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Protonet in Erklärungsnot: Neue Y-Combinator-Förderung provoziert Aufstand der Crowdinvestoren

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Seit Protonet vor kurzem die prestigeträchtige Förderung durch die Startup-Schmiede Y Combinator vermeldet hat, muss sich das deutsche Vorzeige-Startup unbequeme Fragen von seinen Seedmatch-Investoren gefallen lassen. Es geht um eine vermeintlich reduzierte Unternehmensbewertung, den Verdacht der Zweckentfremdung von Geldmitteln und einen undurchsichtigen Firmenumbau. Kleinanleger befürchten, unliebsam aufs Abstellgleis geschoben zu werden. Antworten darauf liefert Protonet erst, als t3n das Unternehmen mit den Vorwürfen konfrontiert.

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Protonet: Y Combinator-Förderung wirft Fragen auf

Eigentlich schien die Startup-Romanze perfekt. Im Februar verkündete das deutsche Hardware-Startup Protonet, das für seine sicheren und orangefarbenen Serverboxen im Sommer 2014 drei Millionen Euro von 1.800 Crowdinvestoren über eine Seedmatch-Kampagne eingesammelt hatte, seine Expansion in die USA.

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Ermöglicht wurde dieser Schritt durch die Zusage von Y Combinator, das 2012 in Hamburg gegründete Jungunternehmen in sein legendäres Förderprogramm aufzunehmen. Wer Y Combinator nicht kennt: Der Startup-Inkubator mit Sitz im Silicon Valley zeichnet verantwortlich für die Entdeckung großer Technologie-Highflyer wie Airbnb oder Dropbox. Wenn es für ein Startup also ein perfektes Sprungbrett für den Einstieg in den US-Markt gibt, dann Y Combinator.

Für die Protonet-Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum ist die Y Combinator-Förderung ein Ritterschlag. Für Seedmatch-Investoren hingegen Anlass zur Sorge. (Foto: Protonet)

Für die Protonet-Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum ist die Y Combinator-Förderung ein Ritterschlag – für Seedmatch-Investoren hingegen Anlass zur Sorge. (Foto: Protonet)

Angesichts dieses Ritterschlags gab sich Protonet-Gründer Ali Jelveh verständlicherweise euphorisch: „Die Beratung und das Know-how von Y Combinator wirken sich extrem positiv auf unsere Produkte und unsere Geschäftsentwicklung aus“, kommentierte er die Aufnahme. Auch Jared Friedman, Partner bei Y Combinator, blickte voraus: Protonet habe das Potenzial, „den Markt für Geschäftslösungen im Bereich Content-Management mit einem Volumen von 25 Milliarden US-Dollar nachhaltig zu verändern“.

Wie sich jetzt jedoch herausstellt, stößt die neue Förderung bei den Seedmatch-Investoren offenbar auf wenig Begeisterung. Mehr noch: Viele Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Förderung und der Vorstellung einer neuen Produktlinie bringen Protonet in arge Erklärungsnot. Unter anderem geht es um eine vermeintlich reduzierte Unternehmensbewertung, eine mögliche Zweckentfremdung von Investorengeldern und einen undurchsichtigen Firmenumbau. Kleinanleger befürchten, unliebsam aus dem Unternehmen gedrängt zu werden.

Unternehmensbewertung sorgt für Verwirrung

Auf all das schließen lassen mehrere Screenshots aus dem nicht-öffentlichen Investor-Relations-Bereich von Seedmatch, die t3n aus anonymer Quelle zugespielt wurden. Dieser einem Online-Forum nicht unähnliche Bereich ist nur für die Investoren zugänglich, die tatsächlich in ein bestimmtes Startup investiert haben. In diesem Fall: Protonet. Aus den Screenshots wird ersichtlich, wie Seedmatch-Nutzer das Hamburger Startup seit Wochen mit unbequemen Fragen löchern und sich zugleich über die unzureichende Kommuniktionspolitik beschweren.

