Analyse

Sony Playstation 5: Konsolendesign im Wandel der Zeit

So wird die neue PS5 aussehen. (Bild: Sony)
Lesezeit: 3 Min.
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Sony hat seine neue Playstation vorgestellt. Die fünfte Generation weicht vom Design her deutlich von seinen Vorgängern ab. Wir schauen uns die Einflussgrößen im Konsolendesign an.

Form follows Function. Die Form folgt der Funktion. Nach diesem Leitspruch gestalten erfolgreiche Produktdesigner seit Jahrzehnten. Dabei hat der Spruch mehrere Dimensionen.

Produktdesign sollte etablierten Prinzipien folgen

So muss sich die Form eines Produkts stets an die Funktion anpassen. Das bedeutet zunächst, dass das Design keine überflüssigen Merkmale zeigen darf, die für die Funktion nicht erforderlich sind oder ihr sogar widersprechen. Auf der anderen Seite wissen Designer auch, dass die Form im digitalen Zeitalter immer mehr zur Funktion wird. Die Bedienung der Funktion zu gestalten ist damit auch eine Form des Designs. Anders ausgedrückt: gutes Design macht ein Produkt verständlich.

Der einflussreichste Produktdesigner der Neuzeit dürfte in diesem Zusammenhang Dieter Rams sein. Er setzte auf einen minimalistischen Designansatz. Der berühmte Gestalter versuchte, stets so minimalistisch zu bleiben, dass Produkte praktisch keine Benutzeroberfläche mehr hatten, die hätte erklärt werden müssen.

Produktdesigner-Papst: Dieter Rams

Es ist nur logisch: Je einfacher das Design eines Produkts ist, desto einfacher ist dessen Bedienung, desto geringer ist die Schwelle für den potenziellen Bediener, sich mit dem Produkt auseinanderzusetzen.

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Das waren indes nicht die einzigen Ansprüche, die Rams an modernes Design stellte. Genauso wichtig waren ihm weitere Aspekte. Seine zehn Thesen für gutes Design definierte er wie folgt:

Gutes Design…

  1. … ist innovativ.
  2. … macht ein Produkt brauchbar.
  3. … ist ästhetisch.
  4. … macht ein Produkt verständlich.
  5. … ist unaufdringlich.
  6. … ist ehrlich.
  7. … ist langlebig.
  8. … ist konsequent bis ins letzte Detail.
  9. … ist umwelt­freundlich.
  10. … ist so wenig Design wie möglich.

Konsolendesigns folgen Prinzipien nicht konsequent

Wenden wir nun diese Thesen auf das Design von Spielkonsolen, namentlich der erfolgreichen Playstation-Reihe aus dem Hause Sony, so fällt auf, dass deren Designer anscheinend nicht in jedem Fall konsistente Designprinzipien angewendet haben. Wie sonst sollten sich die teils deutlich abweichenden Gestaltungsansätze von PS One bis PS5 erklären lassen?

Sonys Marketing tut jedenfalls so, als wäre dem nicht so, wie wir in diesem Video zum Erscheinen der PS4 ganz gut sehen können:

Marketingaspekte beeinflussen das Design

Tatsächlich gibt es neben den hehren, zeitlosen Designprinzipien weitere Aspekte, die vor allem durch das Produktmarketing in den Prozess eingebracht werden. So kann Design etwa den Zeitgeist widerspiegeln oder sich besonders attraktiv für bestimmte, vielleicht wechselnde Zielgruppen zeigen wollen.

Gerade bei Spielkonsolen konnten wir über die letzten 40 Jahre einen deutlichen Designwechsel feststellen, der sich nicht allein aus der teilweisen Missachtung fundamentaler Designprinzipien erklären lässt.

Gutes Design macht ein Produkt brauchbar.
Dieter Rams

Konsolen aus den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts wirken mehr wie kleine Möbelstücke mit viel Holz in der Optik und kantigem Äußerem, während Konsolen der Neunziger eher wie Spielzeuge wirken, die sich besonders gut in Kinder- und Jugendzimmer einfügen sollen. Mit Beginn des neuen Jahrtausends und dem steigenden Realitätsgrad in der Darstellung der Spielewelten an sich wurden Konsolen auch für Erwachsene immer interessanter. So muss sich eine Konsole heutzutage im Wohnzimmer ansehnlich präsentieren, sich aber gleichzeitig von Wettbewerber-Geräten möglichst deutlich absetzen.

So betrachtet, ist das Konsolendesign über die Jahrzehnte immer schwieriger geworden, weil die Ansprüche an eine Spielkonsole höher und vielfältiger geworden sind.

Die Playstation 1 (PS one) wurde 1995 auf den Markt gebracht und ist die erste Spielekonsole, von der mehr als 100 Millionen Einheiten weltweit verkauft wurden. Ihr Design ist klar auf das Kinderzimmer orientiert. Große runde Knöpfe zeugen von einer jungen Zielgruppe. (Bild: Sony)

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Der technische Fortschritt erfordert Designänderungen

Aber auch der technische Fortschritt nimmt starken Einfluss auf die äußere Form. Immer leistungsfähigere Komponenten haben den Gehäusedesignern neue Probleme geschaffen. Die von modernen Prozessoren ausgehende Hitze muss abgeführt oder am besten gleich an der Entstehung gehindert werden. Hier spielen immer ausgefeiltere Kühlungs- und Belüftungssysteme eine Rolle, für die Ein- und Auslässe und ganz allgemein Platz im Gehäuse geschaffen werden muss.

Gleichzeitig muss der Schallschutz bedacht werden. Immerhin stehen die Konsolen unter dem Fernseher und sollen neben den Spielegeräuschen eigentlich keine eigene Soundquelle sein.

So ist es kein Wunder, dass moderne Konsolen weniger kompakt als ihre Vorgänger daherkommen. Durch ihre Größe können sie sich nicht im Schrank verstecken wie es etwa den ersten Generationen der Playstation noch hätte gelingen können. Und da sie sich nicht verstecken können, müssen sich ihre Designer um eine besonders ansehnliche, wiedererkennbare Form bemühen.

Gestalterischer Mut ist unabdingbar, polarisiert aber

Das ist im Grunde ein Dilemma, denn allzu minimalistische Ansätze könnten im Vergleich als langweilig empfunden werden. Um gestalterischen Mut kommen Konsolendesigner daher heutzutage nicht herum.

Gestalterischer Mut äußert sich in wenigstens minimal mutigen Designs und das führt zur Polarisierung in der avisierten Nutzerschaft. Auch die aktuelle Playstation 5 sieht sich wieder dem Gespött mancher ausgesetzt. Sie sehe aus wie ein WLAN-Router meinen einige. Wir haben die lustigsten Kommentare in diesem Beitrag zusammengefasst.

Passend dazu: Next-Gen-Playstation: So sieht die PS5 aus

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