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„Dringend gesucht“: Diese Formulierungen in Stellenanzeigen sind Warnsignale

Bequem von zu Hause aus Geld verdienen? Flache Hierarchien und Aufstiegsmöglichkeiten? Formulierungen in Stellenanzeigen klingen oft zu gut, um wahr zu sein. Oft sind sie einfach falsch!

4 Min. Lesezeit

Fiese Formulierungen in Stellenanzeigen. (Foto: Shutterstock/Eugenio Marongiu)

Job-Suche kann wehtun. Job-Suche kann bedeuten, Portale durchzuscrollen, zu versuchen, verklauselte Anzeigen zu entschlüsseln, und Recherche, Recherche, Recherche zu betreiben. Doch das muss so sein. Es geht hier schließlich um nicht weniger, als den Ort, die Menschen und die Aufgabe, mit der ihr den nächsten Abschnitt eures Erwerbslebens verbringen werdet. Investiert da ruhig ein bisschen Zeit.

Keine Zeit investieren solltet ihr allerdings in den Bullshit, den einige in ihre Gesuche reinschreiben. Einige Formulierungen, bei denen ihr hellhörig werden solltet:

„Dringend gesucht“ / „Zum nächstmöglichen Zeitpunkt“

In Deutschland wird eher selten jemand „dringend gesucht“, wenn zuvor nichts vorgefallen ist. Im besten Fall handelt das Unternehmen agil und reagiert mit der neu geschaffenen Stelle auf einen neuen Bedarf oder einen ganzen Schwung neuer Kunden. Dann: Hin da! Klingt toll.

Es könnte aber auch andere Gründe geben. Vielleicht wurde jemand fristlos entlassen oder das Arbeitsverhältnis aufgrund zerstörten Vertrauens sofort beendet. Vielleicht ist die Stelle ein Schleudersitz. Oder schlicht: Der Job ist furchtbar, die Firma auch.

To-do: Augen auf beim Einstellungsgespräch. Fragt ruhig mal nach, ob ihr vorherige Mitarbeiter:innen in der Einarbeitung trefft und welche Erfahrungen zuvor gemacht wurden.

„Job mit Herz“

Natürlich kann es sein, dass hier Organ-Kuriere gesucht werden. Wenn „mit Herz“ aber „ohne gutes Gehalt“ bedeutet, dann solltet ihr eure Motivation klären, bevor ihr euch unsterblich in diesen Job verliebt. Das Unternehmen klingt wundervoll, das Team so toll und einen Kickertisch habt ihr euch schon immer gewünscht? Schön. Aber zahlt das Einkommen die Miete und die Einkäufe?

To-do: Legt vorab klare Kriterien für die Entscheidung fest. Seid ihr bereit und fähig, die nötigen finanziellen Abstriche dauerhaft zu machen? Denkt dabei vom nächsten Weihnachten bis hin zu den fehlenden Rentenpunkten.

„Flache Hierarchien“

Flache Hierarchien können auf ein angenehmes Arbeitsumfeld hindeuten – aber auch auf ein Führungsvakuum. Es hängt von der Stelle ab – und von den persönlichen Präferenzen. In einem Großkonzern dürften flache Hierarchien schlicht unpraktisch sein. Hier klingt so eine Beschreibung eher nach Mode-Erscheinung. Wer selbst aufsteigen möchte – oder sich zu diesem Zeitpunkt der Karriere eine klare Führungspersönlichkeit wünscht – der sollte hier Abstand halten.

To-do: Eigene Bedürfnisse klären – und im Bewerbungsgespräch checken, ob die flache Hierarchie nicht eher ins Chaos führen könnte.

„Für Einsteiger geeignet“

Natürlich ist es schön, wenn Stellenanzeigen direkt Menschen mit weniger Berufserfahrung ansprechen. Wenn nach so einem Satz aber eine Liste mit Pflichten steht, sollten auch selbstbewusste Berufseinsteiger:innen eher hellhörig werden. So ein Job kann tolle Aufstiegsmöglichkeiten bieten, wenn es sich um ein eher junges Unternehmen handelt, das gut geführt wird. Eventuell sucht hier aber jemand Personal zum Anfänger-Tarif, kann aber selbst nicht beurteilen, was die geforderte Arbeit wert ist, oder bringt Jüngeren zu wenig Wertschätzung entgegen. Und dann ist der Job für Einsteiger:innen eher ungeeignet.