Demzufolge sorgt zunächst die im Zuge der Y-Combinator-Förderung offenbar erheblich reduzierte Unternehmensbewertung für Verwirrung. Wie dem offiziellen FAQ der Startup-Schmiede zu entnehmen ist, investiert Y Combinator pauschal 120.000 US-Dollar in jedes seiner neu aufgenommenen Portfolio-Unternehmen und streicht im Gegenzug eine Beteiligung in Höhe von sieben Prozent ein. Das entspricht einer Bewertung von rund 1,7 Millionen US-Dollar. Wie ein Kleinanleger auf Seedmatch jedoch anmerkt, müsse man „kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Bewertung niedriger ist, als die bisher für Protonet angenommene.“

Im Sommer 2014 sammelte Protonet über eine Crowdinvesting-Kampagne bei Seedmatch drei Millionen Euro ein. Nach dem Einstieg von Y Combinator zeigen sich Kleinanleger allerdings besorgt. (Screenshot: Seedmatch)

Im Sommer 2014 sammelte Protonet über eine Seedmatch-Kampagne drei Millionen Euro ein, jetzt sorgen sich Kleinanleger um den Wert ihres Investments. (Screenshot: t3n)

Auch wenn die Richtigkeit dieser Aussage wie folgend dargelegt mit Vorsicht zu genießen ist, lohnt ein Blick auf die Vergleichswerte: Bei der vielbeachteten Seedmatch-Kampagne im Sommer 2014 soll Protonet noch eine Bewertung in Höhe von 11,9 Millionen Euro (circa 13,4 Millionen US-Dollar) ausgerufen haben. Selbst bei der ersten Crowdfinanzierung Ende 2012 – die ebenfalls auf Seedmatch stattfand und bei der rund 200.000 Euro zusammenkamen – soll die Bewertung mit zwei Millionen Euro höher gewesen sein als beim jetzt abgeschlossenen Y-Combinator-Deal.

Stimmen diese Zahlen, scheint die Aufregung der Crowdinvestoren zumindest in der Theorie durchaus berechtigt. Für ihr an Protonet gewährtes partiarisches Nachrangdarlehen hätten sie dann nämlich deutlich weniger „Gewinnanteile“ zu deutlich höheren Kosten erworben als Y Combinator – und das, obwohl die Kleinanleger durch ihren früheren Einstieg das im Vergleich zum Inkubator aus dem Silicon Valley vielfach höhere Investment-Risiko hatten. Wirklich fair wäre das nicht – klammert man aus, dass Protonet die Förderung wohl in erster Linie als Türöffner für Folgeinvestments in Anspruch genommen hat.

Erschwerend hinzu käme für die Crowd nach dieser Logik eine erhebliche Verwässerung ihrer erworbenen Anteile. Bedeutet: Wenn ein Startup eine Folgefinanzierung durchführt, kann dies dazu führen, dass die prozentuale Investmentquote der Alt-Investoren sinkt. Das ist zunächst einmal nichts Schlimmes. Denn in der Regel sinkt die Investmentquote proportional zur Steigerung des jeweiligen Unternehmenswerts, sodass eine Beteiligung nach einer Verwässerung wertmäßig unverändert bleibt.

Da Protonet jedoch vermeintlich bewusst eine deutlich geringere Unternehmensbewertung für die Teilnahme am Y-Combinator-Förderprogramm in Kauf genommen hat, gehen etliche Erst-Investoren von einer Schmälerung der Crowd-Beteiligungswerte aus. Allerdings handelt es sich bei der jetzt geringer bewerteten Firma Protonet Inc. um eine Neugründung und nicht die Protonet GmbH, in die die Seedmatch-Investoren ihr Geld investiert haben. Weder lassen sich die Bewertungen zweier im Zuge des später noch thematisierten Firmenumbaus gegründeten Gesellschaften vergleichen, noch liegen uns die Verträge zwischen diesen beiden Firmen oder Informationen zur genauen Verteilung der Vermögenswerte (Assets) vor.

