Interview

Plug-and-Play-Chef: „Der Wille zur Perfektion bremst deutsche Gründer aus“

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Auf jeden Fall! Deutschland läuft sonst Gefahr, nicht mehr länger eine der international wichtigen Brutstätten für Unternehmer zu sein. Wir haben von Plug and Play Büros in Frankfurt und Stuttgart, in Hamburg und München – und wir glauben, dass wir die Unternehmen international vernetzen können, beispielsweise mit dem Silicon Valley oder mit China. Und das wollen wir mit den großen Startups aus Deutschland machen.

t3n: Glaubst du, dass der Brexit neue Chancen für Deutschland bringt?

Ja, das ist auch der Grund, warum wir unser Büro in Frankfurt eröffnet haben. Wir haben da sehr viele Unternehmen der Fintech-Szene angesiedelt, die bisher insbesondere in London sehr stark waren. Wir glauben aber, dass gerade Frankfurt hier der nächste große Fintech-Hub für den europäischen Markt werden kann, weil dort die Regulierungsbehörden sitzen und viele wichtige Banken.

t3n: Wie sieht es in der Automobilwirtschaft aus? Da sind deutsche Unternehmen traditionell stark …

„Die Eigenschaft der Deutschen, alles immer perfekt machen zu wollen, bremst sie aus.“

Ich glaube tatsächlich, dass Unternehmen wie Mercedes, BMW und Audi weiterhin stark bleiben und großartige Autos fertigen werden. Noch mehr glaube ich aber, dass gerade sich China im Bereich der Elektromobilität und des autonomen Fahrens deutlich schneller und erfolgreicher bewegt – und dass auch in den USA Tesla und die Firmen in diesem Dunstkreis erfolgreich werden. Die Eigenschaft der Deutschen, alles immer perfekt machen zu wollen, bremst sie ein wenig aus. Großartige Ingenieurstechnik, aber weniger schnell und agil als etwa im Silicon Valley oder in China.

t3n: Macht die deutsche Politik auch Fehler in diesem Kontext?

Wir hatten Frankreich vorhin schon kurz angesprochen – ich sehe, dass die Franzosen, insbesondere unter der neuen Regierung Macron, vieles richtig machen. Macron ist den Gründern und den Startups sehr zugetan und hat beispielsweise eine 5-Milliarden-Investition in Gründerfonds angekündigt. Plug and Play war in den 2000er-Jahren in Kaliformien einer der ersten Orte, an dem 550 Startups unter einem Dach versammelt waren. In der Station F in Paris sind es heute immerhin 800 Unternehmen, die zusammenkommen. Das ist ein hoch interessanter Platz, wo viel Spannendes passiert. Es ist ein vollständiges Ökosystem entstanden, in dem sich die Unternehmen gegenseitig befruchten. In dieser Hinsicht könnte in Deutschland echt mehr getan werden. Es ist an der Zeit, Gründer durch Investitionen, Partnerschaften und die Förderung ihrer Ideen zu feiern.

t3n: Was sollten Startups tun, wie sollten sich Gründer aufstellen, wenn sie erfolgreich sein wollen? Was sind Kardinalfehler, die du immer wieder siehst?

Gründer denken mit ihren Unternehmen oftmals nicht weit genug. Sie fragen sich nicht, wo sie in ein oder zwei Jahren stehen wollen. Sie schauen aber auch zu wenig in ihr Umfeld und denken zu wenig darüber nach, welcher Investor für sie anhand der Entwicklung anderer vergleichbarer Unternehmen der richtige sein könnte. Große Investoren wie Plug and Play können Türen öffnen und Startups beispielsweise mit großen Konzernen oder Partnern zusammenführen – das ist die beste Form der Kontaktanbahnung, die man sich vorstellen kann. Gebt am Anfang nicht zu viele Unternehmensanteile weg – mehr als 10 oder 15 Prozent sind da oft zu großzügig gedacht in der C-Phase mit unter einer Million. Schaut Euch andere Startups in eurem Umfeld an und lernt von diesen – kopiert sie nicht, sondern versucht, in einer Art Mashup den für euch richtigen Weg zu finden. Es gibt so viele Unternehmer, die in ähnlichen Situationen waren und die ihren Weg gemacht haben – und daran sollte man sich orientieren und von deren Erfahrungen lernen. Und denkt nicht über einen Plan B nach – das ist nur ein Zeichen dafür, dass Ihr von eurer aktuellen Idee nicht völlig überzeugt seid.

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