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Kommentar

Warum ihr zum Programmieren lernen nicht studieren müsst

Zum Programmieren lernen müsst ihr keinesfalls studieren. (Foto: Shutterstock)

Wer programmieren lernen will, muss Informatik studieren. Ein Irrglaube, der immer noch weit verbreitet ist. Warum das eben genau nicht der Fall ist und wie ihr wirklich Programmieren lernt.

Software ist aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Kein Smartphone, Laptop oder Smart TV würde ohne Software funktionieren. Täglich laden wir uns kostenlose Apps herunter, surfen zwischen unzähligen Websites, lesen Nachrichten im Fahrgastfernsehen der U-Bahn, hören Musik beim Einkaufen und abends entspannen wir zur neuesten Netflix-Serie. Auch während du das hier liest, verwendest du sogar gleich mehrere Anwendungen, die alle erst programmiert werden mussten. Ich selbst nutze am Tag länger irgendwelche Software, als das ich keine nutze – ohne darüber wirklich nachzudenken: beim Kochen, Arbeiten, Lernen, Lesen, Einkaufen und so weiter und so weiter. Programmieren ist in der heutigen Zeit eine der meist gefragtesten Fähigkeiten. Für viele ist das jedoch eher moderne Hexerei, als eine zu erlernende Begabung: „Das hast du wirklich selbst geschrieben?“, oder „Das könnte ich niemals“, sind keine seltenen Reaktionen, die Programmierer und auch ich selbst immer wieder zu hören bekommen.

Das Informatikstudium will dir nicht das Programmieren beibringen

Als Jugendlicher geriet ich durch meinen Bruder erstmals an Java. Meine damaligen Endgegner, Arrays, sorgten dafür, dass ich das Programmieren erst mal wieder sein ließ. Doch später packte mich der Ehrgeiz erneut und ich lernte die grundlegenden Konzepte von Java. Inzwischen studiere ich im fünften Semester Informatik an der Leibniz-Universität in Hannover. Wenn ich mich bei meinen Kommilitonen so umhöre, ist es vielen so ergangen wie mir: Sie sind irgendwann irgendwie auf das Programmieren gestoßen und haben es sich dann selbst beigebracht. Doch Informatik ist ein Studiengang, für den sich viele auch entscheiden, weil sie dort Programmieren lernen wollen. Denn die Fähigkeit, so vermitteln es viele Unis, ist keinesfalls eine Voraussetzung für das Studium.

Du willst Programmieren lernen? Dann ist das Informatikstudium nicht unbedingt die beste Wahl. (Foto: Matej Kastelic/ Shutterstock)

Doch das sollte es meiner Meinung nach sein – wenigstens das grundlegende Verständnis des Programmierens. Denn hinter der Erstsemesterveranstaltung „Programmieren 1“ verbirgt sich weniger das Vermitteln der grundlegenden Logik und der Konzepte hinter dem Entwickeln als vielmehr das Erlernen der Sprache C. Ich finde jedoch, dass C alles andere als anfängerfreundlich ist. Für Kommilitonen ohne Programmiervorkenntnisse wurden die wöchentlichen Aufgaben so zu einer echten Herausforderung. Einige verloren die Motivation und scheiterten. Wer also nicht bereits ab seinem ersten Tag an der Uni etwas aufzuholen haben will, sollte sich bereits vorher damit beschäftigen. Sobald man die grundlegenden Konzepte des Programmierens versteht, können auch neue Programmiersprachen bedeutend schneller gelernt werden.

Das Informatikstudium in Hannover ist, vermutlich wie an vielen anderen Universitäten auch, weniger darauf ausgelegt, den Studenten das Programmieren beizubringen, als vielmehr die wichtigen Dinge drumherum zu vermitteln. Zum Beispiel: Wie arbeite ich an einem Software-Projekt in einem Team, wie sind eigentlich die ganzen Konstrukte, die ich in höheren Programmiersprachen wie Java benutze, implementiert und wie setze ich sie performant ein. Aber auch Mathe oder Elektrotechnik sind Studieninhalte, die nicht jeder reine Software-Entwickler in dem Ausmaß zwangsweise für seinen späteren Job lernen muss (aber nicht jeder Informatikstudent wird später Entwickler). Auf der anderen Seite dient das Wissen darüber hinaus als Grundlage für viele Vertiefungsfächer wie beispielsweise für künstliche Intelligenz. Aber auch für das Entwickeln von vielen Anwendungen ist zumindest ein gutes mathematisches Verständnis nötig.

