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LSD-Selbstversuch: Hilft Microdosing bei der Persönlichkeitsentwicklung?

Psychedelischen Drogen haben einen zweifelhaften Ruf. Doch eine immer größer werdende Community setzt sie gezielt zur Persönlichkeitsentwicklung ein. Die Journalistin Laura Lewandowski hat ihre eigenen Erfahrungen gemacht.

Von Meet your Mentor
5 Min. Lesezeit
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LSD-Selbstversuch. (Foto: Shutterstock-Yngsa)

Kürzlich las ich bei t3n von dem Startup „The Field“, das Menschen mit Depressionen Ketamin-Behandlungen anbietet. Ja, ihr habt richtig gehört: Ketamin, die Partydroge, das Pferdeberuhigungsmittel, das in Deutschland noch immer verboten ist. Dieses Ketamin soll jetzt gegen psychische Krankheiten eingesetzt werden. Dabei ist die Ketamin-Therapie nur Teil eines Trends um Drogen in der Medizin.

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Ein Visionär, der schon seit vielen Jahren für die heilende Kraft von Substanzen wirbt, die in den meisten Ländern der Welt noch immer illegal sind, ist Paul Austin. Ich habe ihn für die neuste Folge unserer Meet-your-Mentor-Reihe interviewt. Paul beschäftigt sich vor allem mit psychedelischen Drogen, mit „Magic Mushrooms“ oder LSD. Auch bei dieser Gruppe scheint das Potenzial im Kampf gegen psychische Krankheiten groß. Letztes Jahr fand ein Forscherteam des Johns Hopkins Bayview Medical Center heraus, dass der in psychedelischen Pilzen enthaltene Wirkstoff Psilocybin extrem wirksam gegen Depressionen sein kann. Aufgrund dieser Ergebnisse haben die Bürger des US-Bundesstaats Oregon für eine Legalisierung der Psilocybin-Therapie gestimmt. In den USA ist man da also schon sehr viel weiter als bei uns.

„Menschen nutzen psychedelische Substanzen seit Jahrtausenden.“

Dass nicht nur psychisch kranke Menschen von Psychedelika profitieren können, sondern wir alle, darüber klärt Paul über seine Plattform Third Wave auf. Er gilt als einer der Erfinder des „Microdosing“ – aber dazu später mehr. Der Name „Third Wave“ jedenfalls nimmt Bezug auf die Geschichte des Drogennehmens: Wir befinden uns demnach in der dritten Welle des Konsums psychedelischer Substanzen. Bei der zweiten handelte es sich um die Drogenexperimente der 1960er Jahre rund um Hippie-Gurus wie Timothy Leary. Und die erste? Nun ja, die liegt viele tausend Jahre zurück.

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Psychedelische Drogen waren lange stigmatisiert

Menschen würden psychedelische Substanzen seit Jahrtausenden nutzen, erklärt mir Austin im Interview. In den Savannen von Afrika wurden psychedelische Pilze schon in der Frühzivilisation konsumiert. Dasselbe gilt für Ayahuasca im Amazonasbecken. Und antike Denker wie Plato oder Aristoteles nahmen Mittel zu sich, die dem heutigen LSD ähnlich sind. Obwohl Menschen also seit Anbeginn der Geschichte mit diesen Substanzen experimentieren, sind sie heute fast überall komplett verboten. Woher kommt das?

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Paul erklärt mir das mit dem politisch motivierten „War on Drugs“ in Amerika in den 1960er Jahren. Vor allem Mushrooms und LSD wurden in dieser Zeit von den Hippies konsumiert. Die erzkonservative Nixon-Administration erklärte diesen Drogen daraufhin den Krieg. John Ehrlichman, ein ehemaliger Berater des Präsidenten Richard Nixon, äußerte sich zu den Gründen gegenüber Journalisten mal folgendermaßen: „Die Nixon-Regierung hatte zwei Feinde: Linke Kriegsgegner und Schwarze. Wir wussten, dass wir es nicht verbieten konnten, gegen den Krieg oder Schwarz zu sein. Aber indem wir die Öffentlichkeit dazu brachten, die Hippies mit Marihuana und die Schwarzen mit Heroin zu assoziieren und beides heftig bestraften, konnten wir beide Gruppen diskreditieren.“ Das gelte natürlich nicht nur für Heroin und Marihuana, sondern auch für Psychedelika wie LSD und Mushrooms.

