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Kommentar

Problemfall Wikipedia: Kein Lexikon für alle

Was das Volk will, zählt bei Wikipedia nichts. Das zeigt ein aktueller, frauenfeindlicher Löschkrieg. Das muss sich ändern.

Von Jochen G. Fuchs
1 Min.
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Was wir lesen wollen, interessiert die Wikipedia nicht. (Foto: Tero Vesalainen / Shutterstock.com)

In den letzten Tagen ist erneut ein Streit um Wikipedia entbrannt: Theresa Hannig, eine mit dem renommierten Seraph-Preis ausgezeichnete Science-Fiction-Autorin, hat eine Liste mit SF-Autorinnen angelegt. In der Folge ging ein Schwall von Löschanträgen nieder, auch die Wikipedia-Seite der Autorin wurde zum Löschen vorgeschlagen. Letztlich hat sich nach langem Hin und Her die Vernunft durchgesetzt, die Liste bleibt. Es hätte auch anders ausgehen können, denn für die Wikipedia spielt es keine Rolle, welche Inhalte wir Leser dort sehen wollen.

Wikipedia: Elitär und teilweise frauenfeindlich

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„Die Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie aus freien Inhalten, zu denen du sehr gern beitragen kannst“, heißt es auf der Website. Eigentlich müsse dieser einleitende Satz umformuliert werden: Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie aus freien Inhalten, zu denen du nur unter großen Schwierigkeiten etwas beitragen kannst. In der Regel werden abstruse Regeln und Administratoren über deine Artikel bestimmen, misogyne Nutzer werden Beiträge über Frauen löschen und was die Allgemeinheit will, interessiert dort niemanden.

Macht Wikipedia wieder zu einem Lexikon für alle

Als Hannig sich in der Löschdiskussion auf die mehrheitlichen Stimmen für die Liste berief, antwortete der Admin Karsten11: „Löschdiskussionen sind keine Abstimmungen. Es werden Argumente gesammelt, die am Ende ein Admin auswertet. “

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Hannig bringt die elitäre Einstellung hinter dieser arroganten Antwort in einem Blogbeitrag auf den Punkt: „Das Fußvolk darf zwar seine Meinung sagen – wird aber ignoriert. Der Admin trifft seine Entscheidung nicht aufgrund eines demokratischen Entscheidungsprozesses, sondern nach Gutdünken. Unter solchen Umständen ist die Diskussion eine Farce und der Community-Gedanke der Wikipedia vollkommen ad absurdum geführt.“

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Ja, ein solches Projekt braucht ein Regelwerk, sonst herrscht Anarchie. Aber wenn die Regeln so aussehen, hätten wir auch den Brockhaus behalten können. 3.500 Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia sind veraltet, neue Autoren werden vergrault. Es wird Zeit, das Regelwerk zu überarbeiten und dem „Volk“ mehr Rechte einzuräumen. Ein Lexikon für alle ist eine Demokratie und keine elende Diktatur.

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Kommentare (8)

Community-Richtlinien

Christian Müller

In Anbetracht dieses Artikels muss man Wikipedia auch mal verteidigen:
In der Wikipedia geht es nicht darum, „was das Volk will“, sondern darum Wissen, das auf lange Sicht erhaltenswert und relevant ist, zu sammeln. Dazu wurden im Laufe der Zeit gewisse Kriterien formuliert, deren Erfüllung Auskunft über die tatsächliche Relevanz eines Themas gibt. Wer sich daran orientiert, wird auch als neuer Benutzer keine „großen Schwierigkeiten“ haben, etwas beizutragen. Es ist nicht abzustreiten dass nicht alles perfekt in der Wikipedia läuft, aber diese Regeln beziehungsweise die Wikipedia allgemein als abstrus und elitär zu bezeichnen, finde ich noch doch zu sehr überzogen. Die Darstellung dass es die Regel sei, dass „misogyne Nutzer […] Beiträge über Frauen löschen“ ist aber dann wirklich zu reißerisch.
Zu dem genannten Fall: Der erste Löschantrag wurde aufgrund möglicher Redundanz zu einer bereits vorhandenen Liste gestellt, der zweite genau wie der Artikel über die Autorin von einer IP-Adresse, also von einem unangemeldeten und in aller Regel neuen Benutzer, gestellt (so viel dazu, dass neue Nutzer keine Möglichkeit hätten mitzuwirken). Aber natürlich sind einige Einwände von Nutzern nicht zu vertreten, dies kann man aber nicht als Gesamtstimmung in dieser Enzyklopädie darstellen!
Und zum Demokratiethema: es hat schon seine Gründe dass es Administratoren gibt und solche Diskussionen keine Abstimmungen sind. Dies wird spätestens bei Aufrufen zur Abstimmung wie auch in diesem Fall auf z.B. Twitter klar: es sollten nicht die Masse der Stimmen sondern tatsächlich die Argumente (man denke beispielsweise an die Auswirkungen von Bots oder Nutzern mit mehreren Konten) zählen. Da ist dieses System mit gewählten Adminitratoren doch demokratischer. Und zu guter Letzt: 3500 veraltete Artikel bei 2.285.015 Gesamtartikeln ist wirklich verhältnismäßig minimal, die Autoren machen das schließlich in ihrer Freizeit…

