haben eine unglaublich aktive kommunale Arbeit. Insofern tut es weh, wenn Leute fehlen, die das transportieren. Da sitzt dann Marina im Fernsehen und es steht nicht mehr Piratenpartei dran. Das tut weh.

t3n.de: Hast du persönlich versucht, sie vom Austritt abzuhalten?

Ich habe Gespräche geführt, auch schon bevor ich Bundesvorsitzender war. In der Partei gelte ich als jemand, der Brücken baut und ich hatte auch zu den linken Kräften immer ein sehr gutes Verhältnis. Ich habe versucht, alle an einen Tisch zu bekommen – das ist mir nicht gelungen.

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