Die Folge dieser politischen Vereinnahmung: Über 30 Jahre wurde zu psychedelischen Drogen nicht mehr geforscht. Erst 1999 genehmigte die Johns Hopkins University erste Forschungsgelder. In den letzten fünf Jahren kam es zu einer regelrechten Flut an Studien, vor allem im medizinischen Bereich. Wir begreifen allmählich, welche therapeutischen Chancen wir ungenutzt gelassen haben. Das zeigen aufpoppende Startups wie „The Field“ ebenso wie Psilocybin-Therapien in Oregon. Dabei ist das Potenzial zur Persönlichkeitsentwicklung auch für gesunde Menschen riesig.

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Seine erste Drogenerfahrung mit LSD und Mushrooms hatte Paul mit 19 Jahren. Zwei bis drei Wochen später sei er überrascht gewesen, dass es ihm leichter fiel, mit Menschen zu sprechen, erzählt er. Und: Er fühlte sich bei Schularbeiten plötzlich fokussierter, konzentrierter. Trotzdem sei da eine Skepsis gewesen: „Ich dachte mir, ‚Oh mein Gott – das ist eine illegale Droge. Selbst wenn ich mich gut fühle, muss das schlecht sein.‘“

Mein LSD-Selbstversuch

Die Journalistin Laura Lewandowski probiert psychedelische Drogen aus. (Foto: Meet your Mentor)

Diese Zweifel konnte Paul mittlerweile überwinden. Heute wirbt er für den Konsum von LSD in sehr niedrigen Dosen. Jeden dritten Tag nimmt er zehn Mikrogramm LSD zu sich. Die Dosis ist so gering, dass er keinen halluzinogenen Rausch bekommt, sondern fokussierter und empathischer wird. Nur alle drei Monate darf es etwas mehr sein. Er spricht hier von „Spitzenerfahrungen“. Allerdings: Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen rät er ausdrücklich davon ab, Psychedelika zu konsumieren.

„Du musst dir vorab klar werden: Was erwartest du?“

Auch ich habe vor drei Jahren gemeinsam mit meinem Freund Microdosing ausprobiert, nachdem ich auf Pauls Website aufmerksam geworden bin. Das Ergebnis war aber ernüchternd: Vorteile haben wir keine gespürt, abends waren wir nur extrem müde. Nach drei wenig befriedigenden Versuchen haben wir es dann aus Erschöpfung einfach sein lassen. Auf meine Frage, warum meine Erfahrung so enttäuschend war, antwortet mir Paul, dass wir es vermutlich versäumt haben, uns richtig vorzubereiten: „Du musst dir vorab klar werden: Was erwartest du?“ Außerdem sei es wichtig, die Droge in einem sicheren Raum zu konsumieren, also Voraussetzungen zu schaffen, unter denen man sich gut fühlt. Zudem helfe es, den Selbstversuch von einem Coach oder Therapeuten begleiten zu lassen.

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Und auch wenn alle Vorbereitungen getroffen sind, sei nicht garantiert, dass man sich sofort gut fühle, fährt Paul fort: „Die Vorteile, die die Droge mit sich bringt, begreifen wir nicht immer gleich beim allerersten Mal.“ Es könne sogar schockierend sein, wenn sie Dinge an die Oberfläche bringe, die im Alltag unterdrückt würden. Und trotzdem lohne sich die Reise ins eigene Ich: „Mit Psychedelika können wir herausfinden, wer wir sind. Und die Tiefe unseres Ichs ist unendlich.“

Ich glaube, ich werde es noch einmal versuchen.

Hinweis: Die hier geschilderten Erfahrungen geben einzig die Meinung der Autorin wieder und nicht die der Redaktion. Die Nummern der Suchtberatung und Onlinehilfe findet ihr auf der Website des Roten Kreuzes und der Caritas.

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