„Learning by Doing“ ist der berühmte Schlüssel zum Erfolg

Doch wie könnt ihr nun Programmieren lernen? Dafür braucht ihr erst mal kein Mathe – geschweige denn Elektrotechnik. Die wohl besten Möglichkeiten bieten euch zahlreiche Quellen im Internet. Ganz egal, ob mit Youtube-Videos oder spielerischen Apps: Lesen, zuschauen und nachvollziehen reicht nicht. Tischtennis hat auch noch keiner nur durch das Beobachten eines Spiels oder das Lesen der Regeln gelernt. Selbst machen ist beim Programmieren genauso wichtig wie beim Sport.

Wer programmieren will, wird wohl niemals damit aufhören zu lernen. (Bild: Shutterstock/stoatphoto)
Wer programmieren will, wird wohl niemals damit aufhören, zu lernen. (Bild: Shutterstock/stoatphoto)

Sport ist tatsächlich ein ganz guter Vergleich. Denn sowohl beim Sport als auch beim Programmieren lernt man nie aus. Es gibt immer wieder neue Sprachen, Design-Patterns, Features und Möglichkeiten, ein Problem noch besser zu lösen. Fehler analysieren und beheben, ein Software-Projekt planen und abschließen, Code optimieren – das alles ist wichtig, um Erfahrungen zu sammeln. Es ist Teil des Lernprozesses. Das klingt erst mal aufwendig oder sogar abschreckend. Doch die ersten Schritte sind beim Programmieren schnell gegangen und werden auch von Erfolg gekrönt sein. Bereits mit einfachen Mitteln erscheint die erste „Hello World“-Ausgabe auf dem Bildschirm und sorgt für Motivation, das erste eigene Programm zu schreiben. Auch wenn sich Anfänger dabei schnell übernehmen: Nicht gleich Tetris entwickeln wollen, sondern lieber mit einem einfachen Taschenrechner mit Konsolenein- und ausgabe anfangen. Beim Tischtennis tritt ja auch kein Anfänger direkt gegen den Vereinsbesten an.

Aber auch wenn ihr euch für ein Studium entscheiden solltet, gilt weiterhin das Motto „Learning by Doing“. Deswegen suchen sich viele Informatikstudenten neben dem sonst häufig sehr theoretischem Studium eigene Projekte, an denen sie nebenbei arbeiten. Das reicht vom Schreiben einer eigenen App bis hin zur Entwicklung eines 2D-Spiels in einem kleinen Team. Als Alternative zur klassischen Universität sollten auch die praxisorientierteren Ausbildungswege an der Fachhochschule oder auch eine Ausbildung in Betracht gezogen werden. Doch ähnlich wie bei kreativen Berufen ist auch als Entwickler am Ende ein breites Portfolio sowie die Erfahrungen und Fähigkeiten für viele Unternehmen entscheidender als der Abschluss.

Programmieren ist mehr als ein Beruf

Wer nur Programmieren lernen will, weil er damit gutes Geld verdienen kann, wird damit vermutlich wenig Erfolg haben. Denn das Ganze sollte einem wirklich Spaß machen, ein Hobby sein. Wer seine Freizeit dafür nicht gerne „opfert“, wird über kurz oder lang damit aufhören. Denn das Sammeln von Erfahrung und das Selbermachen ist zum Programmieren lernen unabdingbar. Seit ich das erste Mal richtig angefangen habe, aktiv Programmieren zu lernen, habe ich eigentlich nie aufgehört, nebenbei an irgendeinem Projekt zu arbeiten. Und obwohl ich durch mein Studium nicht die ersten Schritte des Programmierens gelernt habe, lerne ich trotzdem vieles dafür und darüber hinaus, aber eben nicht alles. Dennoch hat es meinem Lernprozess stark geholfen und ihn vorangebracht. Doch zum eigentlichen Programmieren muss niemand Informatik studieren.