„Uns war deutlich geringere Bewertung bewusst“

Diese und andere auf den zwei nachfolgenden Artikelseiten dargestellten Unstimmigkeiten klärte Protonet zum Unmut der Crowdinvestoren („Eure Informationspolitik ist unter aller Kanone!“) in den vergangenen Wochen allerdings nicht auf.

Protonet-Mitgründer und CEO Ali Jelveh muss die besorgten Crowdinvestoren besänftigen. (Foto: © Leonard Koerner)

Protonet-Mitgründer und CEO Ali Jelveh muss die besorgten Crowdinvestoren besänftigen. (Foto: © Leonard Koerner)

Auch ein Zwischenruf von Mitgründer Ali Jelveh vom 19. März, in dem er die „verzögerten Updates“ mit einem erhöhten Arbeitspensum begründet, enthielt außer einem Link zur Verbreitung der laufenden Crowdfunding-Kampagne für die neue Produktlinie ZOE, keine wesentlichen Informationen. Stattdessen flüchtete sich das Startup in Durchhalteparolen – bat erst „um einige wenige Tage Geduld“ und verwies später dann auf den erst für Ende April geplanten Quartalsbericht.

Auf eine schließlich am Montag, den 18. April gestellte Anfrage von t3n zur Klärung der Sachverhalte reagierte Protonet ebenfalls nicht. Wie weitere uns vorliegende Screenshots belegen, sah sich Jelveh am darauffolgenden Dienstag, den 19. April, dann offenbar doch gezwungen, eine umfassende Stellungnahme mit Verweis auf unsere Anfrage gegenüber den Crowdinvestoren bei Seedmatch abzugeben.

Demnach sei Protonet bewusst gewesen, dass die Finanzierung durch Y Combinator „einer deutlich geringeren Bewertung entsprach, als von uns angepeilt“. Das Investment sei „nicht nur monetär zu sehen, sondern im Wesentlichen durch das Coaching und dem Netzwerk viel mehr wert“ als bloß die von der Startup-Schmiede zur Verfügung gestellten 120.000 US-Dollar. Angebote von US-Geldgebern würden diese Ansicht bestätigen und anschließende Bewertungen bewegten sich in einem „normalen“ Bereich.

Hat Protonet die Seedmatch-Gelder für die Entwicklung seines neuen Produkts zweckentfremdet?

Im Mittelpunkt der von den Seedmatch-Investoren geäußerten Kritik steht außerdem die schon erwähnte, neue Protonet-Produktlinie ZOE. Das Startup hatte die Smart-Home-Zentrale wenige Wochen nach Bekanntgabe der Y-Combinator-Förderung vorgestellt. Finanziert wird sie aktuell über eine Crowdfunding-Kampagne bei Indiegogo. Sie soll eine Ergänzung zu den sicheren, jedoch umsatztechnisch unter den Erwartungen laufenden Serverboxen darstellen und helfen, in den USA ein international erfolgreiches Geschäft aufzubauen.

Mit ZOE hat Protonet eine Smart-Home-Zentrale entwickelt, die das defizitäre Geschäft international ankurbeln soll. (Foto: Protonet)

Mit ZOE hat Protonet eine Smart-Home-Zentrale entwickelt, die das bislang defizitäre Geschäft international ankurbeln soll. (Foto: Protonet)

Obwohl dieser Schritt aus Investorensicht eigentlich zu begrüßen wäre, hat Protonet damit einige Fans auf dem falschen Fuß erwischt. Der Grund: Die Entwicklung einer Smart-Home-Zentrale war im Rahmen der damaligen Crowdinvesting-Kampagne gar nicht vorgesehen. Das Startup bewarb auf Seedmatch nur seine Serverboxen – in die Nutzer am Ende bekanntlich über drei Millionen Euro investierten. Von einer Smart-Home-Zentrale, geschweige denn einem anderen Produkt, war nie die Rede.

