Ratgeber

Scrum: Wie funktioniert ein Estimation-Game?

(Grafik: Shutterstock/Aniwhite)

Beim Estimation-Game handelt es sich um einen Ansatz zur relativen Aufwandsschätzung von User-Storys. Scheint eine detaillierten Schätzung für jede User-Story zu zeitaufwendig, ist das Estimation-Game eine gute Alternative.

Wie funktioniert das Estimation-Game?

Das Estimation-Game dient zur Erstellung einer relativen Aufwandsschätzung, da eine detaillierte Schätzung pro User-Story sehr umfangreich und zeitaufwendig werden kann. Um das Estimation-Game nun durchzuführen, ist die Anwesenheit des gesamten Scrum-Teams einschließlich des Product-Owners nötig. Bei dem „Spiel“ geht es darum, den Arbeitsaufwand der einzelnen User-Storys relativ zu den Anderen zu bestimmen.

Für die Durchführung wird ein verdeckter Stapel mit den zu schätzenden User-Storys vorbereitet. Die Reihenfolge der Karten spielt dabei noch keine Rolle. Das Estimation-Game kann natürlich auch digital vollzogen werden. Nun nimmt nacheinander jedes Teammitglied eine User-Story von dem Stapel und ordnet sie an einer Pinnwand an. Sobald die erste Karte an der Wand hängt, müssen die darauffolgenden Storys relativ zu den bereits hängenden Karten hinzugefügt werden. Dabei schätzt das aktuelle Teammitglied den Arbeitsaufwand seiner Karte nach seinem eigenem Ermessen. Nun positioniert er sie entsprechend an der Pinnwand. Am Ende sollen alle User-Storys nach dem Aufwand aufsteigend von oben nach unten an der Wand hängen. Wird der Arbeitsaufwand einer Story genauso hoch wie der einer anderen geschätzt, so kann sie auch daneben platziert werden. Ab der dritten Story-Card ist es zudem mit kurzer Erklärung erlaubt, eine bereits gespielte Karte umzuhängen oder sogar auszusetzen. Obwohl also jeder Spieler seinen Zug unabhängig vom restlichen Team durchführt, hat jeder einen Einfluss auf die Schätzung jeder einzelnen Story. Sobald alle Karten an der Pinnwand hängen, können auch anhand der Reihenfolge sehr schnell Story-Points für die einzelnen Ebenen vergeben werden.

Welche Vor- und Nachteile birgt das Estimation-Game?

Die Nutzung des Estimation-Game bringt zahlreiche Vor- und Nachteile mit sich. Obwohl die Aufwandsschätzungen alle auf einer relativen Basis erfolgen, kann ihnen eine hohe Genauigkeit bescheinigt werden. Vor allem das kollektive Schätzen führt zu der entsprechenden Genauigkeit. Zudem sorgt der Einfluss der verschiedenen Fachexpertisen dafür, dass die Einschätzung aus Sicht mehrerer Fachbereiche stattfindet und somit sehr differenziert ist. Bei anderen Methoden der Schätzung kann sich zudem schnell in Teilaufgaben und Lösungsansätze verlaufen werden. Dem Problem kann mit dem Estimation-Game vorgebeugt werden. Das vergleichsweise einfache Setup und das klare Regelwerk tragen auch dazu bei, dass die Anwendung des Estimation-Game sehr einfach ist. Dadurch lassen sich neue Teammitglieder schnell in das Projekt und in den Ablauf integrieren.

Einmal eingeführt, ist das Estimation-Game jedoch nur schwer zu ersetzen. Das ist jedoch bei vielen Schätzmethoden der Fall, da jede ein Stück weit ihre eigenen Bezugsgrößen und Metriken verwendet. Auch wird die Schätzung sehr schwierig, sollte das Team mehr als neun Teilnehmer haben. Dabei muss jeder der Teilnehmer eine ausreichende fachliche Expertise haben, damit die Aufwandsschätzung tatsächlich genau ist. Da jeder Spielerzug unabhängig vom restlichen Team durchgeführt wird, kann die gesamte Schätzung ungenau werden, sollte auch nur ein Teammitglied sich in dem entsprechenden Fachbereich nicht ausreichend auskennen.

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2 Kommentare
Tobias Rohde

Das funktioniert ja nur mit einem Team voller Generalisten. Hat man mehrere Mitarbeiter mit T-Shaped Profilen kann man den Ansatz schon wieder vergessen. Ein Backend-Spezialist wird ein Frontend-Thema vermutlich immer etwas komplexer schätzen als ein Backend-Spezialist. Und schon haut es nicht mehr richtig hin.

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Ochen
Ochen

Haut nicht hin. Um eine User Story wirklich bewerten neutral zu können braucht man einen sehr detaillierten Überblick über die zu erledigende Aufgabe. Das ist oft nur demjenigen möglich, der den Task zu erfüllen hat oder dem der das Ticket erstellt hat. Die Komplexität eines Tasks und die gegebenen Risiken komplett in jedem Ticket abzubilden, um es neutral bewerten zu können, ist schlicht unmöglich und in der Regel wirtschaftlicher Unsinn.

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