Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Ratgeber

PSD2: Was Marktplätze über die neue EU-Zahlungsrichtlinie wissen müssen

(Foto: Rob Wilson / Shutterstock)

Ab Januar 2018 greift eine neuen Zahlungsrichtlinie der EU. Sie betrifft nicht nur Banken und Fintechs, sondern auch Marktplätze. Was die Plattformen künftig beachten müssen – ein Gastbeitrag.

Mit ihrer neuen Zahlungsrichtlinie PSD2 will die Europäische Union vor allem zwei Punkte erreichen: Sie will die Verbraucher besser vor Betrug bei der Zahlung im Netz schützen und sie will Fintechs, Startups und generell Innovationen fördern. Ab Januar 2018 untersteht der Zahlungsverkehr deshalb strengeren Regeln.

Diese treffen aber nicht nur Banken oder Fintechs, sondern auch Onlinehändler. Insbesondere Marktplätze stehen vor neuen Herausforderungen. Auf dem Prüfstand steht die Dreiecksbeziehung zwischen Marktplatz, Käufer und Subunternehmer in Bezug auf Gelder und Verantwortlichkeiten. Lokale Finanzaufsichten sollen die Geschäfte künftig genauer kontrollieren. Doch was genau ändert sich und was müssen Marktplätze wissen?

Weniger Ausnahmen unter PSD2

PSD1, der Vorgänger der PSD2, eröffnete Marktplätzen flexible Rahmenbedingungen für den Geschäftsbetrieb: Sie ließ teilweise eine offene Interpretation darüber zu, wie Marktplätze reguliert werden sollen. Für die Onlineplattformen war es dadurch bisher möglich, Finanztransfergeschäfte zwischen Käufer, Subunternehmer und eigenem Unternehmen auch ohne Bafin-Lizenz abzuwickeln. Das war unter der Bedingung möglich, sich in den Nutzungsbedingungen als sogenannter „Handlungsvertreter“ auszuweisen oder ein monatliches Verarbeitungsvolumen von drei Millionen Euro nicht zu überschreiten.

2014 schritt die Bafin ein und verschärfte die Bedingungen. Seitdem brauchen auch Handelsvertreter eine vertragliche Befugnis. PSD2 unterstützt diese Verwaltungspraxis und geht sogar noch einen Schritt weiter: Der Status eines Handelsvertreters unterliegt ab Januar 2018 noch strengeren Regulierungen. Das zugelassene Verarbeitungsvolumen eines Marktplatzes ohne Bafin-Lizenz innerhalb Europas wurde etwa auf eine Million Euro begrenzt.

Was PSD2 für Marktplätze bedeutet

Was bedeutet die Richtlinie nun für den Alltag? Schon jetzt ist die Zahlungsabwicklung bei Marktplätzen komplex: Die Plattformen müssen Zahlungen nicht nur zwischen Verkäufer und Käufer regeln, sondern sich auch mit verschiedenen, oftmals international ansässigen Subunternehmern austauschen. Hinzu kommen weitere Geldflüsse wie Bearbeitungs- und Nutzungsgebühren, die der Marktplatz für die Vermittlung erhält.

Bei Airbnb bucht ein Kunde beispielsweise eine Wohnung und bezahlt die Übernachtung über die Plattform von Airbnb. Jeder Vermieter, der seine Unterkunft einem Reisenden anbietet, ist wiederum Subunternehmer von Airbnb. Als solcher erhält er das Geld nicht direkt vom Kunden, sondern über die Wohnungsplattform. Für die Unkosten der Vermittlung behält Airbnb zusätzlich einen gewissen Prozentsatz ein. Bei der Zahlungsabwicklung eines einzelnen Kunden muss das Geld beziehungsweise die Transaktion somit drei Mal gesplittet werden, weil drei Akteure an dem Kauf beteiligt sind. Ähnlich ist es beim Onlineshopping auf Marktplätzen: Der Kunden will nur einmal bezahlen, kauft oftmals aber bei mehreren Subunternehmern ein.