Bei den Crowdinvestoren steht daher der Vorwurf im Raum, Protonet könnte die von ihnen bereitgestellten Gelder zweckentfremdet haben. „Es liegt klar auf der Hand, dass die Entwicklung von ZOE (…) durch das Seedmatch-Funding ermöglicht wurde“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer Kleinanleger empfindet auch „eher Sorge denn Freude“ über die Neuentwicklung: „Dass sich mir persönlich der Sinn des geplanten IoT-Gadgets nicht erschließt, ist dabei weniger wichtig. Ich bin kein Tech-Frontrunner“, schreibt er.

Was ihn jedoch „bedenklich“ stimme, sei die Tatsache, dass sich das Unternehmen auf die schon existierenden Produkte konzentrieren solle. „Was habe ich von den neuen crowdfinanzierten Produkten, wenn das von mir mitfinanzierte Produkt deshalb weniger Ressourcen erhält? Aus welchem Topf wurde eigentlich die Arbeit bezahlt, die bis jetzt schon dafür geleistet wurde?“, so seine Beschwerde.

Investoren drohen mit Kündigung des Darlehens

„Eine Smart-Home-Zentrale war nicht Teil der Seedmatch-Kampagne.“

Zwar äußern sich einige Investoren auch positiv zum neuen Produkt. Würden sich die Befürchtungen aber bewahrheiten, könnte die Sache für Protonet heikel werden. Denn wie bei Crowd-Finanzierungen üblich, sind auch die über Seedmatch erhaltenen Geldmittel zweckgebunden, dürfen also nicht für andere Produkte als die beworbenen verwendet werden. Erste Crowdinvestoren drohen vor diesem Hintergrund schon mit der Kündigung ihres an Protonet gewährten Darlehens: „Die Entwicklung einer Hausautomatisierungslösung war nicht Teil der Seedmatch-Kampagne“, kommentiert ein Nutzer. Und weiter: „Ich sehe darin die Möglichkeit, das Darlehen aus wichtigem Grund zu kündigen und möchte davon Gebrauch machen, wenn sich die Situation nicht klärt.“

Seedmatch sieht keine Zweckentfremdung

Eine Seedmatch-Sprecherin bestätigte uns auf Anfrage die Zweckbindung der über die Plattform eingesammelten Geldmittel. „Die Mittel müssen laut Investment-Vertrag zum Zwecke des Innovationsvorhaben verwendet werden, welches während der Crowdinvesting-Kampagne auf Seedmatch vorgestellt wurde. Dies war und ist bei Protonet in erster Linie die Entwicklung und Vermarktung des Protonet-Servers“, teilt man uns mit.

Auch wenn ein Kündigungsrecht im Rahmen der Verträge grundsätzlich denkbar sei, sieht Seedmatch dafür in diesem Fall allerdings keinen Anlass: „Laut unserem Kenntnisstand wurden die Mittel aus dem Crowdinvesting genau dafür eingesetzt.“ Das versichert auch Protonet-Gründer Jelveh seinen Crowdinvestoren in seiner am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme. Wer die Quartalsberichte aus vergangenem Jahr gelesen habe, könne sehen, „dass die eingeworbenen Mittel aus 2014 bereits vor ZOE verbraucht wurden.“

„Hoffe sehr, dass wir nicht in einem juristischen Kniff aufs Abstellgleis geschoben werden“

Die mögliche Zweckentfremdung von Geldmitteln sowie die deutlich nach unten korrigierte Unternehmensbewertung sind aber nicht die einzigen Kritikpunkte, mit denen sich Protonet konfrontiert sieht. So wird den Foreneinträgen zufolge darüber spekuliert, die Seedmatch-Investoren könnten womöglich gar nicht mehr an einem späteren Erfolg der neuen Smart-Home-Zentrale partizipieren.

