Interview

Rebuy-CEO: „Wir machen zweistellige Millionenumsätze – mit CDs“

Rebuy-CEO Philipp Gattner: „Ein Wachstum von year over year 50 Prozent.“ (Foto: Rebuy)

Lesezeit: 7 Min. Gerade keine Zeit? Jetzt speichern und später lesen

Rebuy hat im letzten Jahr 90 bis 100 Millionen Umsatz mit Consumer-Elektronik gemacht.  Das Werkstattgespräch mit Philipp Gattner, dem CEO von Europas größtem Re-Commerce Händler.

Wenn man Philipp Gattner besucht, ist man vielleicht erstmal überrascht davon, wie entspannt er ist. Lächelnd kommt der CEO des Elektronik-Gebrauchthändlers zur Bürotür in dem ehemaligen 30er-Jahre Verwaltungsgebäude in Schöneberg und bietet eine kleine Führung an.

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Man bekommt kurz das Gefühl, man besucht ein Startup. Bis man merkt, dass die Führung sich etwas zieht, weil Rebuy mittlerweile ungefähr 500 Mitarbeiter hat. Ohne dass es aufgefallen wäre, ist Rebuy zum größten europäischen Händler für gebrauchte Elektronik geworden – einmal abgesehen von Marktplätzen wie Ebay. 140 Millionen Umsatz macht Rebuy mittlerweile im Jahr, zwei Drittel davon mit gebrauchten Handies, Laptops und Kameras; ein Drittel mit gebrauchten Büchern, CDs und Medien.

Von außen wirkt das Geschäftsmodell von Rebuy simpel: Nutzer können gebrauchte Medien und Elektronikartikel zu Rebuy schicken. Rebuy kauft sie an und verkauft sie wieder. Wir wollten wissen, wie das genau funktioniert, warum gebrauchte Elektronik 24 Jahre nach der Gründung von Ebay einen Boom erlebt, und wer CEO Philipp Gattner ist.

t3n: Ganz schön groß, wie viele Leute arbeiten denn hier mittlerweile?

Philipp Gattner: Wir sind jetzt insgesamt um die 500 Leute: Hier im Headquater 120. Außerdem haben wir noch zwei Logistikstandorte, einen im [Berliner] Stadtteil Rudow und einen in Poznan, in Polen. In Poznan haben wir zu Beginn des letzten Jahres eine Firma mit 35 Leuten übernommen und sind bis heute auf rund 150 Mitarbeiter gewachsen. Wir haben ja zwei Kategorien: Medien und Elektronik. In Rudow waren wir schon länger an der Kapazitätsgrenze, jetzt machen wir noch mehr Grading in Polen.

t3n: Wenn du Grading sagst, was genau ist das?

Grading ist die Überprüfung der Elektronikprodukte. Wenn du dein Handy an uns verkaufen möchtest, schickst du das ein. Dann gibt es Grader, die den Zustand überprüfen. Und auf Basis der Zustandsfeststellung zahlen wir dann dem Verkäufer das entsprechende Geld aus. Ein relativ aufwendiger Prozess, aber zur Qualitätssicherung notwendig.

t3n: Und Grading macht ihr in Polen, weil das günstiger ist?

Es ist letztlich etwas günstiger. Das zentrale Argument war jedoch, dass wir große Schwierigkeiten hatten, genügend gut geschulte Mitarbeiter in Rudow zu finden. In Poznan klappt das bisher sehr gut.

„Es ist schwierig, guten Developern zu erklären, dass sie morgens 40 Minuten fahren müssen.“ — Philipp Gattner


 t3n: Ist es wirklich so schwierig, im Moment Personal zu bekommen?

Vor vier Jahren hatten wir nur einen Standort draußen in Rudow. Und es war ziemlich schwierig, guten Developern zu erklären, dass sie morgens 40 Minuten nach Rudow rausfahren müssen, und abends zurück. Deswegen haben wir gesagt, machen wir hier Berlin-Schöneberg auch ein Office auf, das hat es deutlich vereinfacht.

t3n: Hilft es euch bei Mitarbeitern, dass ihr eine Art Kreislaufwirtschaft macht?

In der Berliner Startup-Welt haben Arbeitnehmer heute viele Optionen und du musst sie als Arbeitgeber überzeugen, zu dir zu kommen. Und wir merken, dass Nachhaltigkeit da ein extrem starkes Argument ist, gerade bei Leuten die nochmal zehn Jahre jünger sind als ich.

t3n: Mal abgesehen vom Personal – wie entwickelt sich der Markt gerade?