Passend dazu: Programmieren lernen im Selbststudium: Der magische Meilenstein

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14 Reaktionen
Harald Bronstering

"Programmieren ist in der heutigen Zeit eine der meist gefragtesten Fähigkeiten. Für viele ist das jedoch eher moderne Hexerei, als eine zu erlernende Begabung: ..." So steht es im Artikel. Ich weiß ja, was gemeint ist, würde es aber lieber in richtigem Deutsch lesen.

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Jan Nebendahl

Man muss zum Programmieren nicht studieren. Es gibt auch den Lehrberuf "Fachinformatuker Anwendungsentwicklung".

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Bernd

Vielleicht sollte man noch zwischen Universität und Fachhochschule unterscheiden, denn an letzterer hatte zumindest ich in nahezu jedem Fach jeweils zur Hälfte Theorie und zur Hälfte Praxis. Unterm Strich ist man nach dem Studium aber auch kein Programmierer oder Softwareentwickler, sondern hat vom breiten Spektrum der Informatik einen Überblick erhalten. Praxissemester und Bachelorarbeit bieten dann die Möglichkeit, sich etwas mehr mit ein oder zwei Bereichen auseinander zu setzen.
Was jedoch viel wichtiger ist, dass man sich im Laufe des Studiums die Fähigkeit der Problemlösung aneignet, zumindest an der FH. Und genau das fehlt jedem Hobbyprogrammierer / Tischtennisspieler.

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Kahalla

Ohne Hobbyfachkräfte gäbe es weder Universitäten noch Strom.. Klar wirbeln die jede penible Ordnung durcheinander und sorgen dafür das man sich immer was neues einfallen lassen muss. Egal ob man das gut oder eher lästig findet, abschaffen kann man es nicht und es wird auch immer die geben die ordnungsliebend alles "korrekt" haben wollen.
Egal ob an der Uni, in einer Entwickler-Community oder im ganz realen Leben ( also dem was wir Menschen darunter verstehen) Niemals kann der Ordnungsfreak ohne den Chaoten auskommen und keiner kann gewinnen. Das ist eine Art Perpetuum Mobile in das zwar Energie reingesteckt wird, aber wo hinten auch was raus kommt.... im besten Fall sogar etwas das mehr wert ist, als das was vorne rein ging. Und dass es das gibt beweist das, was wir heute Fortschritt nennen.

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Thomas D.

Zum Programmieren nicht, aber um ein guter Programmierer zu werden. Da gehört wesentlich mehr zu, als nur Programmieren zu können. Ist ein bißchen wie auf dem Bau: Um eine gute und stabile Mauer zu bauen, reicht der Maurer. Für ein ganzes Haus nehme ich dann doch lieber einen Architekten, der das Haus als Ganzes versteht und die Gewerke, die neben der Mauer noch wichtig sind.

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Robert W.

und sie glauben, dass ich als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung nicht das Haus verstehe? Ich hab sogar bei Berufseinstieg sowas wie Berufserfahrung und social skills, die wie ich später merkte, heute sogar noch viel wichtiger sind als ein reiner Nerd in seiner Programmiersprache zu sein. Und der Rest ist kontinuierliche Weiterbildung, da das Wissen sich alle 2 Jahre gefühlt verdoppelt.

PS @t3n: nehmt doch bitte eine andere Font-family. Man hat ständig das Gefühl ein großes "I" geschrieben zu haben.

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jkladf

Wenn ich Programmierer einstellen müsste, dann wäre es genau die Nachricht, die ich jedem mit auf den Weg geben würde. Das Schöne daran ist, dass nicht studierte später in einer schlechteren Verhandlungsposition ist. Auch wenn jeder behauptet, dass Noten und Zeugnisse nicht wichtig sind, wird spätestens bei der Gehaltsverhandlung damit wieder angefangen.

Wer Bock hat, soll studieren.

Übrigens wird an den Unis niemanden beigebracht, wie man programmiert. Man bekommt ein Semester lang eine Einführung in die Programmierwelt und danach wird erwartet, dass man es kann.

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Titus von Unhold

Grundsätzlich weil Deutsche eine schwere Sprache ist und nicht mehr genau genommen wird. Der Terminus "programmieren" steht nämlich für das Einstellen bestimmter Parameter eines fertigen Programms durch den Anwender (=Programmierer), während das Schreiben von Code als *Entwicklung* bezeichnet wird. Wer seinen Wecker einstellt, programmiert also.