Die Startup-Schmeide Y Combinator aus dem Silicon Valley brachte Firmen wie Dropbox oder Airbnb hervor. Davon will auch Protonet profitieren. (Foto: Y Combinator)

Die Startup-Schmeide Y Combinator aus dem Silicon Valley brachte Firmen wie Dropbox oder Airbnb hervor. Davon will auch Protonet profitieren. (Foto: Y Combinator)

Anlass zu dieser Sorge gibt ein Firmenumbau, den Protonet im Zuge der Y-Combinator-Zusage vornehmen musste. In einer internen Stellungnahme vom 18. März schreibt ein Protonet-Sprecher bei Seedmatch dazu: „Vorab können wir sagen, dass die Teilname am Y Combinator-Förderprogramm an die Bedingung geknüpft wurde, dass Protonet sich durch eine gesellschaftsrechtliche Umstrukturierung in ein amerikanisches Unternehmen wandelt.“

Weil sich Y Combinator, so der Sprecher weiter, nicht auf die rechtlichen Gegebenheiten eines jeden Unternehmen oder Landes einarbeiten könne, habe der Inkubator eine Angleichung an seine Standardverträge verlangt. Dabei habe es sich um ein „Take-it-or-leave-it“-Angebot gehandelt. „In der Abwägung aller Vor- und Nachteile sowie Chancen und Risiken war dies der bestimmende Punkt“, begründet Protonet die Notwendigkeit des Firmenumbaus.

Insbesondere der letzte Satz ruft in der Seedmatch-Gemeinde jedoch kollektive Sorgenfalten hervor, denn „inwiefern die Abwägung der Chancen und Risiken aber auch die Interessen der Crowdinvestoren berücksichtigt“, so ein Nutzer, ließ das Startup bis jetzt offen. Unbeantwortet blieben auch Fragen nach einer möglichen US-Holding, in die Protonet die Entwicklung seiner Smart-Home-Zentrale ZOE ausgegliedert haben könnte. Seedmatch-Nutzer befürchten, in einem solchen Fall womöglich mit leeren Händen dazustehen, sollte das neue Produkt ein Erfolg werden. „Ich hoffe sehr, dass wir hier nicht in einem juristischen Kniff aufs Abstellgleis geschoben werden“, kommentiert ein Investor die Stellungnahme.

Schon der Lottohelden-Exit sorgte für Zündstoff

Ein Crowdinvestor verweist in diesem Zusammenhang auf den vorzeitigen Exit von Lottohelden, das ebenfalls über Seedmatch mitfinanziert wurde. Beteiligte Kleinanleger sollen demzufolge nach dem Verkauf des Startups im vergangenen November mit einer „läppischen“ Rendite von zehn Prozent aus dem Unternehmen „herausgedrängt“ worden sein. „Für zehn Prozent IRR (Internal-Return-Rate für internen Zinsfuß, Anm. d. Red.) kann ich jedoch risikoärmer auch in Aktien investieren als in Startup-Unternehmen“, moniert der Investor.

Im November gelang dem Seedmatch-finanzierten Startup Lottohelden der Exit. Crowdinvestoren zeigten sich jedoch enttäuscht über geringe Renditen. (Foto: Lottohelden)

Im November gelang dem Seedmatch-finanzierten Startup Lottohelden der Exit. Crowdinvestoren zeigten sich jedoch enttäuscht über geringe Renditen. (Foto: Lottohelden)

Auch wenn diese Behauptungen mit Vorsicht zu genießen sind und am Ende schon gar nicht auf Protonet zutreffen müssen, lässt sich zumindest feststellen, dass Veränderungen in der Gesellschafterstruktur von Seedmatch-finanzierten Startups schon einmal für reichlich Diskussionsstoff gesorgt haben.