Am Anfang hieß Rebuy ja mal „Trade a Game“ und hat mit Konsolenspielen und dann Medien angefangen. Das ist nicht die Kategorie, auf der wir die Zukunft von Rebuy aufbauen wollen; aber ich bin immer wieder überrascht, dass wir mit CDs und DVDs jeweils einen zweistelligen Millionenbetrag Umsatz machen –mit Medien insgesamt 40 bis 50 Millionen im Jahr.

t3n: In Zukunft wollt ihr eher auf gebrauchter Elektronik aufbauen?

Das klare Wachstum und inzwischen auch zwei Drittel unseres Umsatzes kommen allerdings aus Consumer-Elektronik. Die stärkste Kategorie da sind Smartphones, danach kommen Tablets, Kameras, Laptops. Und da ist das Wachstum echt enorm: Wir haben im letzten Jahr 90 bis 100 Millionen Umsatz mit Consumer-Elektronik gemacht und hatten da ein Wachstum von year over year 50 Prozent. Das zeigt, wie viel Potential da ist. Und ich glaube, die großen Trends der Gesellschaft spielen uns in die Karten.

Lieber 700 Euro für ein iPhone als 1.000

t3n: Du meinst die Leute kaufen bei euch, weil sie gerne nachhaltigere Elektronik haben wollen?

Viele Leute sagen, okay, sie möchten gern ein iPhone haben, aber nicht 1.000 Euro für ein neues ausgeben, sondern lieber 700 für ein gebrauchtes. Daher kommen wir auch historisch. Aber was für den Kunden eine immer größere Rolle spielt, ist der Nachhaltigkeitsgedanke: Wenn kein neues Handy produziert werden muss, sondern die Produktlebensdauer der Consumer-Elektronikprodukte verlängert wird, weil sie bei Rebuy einkaufen.

 (… ) es ist ein Milliardenmarkt: jede Person hat heute ein Smartphone und ist damit auch ein potentieller Kunde für uns. — Philipp Gattner


t3n: Habt ihr konkrete Zahlen zu der Entwicklung des Markts?

Es gibt tatsächlich keine konkreten Marktstudien zu dem Secondhandmarkt für Consumer-Elektronik oder für Medien, weder für Deutschland noch für Europa. Aber natürlich ist es irgendwo ein Milliardenmarkt: Jede Person hat heute ein Smartphone und ist damit auch ein potentieller Kunde für uns.

t3n: Bis zum Massenmarkt ist es aber noch ein weiter weg …

Letztlich ist unsere Hauptaufgabe, den Leuten davon zu erzählen, dass es unser Geschäftsmodell gibt. Das merken wir im Business und auch im Privatleben: Wenn ich mit Leuten darüber spreche, was ich mache, erzähle ich ihnen als erstes mal, ich bin Online-Trödler. Und wenn ich ihnen davon erzähle, wie das funktioniert, haben viele noch nie davon gehört, aber es leuchtet ihnen sofort ein.

t3n: Hast du das Gefühl, dass es da gerade jetzt ein Umdenken gibt?

Was man auf jeden Fall sieht, ist dass das Suchvolumen nach oben geht, dass die Leute verstärkt nach gebrauchten Produkten suchen. Und immer mehr Businesspartner kommen auf uns zu, ob wir nicht Kooperationen machen wollen.

t3n: Von welchen Firmen werdet ihr so angesprochen?

Größere Mobilfunkanbieter, die gezwungen sind, ihren Kunden nachhaltigere Modelle anzubieten, dass sie praktisch von ihren Kunden gebrauchte Produkte einsammeln, an uns weitergeben und wir die dann verkaufen. Aber auch von Unternehmen, die eine große Anzahl an Elektronikprodukten haben und die gerne an uns weitergeben möchten.

„Wir sind ein C2B2C.“ – Philipp Gattner


t3n: Aber ihr habt ja auch Konkurrenz auf dem Markt, zum Beispiel Backmarket aus Frankreich.