So weit, so bekannt. Die PSD2-Richtlinie nennt aber nur zwei Aktionen, die ein Marktplatz nicht gleichzeitig ausüben darf: Kontrolle und Eigentum von Geldern. Das hat zur Folge, dass der Marktplatz automatisch auf Bezahldienstleister angewiesen ist, um die Vorgaben zu erfüllen.

Außerdem verlangt die neue PSD2-Richtlinie eine strengere Überprüfung der Subunternehmer. Im Beispiel Airbnb muss eine starke elektronische Identitätsverifizierung jedes einzelnen Vermieters erfolgen. Je mehr Subunternehmer es gibt, desto komplexer also die Verifizierung. Der sogenannte KYC-Check (Know your Customer) erfordert unter PSD2 ein umfangreicheres Onboarding: Während es früher ausreichte, die Kunden zu überprüfen, müssen nun auch die Anbieter auf der Plattform ihre Ausweisdokumente, Bankdaten und weitere Angaben offenlegen.

Der Marktplatz muss diese Informationen erheben, speichern und verifizieren. Bei weltweit ansässigen Subunternehmern stellt das Onboarding einen komplexen Prozess dar, der manuell kaum zu bewältigen ist. Ein technologischer Schlüssel für dieses Problem sind beispielsweise automatisierte Onboarding-APIs, die alle Informationen für den KYC-Check von den Subunternehmern einholen und verifizieren.

Globale Expansion wird noch komplexer

Besonders global agierende Marktplätze und die, die eine Expansion in Erwägung ziehen, stehen nicht nur durch den KYC-Check vor großen Herausforderungen, sondern auch wenn es zum Payout kommt, der Auszahlung der Subunternehmer. Zwar betreffen die neuen Regulierungen durch PSD2 lediglich den europäischen Markt. Trotzdem wird es immer schwieriger, den Überblick über die Regulierungen in den lokalen Standorten von Subunternehmern und Shoppern zu behalten.

In der Expansion in neue Länder verstecken sich Kosten für Anwälte und Gebühren für sogenannte Cross-Border-Transaktionen. Schließlich müssen Subunternehmer letztlich in den einzelnen Ländern selbst ausgezahlt werden. Diese Kosten können Marktplätze mit einem lokalen Bankkonto im jeweiligen Land umgehen.

Marktplätze müssen sich vorbereiten

PSD2 stellt Marktplätze vor neue, technologische und regulatorische Herausforderungen. Die Plattformen müssen Subunternehmen schnell und unkompliziert onboarden und verifizieren, Gelder müssen zwischen mehreren Parteien gesplittet werden können und das über Ländergrenzen hinweg. Um den neuen Herausforderungen zu begegnen, gibt es mehrere Möglichkeiten: Unternehmen können Inhouse-Payment-Departments aufbauen, eine eigene Bafin-Lizenz beantragen oder einen externen Zahlungsdienstleister in Anspruch nehmen.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Eine Reaktion
geeky

"Die PSD2-Richtlinie nennt aber nur zwei Aktionen, die ein Marktplatz nicht gleichzeitig ausüben darf: Kontrolle und Eigentum von Geldern. Das hat zur Folge, dass der Marktplatz automatisch auf Bezahldienstleister angewiesen ist, um die Vorgaben zu erfüllen."
Im Prinzip ist man als Marktplatz auch jetzt schon auf Bezahldienstleister angewiesen, sofern das Geld nicht direkt vom Käufer zum Händler, sondern erst über den Marktplatz fließt (was für den Käufer natürlich einfacher ist als bei gemischten Warenkörben mehrfach Einzelzahlungen machen zu müssen).
Dadurch dass der Marktplatz treuhänderisch mit Kundengeldern umgeht (selbst wenn quasi sofort durchgeleitet wird), wird eine entsprechende BaFin-Lizenz benötigt - Da ist es natürlich leichter auf einen entsprechenden Zahlungsanbieter zu setzen.
Aktuelles Ärgernis: Die meisten Zahlungsanbieter unterstützen derzeit bei den Marktplatzlösungen noch kein PayPal und die Lösung von PayPal selbst ("Paypal for Marketplace") ist zwar dokumentiert, aber noch nicht zu bekommen.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Finde einen Job, den du liebst