„Wollen eine gleichermaßen Crowd- und US-Investor-freundliche Lösung präsentieren.“

Vielleicht sah sich Seedmatch auch gerade aus diesem Grund dazu veranlasst, zwischenzeitlich selbst Stellung zu beziehen, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen. In einer Nachricht an Investoren vom 3. April heißt es:

„Wir haben naturgemäß ein großes Interesse daran, dass die Interessen der Seedmatch-Crowd sichergestellt sind. Doch nicht für alle Herausforderungen gibt es einen Masterplan. So auch in diesem Fall.“ Man stehe mit Protonet in Kontakt und wolle „eine gleichermaßen Crowd- und US-Investor-freundliche Lösung“ präsentieren.

Protonet lotet Wege der Versöhnung aus

Wie diese aussieht, wollte uns Mitgründer Jelveh nicht mitteilen. In seiner am 19. April intern veröffentlichten Stellungnahme sah das dann anders aus: So wurde das Startup im Zuge des Firmenumbaus in drei rechtlich voneinander unabhängige Gesellschaften aufgespalten: Während das operative Geschäft künftig über die amerikanische Protonet Inc. und deren deutscher Tochter, die Protonet Betriebs GmbH, abgewickelt wird, verbleiben die Crowdinvestoren in der umfirmierten Protonet Holding GmbH (früher: Protonet GmbH).

Nach dem Firmenumbau sind Crowdinvestoren nicht länger am operativen Geschäft beteiligt. (Foto: Protonet)

Nach dem Firmenumbau von Protonet sind Crowdinvestoren nicht länger am operativen Geschäft beteiligt. (Foto: Protonet)

Unterm Strich bewahrheiten sich also die von den Crowdinvestoren geäußerten Befürchtungen. „Das heißt, dass ihr als Crowd zukünftig nicht an möglichen Dividendenzahlungen der Protonet Inc. beteiligt werdet, weil rechtlich keine Verknüpfung besteht“, bestätigt Jelveh. Auch von der künftigen Entwicklung der Smart-Home-Zentrale ZOE profitieren die Fans damit nur indirekt. Angesichts dieser faktischen Verdrängung der Kleinanleger aus dem Kerngeschäft ist Jelveh um Deeskalation bemüht.

„Eine Finanzierung in der angestrebten Höhe für ein Unternehmen wie Protonet ist in Deutschland nur durch einen sehr glücklichen Zufall möglich“

Ausschüttungen, verspricht Jelveh, werde es in Zukunft gar nicht geben, da alle Umsätze künftig in das Wachstum reinvestiert würden. Außerdem ermögliche die neue Firmenstruktur eine erfolgreiche Entwicklung aller Produkte und somit auch eine künftige Rückzahlung der im Rahmen der Seedmatch-Kampagne gewährten Darlehen.

Jelveh betont, dass vor allem die Aussicht auf eine baldige Anschlussfinanzierung in sechs- bis siebenstelliger Höhe zur Teilnahme am Y Combinator-Förderprogramm und der dafür notwendigen Umstrukturierung geführt habe. Zwar wäre es in Deutschland wohl möglich gewesen, „sich von Zwischenfinanzierung zu Zwischenfinanzierung zu hangeln“. „Eine wirkliche Weiterentwicklung des Unternehmens innerhalb einer solchen Struktur“, so Jelveh, „ist aber nicht möglich.“ „Für uns war daher klar, dass sich die weitere Entwicklung von Protonet im US-Finanzierungs- und Absatzmarkt entscheiden wird, denn wir dürfen uns nichts vormachen: Eine Risikofinanzierung in der angestrebten Höhe für ein Unternehmen wie Protonet ist in Deutschland nur durch einen sehr glücklichen Zufall möglich. Doch auf Zufällen können wir die Zukunft des Unternehmens nicht aufbauen.“

Darüber hinaus sei Protonet derzeit bemüht, seine Crowdinvestoren auch künftig am Kerngeschäft partizipieren zu lassen. So prüfe man aktuell beispielsweise Maßnahmen wie spätere Schenkungen oder den vollständigen Transfer der Crowdinvestoren in eine neue Beteiligungsgesellschaft.