Wir sind ein C2B2C und kaufen von Endkunden an. Backmarket ist eher ein B2B2C-Modell. Und der Unterschied ist, dass die Ware nicht von Backmarket kontrolliert worden ist. Die haben keine eigenen Operations, das ist ein Marktplatzmodell. Und da sehen wir einfach ein gewisses Risiko, weil es relativ viel schwarze Schafe im Markt gibt, die gebrauchte Consumer-Elektronikprodukte verkaufen. Die Qualitätssicherung ist da häufig nicht besonders gut, deswegen verkaufen wir nur Produkte, die bei uns durch die eigene Logistik und unser eigenes Grading gelaufen sind.

t3n: Wie kommt es eigentlich, dass jetzt, 24 Jahre nach der Gründung von Ebay, gebrauchte Elektronik nochmal so boomt?

Ich glaube die Leute kaufen jetzt lieber bei uns, weil sie einfach drei Jahre Garantie haben. Ich würde jetzt nicht ein Produkt für 250 Euro bei Ebay kaufen, wo ich nicht weiß, ob das nach neun oder zwölf Monaten kaputt geht, weil die Platinen vielleicht schlecht verlötet sind. Und für Leute, die bei uns verkaufen, ist es einfacher. Wir schlagen dir den Preis vor, es kostet dich nichts, und wenn die Qualität so ist, wie du sie angegeben hast, bekommst du sofort dein Geld oder erhältst dein Gerät zurück, wenn du mit unserem Preisvorschlag nach dem Grading nicht einverstanden bist.

„Ankauf ist unser Bottleneck.“ — Philipp Gattner


t3n: Ich verstehe nicht, was du mit Qualität meinst. Sind nicht alle iPhones gleich?

Wir haben festgestellt, dass wir weniger Retouren haben und die Qualität höher ist, wenn wir die Geräte von Endkunden kaufen, statt von Händlern. Man muss die Geräte tatsächlich aufmachen, um die Unterschiede zu sehen. Ankauf ist tatsächlich unser Bottleneck.

t3n: Aber ihr repariert auch.

Wir haben mit kleineren Reparaturen angefangen und gehen da inzwischen auch ein bisschen tiefer rein. In der Vergangenheit war es einfach so, dass wir auch einfach noch einen signifikanten Anteil der Produkte, die uns Kunden zugeschickt haben, wieder zurückschicken mussten, weil die Qualität zu schlecht war. Jetzt nehmen wir die Produkte an, auch wenn jetzt beispielsweise das Display gebrochen ist. Wir ziehen dir als Kunden praktisch die Reparaturkosten ab und haben aber die Möglichkeit, das Produkt dann anzukaufen, zu reparieren und dann wieder in den Kreislauf zu schicken.

t3n: Werden Reparaturen an neuen Smartphones nicht immer komplizierter?

Das geht jetzt, da wir auch relativ viel in diesen Bereich investiert haben. Am Anfang ist es gar nicht möglich gewesen, die neusten Apple-Produkte aufzumachen, da diese Produkte alle spritzwassersicher sind. Jetzt haben wir auch Maschinen, die die Geräte auseinandernehmen und wieder zusammenfügen können, ohne dass die Qualität der Produkte darunter leidet.

t3n: Es gibt auf dem Markt noch ein paar kleinere Player.

Ja, Momox ist ein klassischer Wettbewerber. Aber die scheinen mit Consumer-Elektronik abgeschlossen zu haben und machen jetzt eher Medien und einen Testballon in Fashion. Dann gibt es in Deutschland noch „Flip for new“, und „As good as new“; aber die sind deutlich kleiner und ich glaube am Ende zahlt sich Größe aus. Aber generell liegt das Geschäftsmodell im Trend.

„Das Modell wird sich auch in anderen Branchen durchsetzen.“ — Philipp Gattner


t3n: Auto1 macht Grading und Verkauf für Autos.

Im Prinzip haben sie das Rebuy-Modell auf Autos angewandt. Bei Autos ist der Ankauf-Verkauf-Aufwand ja noch viel größer: Du packst das auf Mobile.de oder auf Ebay-Kleinanzeigen, dann kommen irgendwelche Leute zu dir nach Hause, die vorher sagen, sie zahlen dir 10.000 Euro, dann kommen sie bei dir vorbei und sagen, ja, das sind doch nur noch 8.000 Euro. Du hast da über Plattformen oft einen sehr dubiosen Verkaufsprozess. Bei Auto1 kann man Autos zwar nicht einschicken, aber sie haben auch Vertragspartner, die das Grading übernehmen und dann kriegst du einen Fixpreis angeboten. Das Wachstum ist beeindruckend und zeigt, dass sich das Modell auch in anderen Branchen durchsetzen wird.

t3n: Vielen Dank für das Gespräch.

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