Mastacheata

Bei Wikipedia kann sich jeder anmelden und Einträge (auch bei Löschdiskussionen) erstellen. Die meisten Sachen gehen sogar komplett ohne Anmeldung.
Wenn jetzt eine Löschdiskussion alleine nach der Mehrheitsmeinung entschieden würde, würden keine Artikel mehr gelöscht. Dann würden sich einfach 100 Bots bei Wikipedia für die Beibehaltung des Artikels einsetzen oder ich frage 10 Freunde ob sie nicht mal eben für mich abstimmen würden.

Das kann nicht funktionieren. Stattdessen wird versucht einen Konsens zu erreichen oder letztendlich durch einen gewählten Vertreter (die Admins) entschieden.
Die Admins selbst sind übrigens keine Wikimedia-Mitarbeiter sondern einfach per Abstimmung nach Mehrheitsprinzip gewählt worden. (Allerdings sind solche Wahlen nur Mitgliedern mit Nutzerkonto und einer gewissen Aktivität in Wikipedia vorbehalten)

Flower

Ich verstehe nicht ganz. Es gibt doch sicher schon eine SF-Autoren-Liste, in der alle (also Frauen und Männer) drin stehen!?

Oder warum sollten die Frauen hier ne extra Wurst bekommen?

Sebos

Wikipedia ist aus einer guten Idee zu einer Kloake für Kleinkriege und kommerzieller PR geworden. Also quasi die Entwicklung des Internets mitgemacht :-) Alles was nicht der Mehrheitsmeinung der Wiki-Autoren entspricht, wird prinzipiell gelöscht oder aber völlig sinnentstellt umgeschrieben eingepflegt.

Ich kann drauf verzichten. Schade nur um die vielen Menschen, welche Wikipedia für ein seriöses Nachschlagewerk halten …

Jan Ericsson

Dieser Kommentar ist absolut Schwachsinn und ihr wisst das. Christian Müller hat alles geschrieben was nötig ist.
Überall wird versucht Stimmung zu machen. Teils mit dreisten Lügen. Wie mich das aufregt. t3n war die längste Zeit meine Startseite. Tschüss.

Ingolf Meinhardt

Der ganze Beitrag ist doch völlig sinnlos, es werden irgendwelche Fakten genannt, aber keine Hintergründe, um was es eigentlich geht, z.B. welche Autoren waren denn in der Liste aufgeführt (und welche nicht? Vielleicht fühlte sich ja einer übergangen?), welche Argumente wurde genannt PRO Artikel bzw. PRO Löschen. Einfach nur meckern, passt ja gerade in die aktuelle Diskussion um die Zukunft des Internets.
Im Kommentar von Christian Müller dann die Erklärung, die in den Artikel selbst gehören würden.

Elisa

Lächerlicher Beitrag.
Schon lange überfällig – t3n ist als Startseite und Lesezeichen raus.
Tüdelü.

Michael

Diese kann diese Willkür durchaus bestätigen. Ich bin dort auf Lebenszeit gesperrt, weil ich darauf gepocht habe – analog zu vielen Personen, die in meiner Branche tätig sind – einen Namenseintrag mit Berufsangabe von mir dort veröffentlicht zu sehen.

Nach nur sehr kurzer Diskussion hat mich ein Admin einfach gesperrt.

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