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Andreas Domin

Hallo Titus,

das Eine wie auch das Andere ist absolut korrekt und wird vom Duden auch so definiert.

Definition von programmieren ist u.a. laut Duden:
„ein Programm für einen Computer, eine computergesteuerte Anlage o. Ä. aufstellen; einem Computer Instruktionen eingeben“

Viele Grüße
Andreas

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Robert W.

egal ob Programmierer oder Entwickler oder EDVler ... am Ende heißt es: Du machst doch irgendwas mit Computern, kannst du mir nicht mal meinen PC reparieren :-D :-D

Alter Hase

Ich bin Fachinformatiker und sah das Studium als Zusatzqualifikation. Bei mir an der FH kam im 1. Semester Java, im 2. C (mit dem Hintergrund der Algorithmen und Datenstrukturen).

Viele hatten anfänglich Probleme mit dem programmieren und sich dann nach der Vorlesung an "alte Hasen" wie mich gewandt, die eine entsprechende Routine und methodisches Vorgehen bereits inne hatten, um sich auf den richtigen Weg führen zu lassen.

Ich brach das Studium nach ein paar Jahren ab, weil mir gewisse Fächer, die mich nicht interessierten, im Weg standen und ich meine persönlich gesteckten Ziele (den Abschluss ausgenommen) an das Studium erreicht hatte.

Ja, der Weg ist das Ziel, das trifft auch beim Programmieren zu, aber man muss auch ein gewisses, abstraktes Verständnis für das haben, was man da tut, und klar definierte Anforderungen im Auge behalten.

Was die meisten Leute nicht sehen, ist dass nur ein Bruchteil der Entwicklung von Software tatsächlich auf die Programmierung entfällt. Anforderungen werden erhoben, geprüft, Konzepte und Workflows erstellt, Datenstrukturen designed, erst dann wird in die Tasten gehauen.
Und damit nicht genug, denn jemand muss das, was geschrieben wurde, auch testen. Und dafür dann auch wieder Konzepte geschrieben werden, was muss wie getestet werden etc. pp.

Ja, programmieren ist wichtig. Aber ohne Verständnis der Mechanismen dahinter, ohne Sicht auf das, was war und das, was wird, ist man auch nichts anderes als ein Codemonkey, ein dressierter Affe, denn man wird nicht für das Programmieren bezahlt, sondern für die Benutzung seines Verstandes.

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Robert W.

also um eine Story zu erstellen, braucht es nicht so viel Zeit, höchstens ein bissl Kommunikation, dass jeder die Akzeptanzkriteriuen verstanden hat. Abgesehen davon, dass das Aufgabe vom Product Owner ist. Seitenlange Konzepte, die dann später wieder verworfen werden oder am Kundenbedürfnis vorbei entwickelt werden, schreibt man doch nicht mehr^^

außer vllt. bei der Arbeitsagentur :-D
https://t3n.de/news/bundesagentur-fuer-arbeit-software-796431/

Gruß von FIAN zu FIAN

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Frank

Ich hab ein Studium zum Medianinformatiker an einer Hochschule gemacht und muss sagen: Bis auf einen Abschluss hat mir das Studium nix gebracht. Alles was ich im Job brauche, habe ich mir selber beigebracht.

Ich hab das Gefühl dass die Methoden und Inhalte beim Studium nach Jahrzehnten immernoch die gleichen sind, weil die Profs denken: wir mussten das damals lernen also lernen das die heutigen Studenten gefälligst auch. Ganz egal ob das sinnvoll ist oder nicht.

Also ich war von meinem Studium schwer enttäuscht obwohl es ja angeblich an einer Hochschule praxisorientierter zugehen sollte, wurde eigentlich fast ausschließlich theoretischer mathematischer Non-sense vermittelt, der Niemandem auch nur im Ansatz bei programmieren hilft.

Antworten
boo

nein bitte nicht noch mehr hobby-fachkräfte, die am markt die preise drücken und nur unwartbaren mist abliefern. schlimm genug, dass kernkompetenzen mittlerweile selbst im studium viel zu kurz kommen.

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