To-do: Informiert euch auf jeden Fall über die Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch wichtig zu klären: Welche der älteren Mitarbeiter:innen sind eure direkten Ansprechpartner? Und vergesst nicht, eurer Qualifikation entsprechend zu verhandeln.

„Details auf Anfrage“

Warum ist diese Stellenbeschreibung geheim? Ein möglicher Grund wäre, dass hier mit halbseidenen Geschäftsmodellen gearbeitet wird, deren Formulierung die Behörden auf den Plan riefe. Von Schwarzarbeit über Scheinselbstständigkeit bis hin zu illegalen Pyramidensystemen könnte hier alles drin stecken. Oder natürlich ein echter Job mit Geheimhaltungsstufe, klar. Wenn ihr schon immer Geheimagenten werden wolltet, dann go for it. Für alle anderen gilt:

To-do: Bitte scrollen Sie weiter!

„Bis zu 3.000 Euro bequem von zu Hause aus verdienen“

Hier ein Test: Wie viele Warnsignale verstecken sich in diesem Satz?
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Hier stimmt so einiges nicht. Die Formulierung „bis zu“ lässt auf eine selbstständige Tätigkeit schließen und das bringt schon mehrere Probleme mit sich: Natürlich gibt es auch Angestelltenverhältnisse, in denen sozialversicherungspflichtig nach Zeit vergütet wird. Es könnte aber sein, dass sich hier jemand selbstständig machen soll, um für jemand anderen zu arbeiten. Das mag einfach klingen, bedeutet aber, dass sich schon bei der Steuererklärung einiges ändert. Informiert euch vorher, ob ihr das wollt. Außerdem wird hier kein Einkommen garantiert. Wie ihr die „bis zu“-Summe erreicht, solltet ihr also abfragen. Wird nach Stunden bezahlt? Oder zum Beispiel nach Verkäufen oder anderen Kennzahlen?

3.000 Euro wären in Deutschland zudem schon ein ganz ordentliches Einkommen – ungefähr bei dieser Summe bewegt sich das mittlere Bruttoeinkommen. Insbesondere wenn keine besonderen Fähigkeiten verlangt werden, sollten Job-Suchende hier aufhorchen.

Bequem so viel Geld zu verdienen, ist für die meisten Jobs schlicht unrealistisch. Wer bequem Geld verdient, der hat vorher meist viel dafür getan, eine Grundlage zu schaffen. Oder eben geerbt. Noch dazu passen die Formulierungen „bequem“ und „bis zu“ nicht wirklich gut zusammen. Mit einem gewissen Einsatz solltet ihr immer rechnen – gerade bei Arbeit, die keine Qualifikationen verlangt.

Von zu Hause aus zu arbeiten, mag für viele Menschen erstrebenswert sein, gerade, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit geht. Dies wird jedoch regelmäßig auch bedeuten, dass die Arbeitsgeräte selbst angeschafft werden müssen.

Es sind also vier Warnsignale – und zwar bedeutsame. Dieses Job-Angebot klingt von vornherein unseriös.

To-do: Finger weg!

Manche Stellenanzeigen klingen zu gut, um wahr zu sein. Andere fordern viel und bieten wenig. Lest Stellenanzeigen deshalb so genau wie Text-Aufgaben damals in der Schule:

  • Wer sucht da? Und was ist gesucht?
  • Welche Details könnten bedeutsam sein?
  • Was bietet mir der Job konkret?
  • Und die zentrale Frage: Ergibt das, was in der Stellenbeschreibung steht, das Bild eines konsistenten Jobs?

Je nach Dringlichkeit der eigenen Suche kann es sich lohnen, auch bei Skepsis erst einmal ein Gespräch zu vereinbaren. Dann solltet ihr euch von Anfang an auf freundliche Augenhöhe mit den Gesprächspartner:innen begeben. Wie sie darauf reagieren, dürfte das das wertvollste Indiz sein, ob ihr in diesem Unternehmen arbeiten wollt.

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