Auf die Ausführungen reagierten die Kleinanleger laut den Foreneinträgen mit gemischten Gefühlen: „Das ist wohl für beide Seiten keine einfache Situation“, kommentiert ein Nutzer, ergänzt aber, in der Situation ähnlich zu handeln. „Bei mir entsteht nicht der Eindruck, dass ihr die Crowdinvestoren aus der Firma drängen wollt. Trotzdem kann ich verstehen, dass viele Investoren mit der aktuellen Situation unglücklich sind.“ Ein anderer Anleger schreibt, dass die jetzigen Ereignisse für die Crowd zwar „ärgerlich“ seien, aus Sicht der Gründer könne er die Entscheidungen aber nachvollziehen. In diesem Zusammenhang würde ihn aber auch das weitere Vorgehen von Seedmatch interessieren. „Insbesondere wie Seedmatch gedenkt, so etwas in Zukunft zu vermeiden.“

Hat Crowdinvesting überhaupt noch eine Zukunft?

Tatsächlich dürfte der Fall Protonet unabhängig von seinem Ausgang eine neue Diskussion über das Crowdinvesting als Finanzierungsvehikel für Startup anstoßen. Sind Beteiligungen an Startups schon naturgemäß extrem risikobehaftet, ergeben sich aus (notwendigen) Folgefinanzierungen sowie von institutionellen Geldgebern unterstützte Expansionen ins Ausland offensichtlich ganz neue Herausforderungen für Startups und Kleinanleger. Obwohl Plattformen wie Seedmatch schon seit Jahren am Markt sind, offenbart der Fall Protonet erst jetzt die Tücken partiarischer Darlehen als Beteiligungsform. Diese und andere Fragen werden in Zukunft beantwortet werden müssen. Andernfalls könnte es mit der Startup-Romantik bei Crowdfinanzierungen schnell vorbei sein.

 

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3 Kommentare
Ali Bi
Ali Bi

Seedmatch ist der größte Mist, meiner Meinung und Erfahrung nach. Ich habe schon bereits bei mehreren Finanzierungen mitgemacht und immer wieder gab es Ärger mit den Firmen, wie beispielsweise auch mit Refined Investment, die ihr damals finanziertes Produkt nun links liegen lassen und auf Investorenanfragen überhaupt nicht mehr reagieren. Auch auf der Schwesterplattform econeers gibt es solche Probleme. Und Seedmatch macht natürlich nichts. Um die Frage im Abschlussabsatz vorweg zu beantworten, Seedmatch ist es egal, wie die Startups mit den Investoren umgehen, das haben sie mir eindrucksvoll bereits mehrmals bewiesen. Von daher wird Seedmatch dieses „neue“ Problem auch nicht zu lösen versuchen.

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drikkes
drikkes

I dissed Protonet before it was cool. http://drikkes.com/?p=9559 Ihre Datenschutz-Kampagne vom letzten Jahr fand ich nämlich auch schon recht zweifelhaft, ebenso wie die Zusammenarbeit mit einer PR-Schmiede, die sonst vom Image her völlig konträre Kunden hat.

Antworten
Crowdfunding-Anleger
Crowdfunding-Anleger

Problematisch sind die hohen Gewinnversprechen der Crowdinvesting-Plattformen. Wer glaubt, er könne hohe Renditen erzielen, hat nicht ausreichend erklärt bekommen, welch hohe Risiken sich im Crowdinvesting verstecken: Keine Mitsprache, Verwässerung, hohe Ausfallraten (!), Nachrangigkeit. Das hört sich alles erstmal harmlos an, lässt aber die Renditechance ziemlich schrumpfen. Das ist ja auch der Grund, weshalb Startups Crowdinvesting besonders mögen: Es bringt ihnen Geld und Reichweite und lässt ihnen alle Freiheiten. Die Crowd ist mit einem professionellen Investor leider überhaupt nicht auf Augenhöhe, weil ihr keine Mitsprache- oder Verhandlungsmöglichkeit bei der Bewertung der Startups eingeräumt wird.

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