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Interview

Protonet-Gründer: „Es herrschte Katastrophenstimmung“

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Das Wort von Tim Draper, unserem größten Einzel-Investor. Schon während der Zeit bei Y-Combinator ging uns langsam das Geld aus, sodass wir mehrere Business-Pläne ausgearbeitet haben. Als ich Draper die Pläne im Meeting vorstellte, sagte er nur trocken zu mir: „Hast du mal überlegt, den Stecker zu ziehen?“ Ich hab das erst gar nicht verstanden und meine Idee verteidigt. Seine Aussage war dann: „Hör mal, ich glaube an dich. Aber willst du wirklich die ganzen Altlasten mit dir herumtragen? Mach doch lieber die andere Sache, von der du mir erzählt hast. Das erste Geld kommt von mir.“ Da klar war, dass wir ohne Draper als Lead-Investor kein frisches Geld mehr zusammenkriegen, bin ich nach Hause gegangen und hab die schwere Entscheidung getroffen.

t3n.de: Für den Insolvenzantrag.

Genau. Ich bin dann am nächsten Tag nach Hamburg geflogen und habe den Insolvenzantrag beim Amtsgericht eingereicht.

t3n.de: Wie hat sich das angefühlt?

Die Abgabe der Insolvenzunterlagen war höchst unspektakulär. Der Mitarbeiter des Amtsgerichts saß hinter seinem Schalter und sagte nur zu mir: „Legen Sie die Sachen einfach dort in die Ablage, wir melden uns nächste Woche“. Das waren sehr harte Tage für mich. Es ist viel Herzblut in die Idee geflossen.

t3n.de: Du musstest im Zuge der Insolvenz auch fast alle 16 Mitarbeiter entlassen. Wie wurde das aufgenommen?

In den ersten Tagen herrschte Katastrophenstimmung. Wir haben die Insolvenz-Meldung nur kurz an eure Redaktion geschickt und direkt alle Telefone auf Anrufbeantworter gestellt. Die Mitarbeiter zu kündigen, war sehr hart. Einerseits ist allen bewusst, dass sie ihren Job verlieren, andererseits müssen sie trotzdem erstmal weiter zur Arbeit gehen und die Firma abwickeln. Zwischen all dem Chaos mussten wir ja auch noch Kunden betreuen und eine Lösung bauen, damit bestehende Server noch funktionstüchtig bleiben. Als wir am nächsten Tag die Telefone wieder angeschaltet haben, wurden wir aber erst richtig überrumpelt.

t3n.de: Worauf willst du hinaus?

Es riefen mehr als 100 Kunden an. Sie meinten: „Hey, das könnt ihr jetzt nicht bringen. Unser ganzes Unternehmen läuft auf eurer Software! Wir haben keine Alternativen!“ Die Leute wollten uns sogar Geld bezahlen dafür, dass sie Protonet weiter nutzen können. Da wurde mir bewusst, dass es mit unserer Software vielleicht wirklich noch mal einen Neuanfang geben kann.

t3n.de: Am Neuanfang habt ihr die vergangenen Monate gearbeitet. Wie sehen die Pläne jetzt konkret aus?

Wir konzentrieren uns mit einem Team aus sechs bis zwölf freien Mitarbeitern auf unsere Kollaborationssoftware. Darin ist alles enthalten, was Unternehmen heute brauchen. Chat, Dateimanager, Aufgabenplaner, Kalender und so weiter. Zudem gibt es ein monatliches Abrechnungsmodell inklusive Support und Updates.

t3n.de: Das hat Slack doch aber auch.

Nicht ganz. Zum einen sind bei uns alle Daten verschlüsselt und auf einem eigenen Server speicherbar. Zum anderen brauchst du mit unserer Software keine Extensions für Drittanbieter extra herunterladen. Es ist bereits alles integriert. Unsere Vision ist, Unternehmen eine Software anzubieten, mit der sie sich auf Knopfdruck digitalisieren und DSGVO-konform absichern können.

t3n.de: Wie laufen die Geschäfte aktuell?

Im Moment sind es 380 Unternehmen, die monatlich rund 70 Euro für die Protonet-Software zahlen. Es werden Tag für Tag mehr. Wenn es weiter so gut läuft, werden wir dieses Jahr bereits einen siebenstelligen Umsatz erzielen. Langfristig wollen wir zu den drei größten Anbietern auf dem Markt für Kollaborationssoftware gehören. Inzwischen kann ich sagen: Wir haben den Turnaround geschafft.

t3n.de: Vielen Dank für das Gespräch.

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Eine Reaktion
Silver

Der Neustart wird leider auch in die Hose gehen und sich auf lange Sicht nicht tragen.

Die 6Wunderkinder haben es schon nicht geschafft und deren GUI bzw. UX war nah an Apple, also sehr hohe Usability und Einfachheit.

Genau das ist zwar was für User einer Collablösung aber nicht für die Admins. Und wenn es um sowas geht gibt es viel zu viel Konkurrenz die viel zu erfolgreich damit fährt.

QNAP schlagen sie vielleicht(!) ja noch, aber Synology als Beispiel mit seiner eierlegenden Wollmilchsau an Software? Da steckt alles drin was kleine Unternehmen brauchen und noch viel mehr.

Und bei Synology kann ich auch alles mit wenig Aufwand verschlüsseln und lokal lassen. Apps gibt es ebenfalls für alle wichtigen Systeme sowie Desktop Clients für automatische Syncs wenn man nicht mit Netzlaufwerken arbeiten möchte und und und...

Wundert mich ehrlich gesagt das da Investoren tatsächlich noch anspringen.

Mit einem ordentlichen Synology System kann ich über die üblichen Collab Tools selbst Entwicklungsumgebungen abdecken, ganze Domänen aufbauen und selbst VMs und Dockercontainer betreiben, alles mit der Standard Software. Und da es nun mal eine NAS Lösung ist, auch noch super einfach als HA Lösung umsetzen oder um reine Storage Einheiten erweitern.

Achja und die Surveillance Lösung fürs Büro ist ja auch schon drin ;)

Man soll an seinen Träumen festhalten, sollte aber auch erkennen wenn es sinnlos ist.

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