Interview

Rebuy-CEO: „Wir machen zweistellige Millionenumsätze – mit CDs“

Rebuy-CEO Philipp Gattner: „Ein Wachstum von year over year 50 Prozent.“ (Foto: Rebuy)

Rebuy hat im letzten Jahr 90 bis 100 Millionen Umsatz mit Consumer-Elektronik gemacht.  Das Werkstattgespräch mit Philipp Gattner, dem CEO von Europas größtem Re-Commerce Händler.

Wenn man Philipp Gattner besucht, ist man vielleicht erstmal überrascht davon, wie entspannt er ist. Lächelnd kommt der CEO des Elektronik-Gebrauchthändlers zur Bürotür in dem ehemaligen 30er-Jahre Verwaltungsgebäude in Schöneberg und bietet eine kleine Führung an.

Man bekommt kurz das Gefühl, man besucht ein Startup. Bis man merkt, dass die Führung sich etwas zieht, weil Rebuy mittlerweile ungefähr 500 Mitarbeiter hat. Ohne dass es aufgefallen wäre, ist Rebuy zum größten europäischen Händler für gebrauchte Elektronik geworden – einmal abgesehen von Marktplätzen wie Ebay. 140 Millionen Umsatz macht Rebuy mittlerweile im Jahr, zwei Drittel davon mit gebrauchten Handies, Laptops und Kameras; ein Drittel mit gebrauchten Büchern, CDs und Medien.

Von außen wirkt das Geschäftsmodell von Rebuy simpel: Nutzer können gebrauchte Medien und Elektronikartikel zu Rebuy schicken. Rebuy kauft sie an und verkauft sie wieder. Wir wollten wissen, wie das genau funktioniert, warum gebrauchte Elektronik 24 Jahre nach der Gründung von Ebay einen Boom erlebt, und wer CEO Philipp Gattner ist.

t3n: Ganz schön groß, wie viele Leute arbeiten denn hier mittlerweile?

Philipp Gattner: Wir sind jetzt insgesamt um die 500 Leute: Hier im Headquater 120. Außerdem haben wir noch zwei Logistikstandorte, einen im [Berliner] Stadtteil Rudow und einen in Poznan, in Polen. In Poznan haben wir zu Beginn des letzten Jahres eine Firma mit 35 Leuten übernommen und sind bis heute auf rund 150 Mitarbeiter gewachsen. Wir haben ja zwei Kategorien: Medien und Elektronik. In Rudow waren wir schon länger an der Kapazitätsgrenze, jetzt machen wir noch mehr Grading in Polen.

t3n: Wenn du Grading sagst, was genau ist das?

Grading ist die Überprüfung der Elektronikprodukte. Wenn du dein Handy an uns verkaufen möchtest, schickst du das ein. Dann gibt es Grader, die den Zustand überprüfen. Und auf Basis der Zustandsfeststellung zahlen wir dann dem Verkäufer das entsprechende Geld aus. Ein relativ aufwendiger Prozess, aber zur Qualitätssicherung notwendig.

t3n: Und Grading macht ihr in Polen, weil das günstiger ist?

Es ist letztlich etwas günstiger. Das zentrale Argument war jedoch, dass wir große Schwierigkeiten hatten, genügend gut geschulte Mitarbeiter in Rudow zu finden. In Poznan klappt das bisher sehr gut.

„Es ist schwierig, guten Developern zu erklären, dass sie morgens 40 Minuten fahren müssen.“ — Philipp Gattner


 t3n: Ist es wirklich so schwierig, im Moment Personal zu bekommen?

Vor vier Jahren hatten wir nur einen Standort draußen in Rudow. Und es war ziemlich schwierig, guten Developern zu erklären, dass sie morgens 40 Minuten nach Rudow rausfahren müssen, und abends zurück. Deswegen haben wir gesagt, machen wir hier Berlin-Schöneberg auch ein Office auf, das hat es deutlich vereinfacht.

t3n: Hilft es euch bei Mitarbeitern, dass ihr eine Art Kreislaufwirtschaft macht?

In der Berliner Startup-Welt haben Arbeitnehmer heute viele Optionen und du musst sie als Arbeitgeber überzeugen, zu dir zu kommen. Und wir merken, dass Nachhaltigkeit da ein extrem starkes Argument ist, gerade bei Leuten die nochmal zehn Jahre jünger sind als ich.

t3n: Mal abgesehen vom Personal – wie entwickelt sich der Markt gerade?

Am Anfang hieß Rebuy ja mal „Trade a Game“ und hat mit Konsolenspielen und dann Medien angefangen. Das ist nicht die Kategorie, auf der wir die Zukunft von Rebuy aufbauen wollen; aber ich bin immer wieder überrascht, dass wir mit CDs und DVDs jeweils einen zweistelligen Millionenbetrag Umsatz machen –mit Medien insgesamt 40 bis 50 Millionen im Jahr.

t3n: In Zukunft wollt ihr eher auf gebrauchter Elektronik aufbauen?

Das klare Wachstum und inzwischen auch zwei Drittel unseres Umsatzes kommen allerdings aus Consumer-Elektronik. Die stärkste Kategorie da sind Smartphones, danach kommen Tablets, Kameras, Laptops. Und da ist das Wachstum echt enorm: Wir haben im letzten Jahr 90 bis 100 Millionen Umsatz mit Consumer-Elektronik gemacht und hatten da ein Wachstum von year over year 50 Prozent. Das zeigt, wie viel Potential da ist. Und ich glaube, die großen Trends der Gesellschaft spielen uns in die Karten.

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