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Porträt

Robert Basic: Ein Nachruf auf den deutschen Urvater der Blogger

Robert Basic. (Foto: Sandra Schink)

Robert Basic – Gründer des Basic Thinking Blogs, Berater und digitaler Vordenker – ist in der Nacht zu Freitag an einem Herzleiden gestorben. Bei t3n erinnert sein Freund Don Dahlmann an einen der bekanntesten deutschen Blogger und überlässt ihm das letzte Wort.

An den Ort unserer ersten Begegnung kann ich mich nicht mehr genau erinnern, wohl aber an die ersten Worte. Es war auf irgendeiner der frühen Bloggercamps um 2005 rum. Plötzlich stand ein lachender, leicht rundlicher Mann mit einer winzigen Brille vor mir. „Du bist Don, oder? Ich bin Rob, geil, dass wir uns endlich mal kennenlernen.“ Als eher zurückhaltender Mensch folgte zu meiner großen Überraschung eine herzliche und kräftige Umarmung. Jeder, der Robert kannte, wusste, dass das eine typische Begrüßung von ihm war. Offen, warmherzig und sehr direkt, verbunden mit einem Bombardement an Fragen.

Robert hat die deutsche Blogszene in Schwung gebracht

Robert war ein absolutes Unikat. Seine permanente gute Laune konnte wirklich kaum etwas erschüttern. Schlechte Laune war ihm schon deswegen zuwider, weil sie ihn davon abhalten würde, was Neues zu entdecken. Es gab etliches, was ihn brennend interessierte und über das er schreiben wollte. Und er hat viel geschrieben. Sehr viel. Das Archiv seines altes Blogs Basic-Thinking umfasst 12.000 Artikel von ihm. Er hat mehr oder weniger im Alleingang die deutsche Blogszene in Schwung gebracht und ich weiß nicht wie viele Menschen dazu gebracht mit dem Bloggen anzufangen. Viele heute bekannte Journalisten und Blogger haben wegen Robert mit dem Schreiben im Internet angefangen.

Um so größer dann 2009 der Schock in der Bloggerszene, als Rob sein Blog bei Ebay verkaufte. Ihm war das Ding zu groß geworden, sagte er mir mal. Es habe keinen Spaß gemacht und er wollte mal was anderes machen. Eine typische Aussage für Robert. Sentimentalität war ihm fremd, dafür war seine Neugier und sein Wunsch nach dauernder Veränderung um so ausgeprägter.

Robert wollte nicht aufhören zu fragen

Wer keine Kritik aushalten kann, der wird auch nichts lernen, so seine Devise.

Als ehemaliger IT-Projektleiter stand die Technik und die durch sie ausgelösten Veränderungen immer in seinem direkten Fokus. Welche Geschäftsmodelle sie auf den Kopf stellte interessierte ihn, aber auch, welche Auswirkungen neue Technologien auf den Menschen und seine Umwelt haben werden. Er wollte verstehen, er wollte lernen. Ich habe auf den unzähligen Veranstaltungen, die wir zusammen besucht haben, viele Experten am Rande des Nervenzusammenbruchs erlebt, weil Robert einfach nicht aufhören wollte zu fragen. Sehr zu meinem Amüsement, muss ich zugeben.

Das bemerkenswerte an ihm war aber gleichzeitig, dass er nie zu den „Jubelpersern“ unter den Blogger und Journalisten gehörte. Er hatte das, was man altmodisch Rückgrat nennt. Er war gradlinig, stand zu seiner Meinung und er drückte seine Kritik auch sehr deutlich aus. Da erreichte er bei manchem Pressesprecher und Leser schon mal eine Schmerzgrenze, aber das störte ihn nicht. Wer keine Kritik aushalten kann, der wird auch nichts lernen, so seine Devise.

Nicht das, was man hören wollte – aber die Wahrheit

Das galt im übrigen auch, wenn man ihn um persönlichen Rat fragte. Man bekam nie das zu hören, was man vielleicht hören wollte, aber man bekam immer die Wahrheit. Wenn er einen schräg über den oberen Rand seiner Brille anschaute, dann wusste man, dass da gleich was unbequemes kommen würde. Aber das war nie böse gemeint. Im Gegenteil. Wenn er helfen konnte, dann tat er das. Das war dann die andere Seite von Robert. Er hatte ein unfassbar großes, warmes Herz.

„Weine nicht eines Tages an meinem Grab. Singe und tanze und feiere mein Leben. Es war geil, ich habe viel erlebt, was gibt es da zu betrauern?“

Vor ein paar Wochen stand ich bei der Präsentation eines neues Autos mit Robert zusammen und wir nahmen die Strategie des Konzerns mit deutlichen Worten auseinander. „Wir werden so langsam die 'grumpy old men' der Mobilitätsszene“, meinte ich zu meinem gleichaltrigen Freund. Er lachte lauthals. „Ist doch gut so, einer muss es doch machen,“ und ich erwiderte: „Das machen wir die nächsten 20 Jahre einfach so weiter.“ Leider wird das nicht mehr passieren. Er fehlt mir jetzt schon. Als verbaler Sparringspartner, als Freund und als Mensch. Aber, wie gesagt: Sentimentalitäten waren seine Sache nicht. Daher soll er auch das letzte Wort haben.

„Weine nicht eines Tages an meinem Grab. Singe und tanze und feiere mein Leben. Es war geil, ich habe viel erlebt, was gibt es da zu betrauern?“ ~ Robert Basic

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