Analyse

So funktionieren die Methoden von Social Bots und Fake-Accounts

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Boost-Methoden von kleiner Hilfestellung bis harte Blackhat-Tricks

Aktuell gehen zwar die Social Bots durch die Medien. Aber die Manipulation sozialer Medien braucht gar nicht so weit gehen. Es gibt genügend kleine, unscheinbare Methoden, sein eigenes Profil ins Scheinwerferlicht zu rücken.

1. Das kleine Schummeln für Beginner

In der Social-Media-Promotion und dem Content-Marketing ist das Hijacking von Themen ein alter Hut und Ware für das erste Semester des Marketingnachwuchses. Suche aktuelle Trends oder News und springe mit deinem Post auf den Zug auf. Recherchiere relevante Keywords und nutze diese wie ein SEO-Pro.

Verschiedenste Social-Media-Dashboards unterstützen diese einfache Basisrecherche längst mit Hashtag- und Trendanalysen. Instagram erlaubt über seine API die Abfrage von Nutzern, die aktuell einen bestimmten Hashtag verwenden. Damit kann man nicht nur die Reichweite abschätzen, sondern auch Hashtag-Clouds mit verwandten Hashtags auslesen.

Andere Plattformen wie Tagitbest oder Tagsforlikes bieten einem gleich gebündelt aktuell trendy Hashtags für verschiedene Kategorien. Diese können in die eigenen Posts kopiert werden und sollen eine bessere Positionierung in den News-Listen garantieren. Glauben sollte man dem nie blind. Testen kann man es auf jeden Fall.

2. Gezielt Sichtbarkeit anfeuern

Ein weiterer Weg ist die oben bereits angedeutete Anschubfinanzierung. Ein klassisches Werkzeug für Instagram ist zum Beispiel das Karussellprinzip bei der Like-Generierung. Dafür liket man in einem Werkzeug wie Gramblr Bilder von anderen Gramblr-Nutzern. Jedes Like generiert Coins, für die man wiederum Likes von den anderen Nutzern erwerben kann. Apps wie Real Followers for Instagram funktionieren ebenfalls nach der like-for-like-Regel und bieten zudem ein follow-for-follow-Karussell an. Der Vorteil hierbei: Es handelt sich größtenteils um echte Nutzeraccounts. Mit etwas Fingerspitzengefühl kann man so seinen noch unbekannten Post ein wenig ins Scheinwerferlicht rücken und erst einmal auf sich aufmerksam machen.

Andere Werkzeuge wie Ninjagram oder Ninjapinner erlauben die Identifikation von Post- oder Nutzer-IDs auf Instagram beziehungsweise Pinterest, die bestimmte Hashtags bedienen. Diese können nachfolgend mit Likes/Repins und Follows beworfen werden. Das Programm kann jedoch mehr und erlaubt im zweiten Schritt auch eine vollautomatische Skalierung der Aktivitäten.

Das Karussellprinzip: Ich like Bilder und erhalte eine Gutschrift, um von anderen für eigene Posts geliket zu werden. (Screenshot: Gramblr)

3. Kommunikation skalieren und automatisieren

Der Übergang zum Blackhat-Trick ist fließend und muss nicht auf ein bestimmtes Werkzeug festgelegt werden. Vielmehr haben alle Werkzeuge das Potenzial, sich in der grauen Zone der Social-Media-Arbeit zu bewegen. Es ist eine Frage der Skalierung. In Ninjagram können den identifizierten Instagram-IDs zum Beispiel im großen Maßstab vollautomatisch Likes und Follow-Anfragen zugesendet werden. Ziel ist hierbei, vom beglückten Nutzer ein Follow beziehungsweise ein Like auf einen eigenen Post zurückzuerhalten. Einen noch höheren Automatisierungsgrad erreicht man durch eingekaufte oder selbstprogrammierte Bot-Programme, die sich ebenfalls an die APIs der Netzwerke hängen und 24/7 arbeiten. In Kombination mit mehreren Hundert Fake-Accounts kann man sich schnell selbst in die Ranglisten befördern.

Andere Tools und vermehrt verschiedene Dienstleister ermöglichen es, im großen Stil Likes, Klicks, Retweets, Kommentare und Follower auf den verschiedenen Netzwerken einschließlich Youtube, Pinterest und Soundcloud einzukaufen. Wer hier mit einem Mal 10.000+ Follower auf seinen Account bringen möchte, darf jedoch davon ausgehen, dass Botfarmen hinter den Angeboten stecken. Mit echten Nutzern und Fans kann man dann nicht mehr rechnen. In Russland sorgen seit Mitte des Jahres Automaten in Einkaufszentren für Furore, an denen man direkt Fake-Likes und Follower kaufen kann.

Katz- und Mausspiel zwischen Authentizität und Betrug

Die sozialen Netzwerke selbst reagieren auf diesen Missbrauch, indem sie Bots und Fake-Accounts identifizieren und löschen. So kommen auch die plötzlichen und oft sehr hohen Zusammenbrüche der Fanzahlen bei großen Influencer-Accounts zustande. Darauf reagieren wiederum die Anbieter von Fake-Fan-Einkäufen. Sie versprechen ihren Kunden eine Gutschrift über gelöscht Likes und Fans oder bieten direkt das fließende Aufstocken durch neue Fake-Accounts.

Manchmal erlauben aber auch die Netzwerke selbst ein hohes Maß an Manipulation durch ihre Programmierung. So gewährt Twitter über seine API Schreibrechte (Instagram zum Beispiel vergibt nur Leserechte). XING dagegen besitzt keine Reloadsperre. Öffne ich einen Beitrag in einem Forum und lade die Seite wiederholt neu, zählt jedes Refresh als neue Ansicht. So lässt sich schnell eine vermeintliche Relevanz vorgaukeln, die insbesondere in der Google-Suche Früchte trägt.

Genau bei dieser Skalierung steckt in der Politik sowie öffentlichen Diskussionen denn auch die Gefahr der Meinungsmanipulation. Beim Influencer Marketing geht es in Richtung Betrug, wenn Unternehmen damit irregeführt werden. Umso wichtiger ist die Überprüfung der Fakten und der Quelle eines Posts  sowie die Prüfung der Account-Authentizität.

Das gilt mittlerweile nicht nur für jeden User und jedes Unternehmen, sondern auch für Medienanstalten und Journalisten.

Wie einfach Unternehmen dem Betrug zufallen, zeigte jüngst der Fall Mediakix. Die US-Amerikanische Marketingagentur kreierte als Experiment zwei Instagram-Accounts, die sie mit Stockphotos und gekauften Fans befeuerte. Innerhalb weniger Wochen hielten sie die ersten Deals für Sponsored Content in den Händen.

Über verschiedene Werkzeuge können soziale Aktionen wie Likes, Pins und Kommentare automatisiert werden. (Screenshot: Ninjapinner)

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Ein Kommentar
arnego2

Klasse Artikel, hoffentlich lesen ihn auch viele und lernen dadurch sich nicht so einfach über den Tisch ziehen zu lassen (sich beeindrucken lassen). Darin liegt der Kernpunkt, der User ist im allgemeinen nicht sehr aufgeklärt.

Ein Vortrag in den Schulen, schickt den Artikel an die Lehrer, die dann auch den Eltern etwas erzählen können. Aufklärung tut not.

Antworten

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