Kommentar

Tesla-Fabrik: Warum Berlin als Standort einfach nicht zu stoppen ist

Tesla-Chef Elon Musk beim „Goldenen Lenkrad“ der Autobild in Berlin. Dort ließ Musk die Bombe platzen: Die Gigafactory 4 entsteht bei Berlin. (Foto: dpa)

Die vierte Fabrik von Tesla entsteht bei Berlin – nach Nevada, New York und Shanghai. Der Standort Berlin wird noch weiter an Attraktivität gewinnen, auch wenn das wenig mit der Politik zu tun hat, glaubt t3n.de-Chefredakteur Stephan Dörner.

„Wir haben versucht, einfach mit unseren Vorzügen, mit den Standortvorzügen, die wir haben, zu überzeugen. Wir haben aber auch, glaube ich, überzeugt mit unserem zurückhaltenden Brandenburger Charme“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Mittwoch nach der Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, die Gigafactory 4 des Unternehmens im brandenburgischen Grünheide errichten zu wollen.

„I love Berlin.“

Das klingt nett und bescheiden – und dem wirtschaftsschwachen Bundesland Brandenburg ist der Erfolg zu gönnen. Doch wenn man ehrlich ist, wäre der „zurückhaltende Charme“ in etwa so viel wert wie der zurückhaltende Charme Mecklenburg-Vorpommerns, wenn nicht zufällig Berlin mittendrin wäre. Und das wurde auch am Dienstagabend klar, als Elon Musk überraschend auf der Autobild-Veranstaltung „Goldenes Lenkrad“ des Axel-Springer-Verlags in Berlin die Entscheidung mitteilte. „Nahe Berlin“, sagte Musk dort, soll die Fabrik entstehen. „I love Berlin.“

Spätestens damit sollte klar sein: Der in den deutschen Medien vielfach totgesagte „Failed State“ Berlin ist als Wirtschaftsstandort quicklebendig. Daran werden auch weder Anti-Google-Proteste etwas ändern, noch das anhaltende Flughafen-Desaster oder das Bürgeramts-Chaos.

Das alles hat wenig mit der Politik des Berliner Senats zu tun. Die Gründe für die Attraktivität des Standorts liegen woanders: Im Kampf um die besten Talente gewinnt die Hauptstadt seit Jahren an Bedeutung. Gerade die besonders begehrten, gut qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Generationen Y und Z suchen sich den Wohnort immer seltener nach der passenden Arbeit aus, sondern umgekehrt den Job nach der Stadt, in der sie leben. Denn gerade für die, die dank ihrer guten Ausbildung im durch die demografische Entwicklung angeheizten „War of Talents“ ohnehin gut verdienen werden, ist die Lebensqualität einer Stadt oft wichtiger als das gute Gehalt.

Und hier hat Berlin einiges zu bieten: nicht nur die weltweit berühmte Club-Szene, auch eine vielfältige und qualitativ hochwertige Imbiss- und Restaurant-Kultur, die zu Deutschlands besten zählt, ein exzellentes kulturelles Angebot und viel Natur vor der Haustür der Stadt – in Brandenburg. Vor allem aber ist Berlin Deutschlands einzig wirklich internationale Metropole, in der Recruiter keine Probleme haben, Talente aus der ganzen Welt anzulocken – egal, ob diese aus den USA, Frankreich, Großbritannien, Australien, Spanien oder Israel kommen. Einige klassische deutsche Unternehmensstandorte abseits der Metropolen wie Walldorf (SAP), Wolfsburg (Volkswagen) oder Herzogenaurach (Adidas, Puma und die Schaeffler-Gruppe) werden es in Zukunft noch schwerer haben.

Berlin wirkt

Berlin wirkte dagegen zuletzt wie ein Magnet: Nicht nur Tesla hat sich für einen Standort bei Berlin entschieden, Siemens investiert 600 Millionen Euro in die Hauptstadt, SAP hat vor einigen Wochen angekündigt, 200 Millionen Euro einen Digital Campus nahe des Berliner Hauptbahnhofs zu investieren, sämtliche der fünf Joint-Venture-Unternehmen von Daimler und BMW haben ihren Hauptsitz in Berlin ebenso wie das Joint-Venture Here, auch Amazon will einen Wolkenkratzer mit 3.400 Mitarbeitern in Berlin beziehen. Mit Zalando hat auch Deutschlands erfolgreichste Tech-Gründung seit SAP ihren Hauptsitz in Berlin. Selbst Niedersachsens halbstaatlicher Konzern Volkswagen hat Berlin als Standort entdeckt und wirbt unter dem Slogan „Fahrt mehr Bahn!“ offensiv darum, dass noch mehr VW-Mitarbeiter in Wolfsburg arbeiten, aber in Berlin leben können.

Trotz allem, was in Berlin schief läuft, ist die Stadt also alles andere als eine „No-Go-Zone“ für Tech-Unternehmen. Und wer weiß, vielleicht wird sogar irgendwann mal der Flughafen fertig.

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Ein Kommentar
Ceyhun Yakup Özkardes-Cheung

Stephans Berlin Liebe wird hier sehr deutlich! :)

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